Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Marion Marxer berichtet Patrick Chevin:

Immer noch erschlagen vom Informationsgehalt des Insight-Moduls zum Thema Megatrends, „Mood & Mind“ (waren ja nur 215 Folien), versuche ich ein Abstract wiederzugeben, das dem grossen Thema gerecht wird. Im Vorfeld macht man sich natürlich so seine Gedanken mit welchen Trends man konfrontiert wird – welche Theorien von welchem Trendguru. Entgegen der Annahme, dass Marion highlevel über Megatrends wie Digitalisierung, Urbanisierung, Gesundheit, Globalisierung dozieren würde, hat sie das Thema ganz anders angepackt.

Aus den 16 Megatrends von trendwatching.com hat Marion „5 Trend Cluster à la Marxerevolution“ gebildet, die sie während des Unterrichts näher erläutert hat.

Doch bevor wir in die Details einsteigen, die Marketing-Essenz für Fast-Reader vorab: Die genaue Kenntnis und Bedienung seiner Circles, sprich Zielgruppen, wird auch in Zukunft das zentrale Element im Marketing bleiben, das alles andere bestimmt – vor allem über Erfolg oder Misserfolg. Aber so einfach ist das in Zukunft mit den Circles nicht mehr, denn wenn die Digitalisierung etwas verändert, dann ist das definitiv das Konsumverhalten. Inskünftig lassen sich Zielgruppen nicht mehr stereotyp klassifizieren, Kaufentscheidungen werden eher nach „Mood & Mind“, situationsbedingt, je nach Produkt oder Service getroffen. In diesem Sinne lasst uns abtauchen ins YOUNIVERSE der „5 Trend Cluster“ respektiv ins P.O.L.Y anything, anywhere:

Mega Trend Cluster

YOUNIVERSE
Der egozentrische Trend: Im Mittelpunkt stehen, selber bestimmen, Ansehen in der Community erhöhen, schlicht im Zentrum der Crowd stehen. Die Welt, der Marken muss Wünsche erfüllen und zuhören, Angebote massschneidern. Diesem Trend liegen drei Subtypen zugrunde:

  • STATUS SEEKER: Das zentrale Bedürfnis Ansehen und Bedeutung im sozialen Umfeld zu verbessern. Z.B. mit Marken, Anerkennung in der Community sichern oder über Inhalte im Umfeld profilieren.
  • CROWD FACTOR: Die Crowd als Publikum und Orientierungshilfe nutzen, wissen was die anderen machen und dadurch die bestmöglichen Deals machen und sich Smart fühlen.
  • EGONOMICS: Smarter Unternehmer werden, Produkte oder Services für eine Gegenleistung anbieten, als Teil des Systems auf der Gewinnerseite stehen sprich Marken werden zu Freunden und ich zum Unternehmer.

Es wäre ja zu einfach, wenn’s das gewesen wäre… dem Ego-Trend liegen aber noch drei weitere Ausprägung zugrunde: True Self, Status Tests, New Labor (siehe Skript).

HUMAN BRANDS
Der „Gutmensch“-Trend: Ehrliche, transparente Marken, sprich nachhaltige(s) Werte und Verhalten stehen im Zentrum des Unternehmens und der Produkte respektive das Bewusstsein mit dem persönlichen Verhalten etwas zu bewirken. Auch hier gibt’s drei Subtypen:

  • BETTER BUSINESS: Weltverbesserer-Trend durch ökologisch und sozial verträgliches Verhalten, sprich via Spendenanteil des Verkaufspreises die Welt verbessern ohne ins Greenpeace Boot zu steigen.
  • LOCAL LOVE: lokale/regionale Produkte/Dienstleistungen konsumieren aus mikroökonomischen und ökologischen Überlegungen, weil mir meine direkte Umwelt und das lokale Gewerbe am Herzen liegt.
  • BRANDSHIP: Der Marken-Freundschafts-Trend: Hauptsache ich bekomme Unterstützung, Wissen, objektiven Rat egal ob von einem realen Freund oder einer Marke die mich versteht und mir hilft.

Auch dieser Trend hat weiterführende Ausprägungen: Insider Trading, Open Arms, Two Way.

BETTERMENT
Immaterielle Status Symbole sind heute angesagt: Gesundheit, Weisheit, Wissen, Können. Alles was uns im sozialen Umfeld anziehender, gefragter, begehrter und attraktiver macht, gewinnt. Und wer soll’s richten: Die Marken. Sie sollen in Zukunft Menschen helfen, ihr physisches, mentales und spirituelles Wohlbefinden zu pimpen.

  • HELPFUL: Marken als „moderne, dargebotene Hand“. Sie machen das Leben einfacher, schneller, bequemer, müheloser, flüssiger finden einfach grossen Anklang in einer ständig leicht überforderten Gesellschaft und spenden Zeit, das wahre knappe Gut unserer Epoche.
  • EGO STALKING: Der egozentrische „Big-Brother-Big-Data-Trend“ oder doch „Wahn“. Tracken, überwachen, vergleichen, analysieren des eigenen Verhaltens: Gesundheit, Körperfunktionen, Aufnahmebereitschaft, etc. Wir messen mit digitalen Devices alles, bis zur totalen Fremdbestimmung.
  • JOINING: Der unendliche Wunsch dazu zu gehören. Je intelligenter, sinnvoller desto Erfüllender.

