Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Christian Hirsig berichtet Stephanie Etter.

Nach der Mittagspause am Freitag geht es direkt weiter. Das Ziel ist klar: Wir sollen lernen, das Business Model Canvas auf eine pragmatische und praktische Art im Team zu erarbeiten.

Ein guter Business Plan passt auf ein einziges Blatt Papier… unter Anwendung des Business Models Canvas versteht sich natürlich…

Nach einer kurzen Einführung sind wir auch bereits bei der Theorie des Modelles angelangt – und „Bäähm“ bereits „Bingo“ – Mario darf sich über eine Ausgabe des vor Ostern (geiler Zeitpunkt!) erscheinenden Kochbuches „geile Eier“ freuen! Und wir uns auf verschiedene Eiervariationen in den nächsten Unterrichtstagen! „Geile Eier“ ist ein Crowdfunding Projekt von Christian (via wemakeit). Weitere Infos dazu auf https://wemakeit.com/projects/geile-eier-kochbuch. Und hier noch mehr zu geilen Eiern: https://www.geileeier.ch/. Have fun!

Theorieblock

Nun aber zur Theorie des Models:

Wichtig: Beim Ausarbeiten des Models befinden wir uns in der arabischen Welt – wir beginnen Rechts und arbeiten uns nach Links vor.

Das Business Model Canvas gliedert Geschäftsmodelle in nachfolgende neun Schlüsselbereiche:

Kundensegmente:

Für wen schöpfen wir Wert? Wer sind unsere wichtigsten Kunden? Wer sind unsere Zielgruppen?

Wertangebote:

„Step in the customers shoes“! Es ist essenziell sich in den Kunden hinein zu versetzen.

Das angebotene Produkt kann neuer, besser, passender, stylischer, günstiger oder einfach nutzerfreundlicher sein, als dasjenige, welches es bisher gab, um das Problem des Kundensegments zu lösen. Welchen Nutzen haben eure Kunden, wenn sie mit euch zusammenarbeiten?

Wichtig: Der Sprung von „Kundensegmente“ zu „Wertangebote“ wurde bewusst vollzogen, denn somit können wir uns die Frage stellen „was wollen wir wem liefern?“

Kundenbeziehungen:

Welche Art von Beziehung zu unseren Kunden wollen wir?

Wie man die Kundenbeziehung gestaltet, ist ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells und sollte klar definiert sein.

Kundenbeziehungen sind eine Herzensangelegenheit.

Kanäle:

Wo sind die verschiedenen Touchpoints mit dem Kunden? Wie erfährt der Kunde von unserem Angebot und wie bekommt er es?

Kanäle sind eine Hirnsache.

Schlüsselressourcen:

Bei den Schlüsselressourcen denken wir in Substantiven. Welche physischen, menschlichen und finanziellen Ressourcen sind unverzichtbar (Patente, Betriebsgeheimnisse, Mitarbeiter, etc.)?

Schlüsselaktivitäten:

Bei den Schlüsselaktivitäten denken wir in Verben. Was sind die wichtigsten Tätigkeiten um dieses Geschäftsmodell am Laufen zu halten?

Schlüsselpartner:

Was machen wir selbst und was übergeben wir Partnern? Wer sind unsere wichtigsten Partner?

Kostenstruktur:

Was sind die wichtigsten Ausgaben ohne die das Geschäftsmodell nicht laufen würde?

Einnahmequellen:

Woher kommt in diesem Geschäftsmodell das Geld?

Einmalzahlungen bringen schnell Geld in die Kasse, aber Abonnenten versprechen kontinuierlichen Cash Flow über längere Zeit. Vielleicht bieten sich auch Elemente der Value Proposition zum Lizensieren oder Vermieten an.

Praxisblock

Nach dem Theorieblock waren wir gefordert.

Wir sollten während 30 Minuten in einer Gruppe ein aktuelles Business Modell ausarbeiten und anschliessend im Plenum präsentieren.

Vor dem Startschuss gibt uns Christian noch ein paar wichtige Tipps mit auf den Weg:

  • Alle haben das gleiche Wissenslevel (Theorie ist allen klar).
  • Arbeitet von rechts nach links.
  • Schreibt nur 1 Wort auf ein Post-it.
  • Hängt so wenige Post-its wie möglich auf (80% reicht völlig).
  • Arbeitet mit Time-Boxing.

Die Resultate waren spannend und reichten von einem neuen Dacia über Apps bis hin zu digital comms incubator and storrytelling acceleretor.

Seht hier:

Beispiel DACIA Marktanteilerhöhung

Beispiel einer Spenden-App

Beispiel einer „einen Scheiss muss ich“ App

Beispiel Bexio (Buchhaltungssoftware) für KMU’s

Beispiel digital comms incubator and storrytelling acceleretor

Das Business Model Canvas eignet sich ideal dazu, Ideen zu sortieren, im Team zu besprechen und ein Grundgerüst des Geschäftsmodells aufzubauen.

Zum Schluss gingen wir noch durch einige der 55 Muster der Geschäftsmodelle (Branchen-Revolution durch neue Geschäftsmodelle von Oliver Gassmann).

Hier ein paar Beispiele:

Flatrate:

In diesem Modell wird eine einzige feste Gebühr für ein Produkt oder eine Dienstleistung verlangt, die unabhängig ist von der tatsächlichen Nutzung oder dem Verbrauch.

Longtail:

Anstelle sich auf Blockbuster-Produkte zu konzentrieren, wird der Hauptteil der Einnahmen durch einen «Long Tail» an Nischenprodukten generiert. Einzeln werden diese Produkte weder in grossen Mengen nachgefragt, noch ermöglichen sie hohe Margen.

Crowdfunding:

Ein Produkt, ein Projekt oder ein komplettes Start-Up wird von einer Gruppe von individuellen Geldgebern finanziert, die die zugrunde liegende Idee unterstützen wollen.

Statt sich in langen Ausführungen zu verlieren, sehen Gründer mit der Methode auf einen Blick, ob sie alle relevanten Faktoren bedacht haben oder ob sich noch Schwachstellen in ihrem Modell verbergen. Das Business Model Canvas eignet sich ideal dazu, Ideen zu sortieren, im Team zu besprechen und ein Grundgerüst des Geschäftsmodells aufzubauen.

Danke für den spannenden Nachmittag!