Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Andreas Pages zum Thema Crowdfunding bloggt Sandro Hofmann alias @ninigo:

Crowdfunding ist in aller Munde. Vom lokalen Verein über Bierbrauer bis hin zu Firmengründern: Für die Finanzierung ihrer Projekte setzen immer mehr Schweizer auf Crowdfunding. Sogar für politische Kampagnen oder für ein Engagement im Umweltbereich sammeln Leute Geld auf den entsprechenden Plattformen.

Der Begriff Crowdfunding stammt aus dem englischen Sprachraum und setzt sich aus den Wörtern «crowd» (Menge, Menschenmasse) und «funding» (Finanzierung) zusammen. Diese Übersetzung verrät einiges über die Idee, die hinter Crowdfunding steckt. Nämlich die alternative Finanzierung durch eine Personengruppe, deutsch auch Schwarmfinanzierung genannt.

Wie funktioniert Crowdfunding?

Mit Crowdfunding lassen sich Produkte, Projekte und Geschäftsideen oder Startups finanzieren. Privatpersonen, Organisationen und Unternehmen (denen das nötige Eigenkapital fehlt) stellen ihre Ideen und den entsprechenden Finanzierungsbedarf auf einem virtuellen Marktplatz vor. Andere Interessierte, die das Projekt unterstützen wollen, leisten einen Beitrag zur Finanzierung. Je nach Projekt erhalten sie dafür spezielle Angebote oder Vorteile. Die Laufzeit des Projekts ist zeitlich limitiert.

«Klassischerweise» werden Crowdfunding-Projekte im Internet organisiert. Meistens gibt es eine im Vorfeld definierte Mindestsumme, die erreicht werden muss, damit das Projekt realisiert wird. Ausserdem wird zwischen vier verschiedenen Crowdfunding-Modellen unterschieden:

  • Crowinvesting (Geld gegen Unternehmensbeteiligung)
  • Crowdlending (Geld gegen Zins, siehe auch den Post von Daniel Trachsel)
  • Crowdsupporting (Geld gegen Güter/Dienstleistungen; Soziales, Kultur, Sport)
  • Crowdonating (Spenden ohne Gegenleistung)

Der Crowdfunding-Markt

Der Markt für Crowdfunding wächst rasant. Während 2013 weltweit 4,7 Milliarden Franken in Crowdfunding-Projekte flossen, sollen es 2015 bereits 15 Milliarden gewesen sein.

Crowdfunding in der Schweiz

Mittels Crowdfunding wurden innerhalb von sechs Jahren in der Schweiz CHF 65 Millionen vermittelt. 27,3 Millionen Franken alleine im 2015. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Wachstum von 73 Prozent.

Im Vergleich mit dem Ausland – insbesondere mit den USA oder Grossbritannien – ist die Relevanz von Crowdfunding als Finanzierungsquelle in der Schweiz auch weiterhin als eher tief einzustufen.

Beliebte Kategorien

  • Technology
  • Comics & graphic novels
  • Gaming
  • Musik (z.B. Produktion einer CD)
  • Gesellschaftliche/politische Anliegen

Das deckt sich mit meinen persönlichen Erfahrungen. Ich habe mich bisher (erfolgreich) an 3 solcher Projekte auf der Plattform «we make it» beteiligt:

  • Blacknose Beer: Die Mikrobrauerei suchte 5000 Franken, um ihr erstes Mountain Pale Ale (gebraut mit Heu der Zermatter Schwarznasenschafe) zu brauen.
  • Nach Bern! Der Journalist und Blogger Ronnie Grob suchte 10‘000 Franken, um unabhängig über die National- und Ständeratswahlen 2015 berichten zu können.
  • Mir langets! Der Student Donat Kaufmann suchte 138‘815 Franken, um die «20 Minuten»-Titelseite für ein Gegen-Statement zum Inserat für den SVP-Wahlkampf-Song anno 2015 zu kaufen.

Aber auch gestandene Schweizer Finanzunternehmen steigen vermehrt in diese neue Art der Finanzierung ein und bieten ihren Kunden ergänzend zu konventionellen Krediten ebenfalls Crowdfunding an. Oftmals tun sie das in Kooperationen mit bestehenden Plattformen und Beteiligungen an Start-ups, oder sie gründen gar eine eigene Plattform. Hier eine aktuelle Übersicht:

  • Hypi Lenzburg nutzt Lösung von CreditGate24
  • BLKB lanciert mit Advanon KMUcash
  • ZKB beteiligt sich an investiere.ch
  • BLKB beteiligt sich an True Wealth
  • PostFinance gründet Joint Venture Lendico
  • LUKB beteiligt sich an Crowdhouse
  • LUKB lanciert Funders

Doch längst nicht allen Projekten ist Erfolg beschieden. Worauf kommt es an?

Erfolgskriterien

  • Launch hard or go home (gute Vorbereitung, aktives Marketing, begleitende Social-Media-Kampagne)
  • 30–45 Tage benötigen die erfolgreichsten Kampagnen (Limitierung beachten!)
  • «Tal der Tränen» (aller Anfang ist schwer, da müssen die Meisten durch)
  • eher urbanes Phänomen
  • Projektinitiator und -unterstützer sind ca. 11km geografisch entfernt (Lokalbezug nicht vergessen!)

Aussichten

  • Wachstumsgebiete: Property, KMU-Lending, Donating von NGOs
  • Spenden wird grösser werden
  • wenige neue Anbieter, eher von denen die keinen Druck auf Gewinne haben
  • Konsolidierung der Anbieter nötig (ca. 40 Plattformen)

Weiterführende Informationen