Weiterführende Betterment-Trend-Ausprägungen: Context Omni-Presence, SIP Economy, virtual Actualisation

CONTEXTED
Der soziale, situative und geografische Kontext hat heute, wo wir alles „just in time“ lösen, mehr Bedeutung denn je. Ich will aus jeder Situation das Maximum rausholen: Vergnügen, Auswahl, Profit, Anerkennung, Beachtung….. Marken müssen deshalb Mind, Mood & Behaviour der Menschen besser denn je kennen und ihnen mit kreativen Ideen einen relevanten situationsbezogenen, „just in time“ Mehrwert anbieten.

  • NOWISM: Der SNAPCHAT-Trend. Nur das JETZT zählt. Leben für den Moment. Die Sekunden-Generation… wo führt das noch hin? Oder das Ende von WhatsApp?
  • UBITECH: Die Allgegenwärtigkeit von Technologie und Vermischung von realen mit virtuellen Welten, von physischen Gegenständen und Projektionen steht erst am Anfang. Augmented Reality, die nächste technische Revolution, die die Welt für immer verändern wird.
  • PLAYFUL ROUTINE: Ihr Marken da draussen überrascht und unterhaltet mich. Entführt mich aus dem grauen Alltag und macht mir attraktive Angebote, die mein Leben amüsanter, abwechslungsreicher und bequemer machen. Bietet mir neue Erlebnisse und Geschichten, die ich weitererzählen kann und damit meine Attraktivität im sozialen Kontext zu erhöhen.

Weitere Contexted Trends: Beneficial Intelligence, Informal Info, Live Stream Prisoners

REMAPPED
Die Digitalisierung stellt aktuell die Wirtschaft ganz schön auf den Kopf. Unternehmen müssen kritisch ihre Geschäftsmodelle, ihr Marketing und ihre Kommunikation hinterfragen. Was gestern funktioniert hat, ist vielleicht morgen wirkungslos. Deshalb schön auf der Hut sein, sich ständig „Remappen“, um nicht plötzlich von der nächsten Disruptionswelle erfasst zu werden…

  • MADE FOR BRIC: Der rasanten Entwicklung der Emerging Markets kann sich niemand entziehen. Deshalb entwickeln immer mehr globale Marken spezifische Angebote, Produktlinien, um den Bedürfnissen dieser schnell wachsenden Absatzmärkte gerecht zu werden.
  • THE NEW NORMAL: Patchwork Familien, gleichgeschlechtliche Paare mit oder ohne Kinder wollen anerkannt und respektiert werden, um nur zwei der New Normals bespielhaft aufzuzeigen. Durch unterschiedliche, verschiedene Lebensstile entstehen neue Zielgruppen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Diese zu berücksichtigen kann sehr lukrativ sein.
  • RETHINK MEDIA: Das Media-Universum befindet sich in einem tiefen, grundlegenden Umbruch. Grenzen zwischen Distribution und Kommunikation respektive zwischen Produkt und Marketing werden unscharf. Content kommt in anderer Form. Die Menschen selbst werden zum Medium. Gewohnheiten werden rasch abgelöst. Also agil bleiben und sich rasch anpassen.

Weitere Remapping Trends: Perspective shift, Party of one, Organized Mass

Mega Trend Cluster

So das waren dann mal die 5 Trend-Cluster „à la marxerevolution“ mit Ihren 30 Ausprägungen, die attraktiv mit unzähligen Praxisbeispielen dargestellt wurden. Ganz schön viel „food for thought“, den uns Marion hier serviert hat. Und wir sind erst in der Hälfte der Präsentation angelangt.

Zeit also ein erstes Fazit zu ziehen. Was sind die Implikationen dieser Trends? Wir müssen unseren Zielgruppen in Zukunft echten Mehrwert bieten, schön verpackt in Geschichten, denn plumpe Werbung funktioniert nicht mehr. Guter Content in jeglicher Form ist das neue Gold, mit dem sich Unternehmen positionieren können. Damit geben sie auch ihren Circles die Macht, sich ihrerseits in ihrem sozialen Umfeld zu profilieren. Natürlich sollte das YOUNIVERSAL sein, aus der Hand eines HUMAN BRAND der einem BETTERMENT bietet, um sich CONTEXTED „just in time“ in seiner Community für den nächsten Trend zu REMAPPEN…. denn die Welt dreht sich ja wie wir gelernt haben nur noch um mich selbst. Und dort schliesst sich der Kreis zum P.O.L.Y. anything, anywhere wieder…

 Die weiteren 80 Folien, waren „dann klassisches, analoges Daumenkino.

Abschliessend bleibt die Frage: Wie setze ich nun allfällig gewonnene Erkenntnisse um? Hier hilft es sicherlich, wenn man mit Visualisierungstechniken arbeitet, um ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Trends und eigenem Leistungsangebot zu gewinnen. Durch ein solches Mapping der Trends auf einer klassischen Matrix, kann man besser sichtbar machen welche Nutzen mir diese bringen können. Einige Beispiele dazu findet man ebenfalls in den Unterlagen. Zudem hat Marion uns ein exzellentes Briefing-Formular ins Skript gelegt, mit dem man sehr strukturiert und auf nur einer Seite die Marketing-Essenz herausschälen kann. Dies ist ja wie wir alle wissen, der Grundstein für eine erfolgreiche Marketing-Strategie, -Kampagne.

Value Proposition Matrix

In diesem Sinne freuen wir uns auf die kommenden Case-Studies, wo wir aufdatiert mit den aktuellsten Trends aus dem Vollen schöpfen können.

PS: Mit Schrecken habe ich soeben beim Besuch von trendwatching.com festgestellt, dass die schon wieder 5 neue Trends  für 2017 proklamieren: VIRTUAL EXPERIENCE ECONOMY, WORLDS APART, INCOGNITO INDIVIDUALS, CAPACITY CAPTURE, BIG BROTHER BRANDS. Check it out und drannebliibe 😉