Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Es begann als DVD-Mietversand und hatte schon damals viel Erfolg und zahlreiche Nachahmer. Doch das Geschäftsmodell mit den silbernen Scheiben wurde durch den rasanten Ausbau des Internets obsolet – und Netflix war flexibel genug, sich anzupassen. Heute ist der grösste der Internet-Streaming-Dienste äusserst erfolgreich und zählt seit kurzem mehr als hundert Millionen zahlende Nutzer weltweit.

 
Der Video-Streaming-Dienst Netflix hat über 100 Millionen Abonnenten – unter
anderem weil zahlreiche attraktive Eigenproduktionen angeboten werden.
Bild Netflix

 

Das Schlüsselwort heisst in diesem Zusammenhang “zahlende“ Nutzer, denn im Gegensatz zu zahlreichen anderen Internet Firmen, die mit Millionen von Nutzern angeben können, kann Netflix seine Dienste bei den Anwendern direkt in Rechnung stellen und muss sich nicht auf die Gunst der Werber verlassen. (Wie schwierig es ist, mit einem kostenlosen Angebot im Internet trotz Millionen  von Usern Geld zu verdienen, zeigt der Kurznachrichtendienst Twitter, dessen Aktien momentan unter dem Ausgabepreis dahindümpeln – aber das ist ein andere Geschichte.) Das Netflixkonzept, mit vielen Eigenproduktionen immer mehr Kunden zu gewinnen, geht jedenfalls auf. Aus dem Handelsblatt:

“Rund 5,2 Millionen neue Abonnenten meldeten sich im vergangenen Quartal beim Video-Streaming-Dienst Netflix an. […] Der Umsatz mit 2,8 Milliarden Dollar im Quartal lag 32 Prozent über dem im Vorjahr. Der Nettogewinn mit 66 Millionen nach 44 Millionen Dollar ist ebenfalls gestiegen.“

Der anhaltende und wachsende Erfolg von Netflix und Co. sollte vor allem der Fernsehbranche zu denken geben. Mehr und mehr Medienkonsumenten – vorläufig vor allem in Nordamerika – verzichten ganz auf das althergebrachte Fernsehen, mit vorgegebenem Programm und zuviel lästiger Werbung.  Aber Fernsehzuschauer sind nicht das alleinige Zielpublikum für Netflix – jetzt wird das Kinopublikum von Netflix angepeilt, wie die FAZ berichtet:

“Offenbar sieht der 56 Jahre alte Mitgründer und Vorstandsvorsitzende der Online-Videothek Netflix also Kinos in ihrer heutigen Form als ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Bei der Vorlage des Quartalsberichts leistete sich Hastings jetzt einen weiteren Seitenhieb. Videodienste wie Netflix könnten das Filmgeschäft beleben, sagte er, nahm die Filmtheater davon aber ausdrücklich aus. Soll heissen: Netflix will nach der Fernseh- auch die Filmindustrie aufmischen, notfalls auch zu Lasten von Kinos. Das dürfte nicht nur Kinobetreiber alarmieren, sondern könnte auch erhebliche Auswirkungen für Filmliebhaber haben. Wer sich heute einen neuen Kinofilm ansehen will, tut dies üblicherweise auch im Kino. Wenn es nach Netflix geht, sind künftig immer mehr Neuerscheinungen direkt auf dem Smartphone oder dem heimischen Fernseher über das Internet abrufbar…“