Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Michael Marti berichtet Martin Steiner.

Zuerst erhielten wir einen Überblick zur Geschichte der tamedia Gruppe. 1893 von Wilhelm Girardet und Fritz Walz als Tages-Anzeiger gegründet, kann der Medien Konzern mittlerweile auf eine über 100 Jahre dauernde, bewegte Geschichte zurückblicken.

Tsunami

Der digitale Tsunami hat die Medienbranche voll getroffen. Die Haupteinnahmequellen der klassischen Zeitungen – Inserate in analogen Medien sowie bezahlte Abonnemente – erodieren. Gleichzeitig explodieren die Einnahmen der grossen Internetkonzerne. Werbung in Onlinemedien sowie bezahlte Inhalte (Paid Content) können nur einen kleinen Teil der fehlenden Werbeeinnahmen ersetzen. Dazu kommt, dass die klassischen Medien immer mehr durch die digitalen sozialen Netzwerke (Facebook, Google, etc.) bedrängt und verdrängt werden. So haben die Verlage auch nicht mehr die Hoheit über die Verbreitung ihrer Artikel. Mittels eines Links in einem Social Network haben zum Beispiel sofort Millionen User weltweit Zugriff auf jeden beliebigen Inhalt. Nicolas Clasen hat diese Problematiken bereits 2013 in seinem Buch «der digitale Tsunami» in 10 These zusammengefasst:

 

Converged Teams

Zu Anfang der Online Zeitungen waren die Teams für Online- und dem klassischen Journalismus vollständig getrennt. Probleme in der Zusammenarbeit sowie hohe Kosten waren die Folgen. Heute arbeiten die meisten Redaktionen in sogenannten «converged teams», d.h. es gibt keine Aufteilung nach online/klassisch mehr, dadurch können betriebswirtschaftliche, aber auch fachliche Synergien besser ausgeschöpft werden. Als wichtigstes Arbeitsinstrument hat sich dabei das CMS (Content Management System) entwickelt. Damit können alle Inhalte (egal ob klassische Zeitung oder online) effizient verwaltet und verteilt werden.

Paid Content

Nur sehr wenige Zeitungen schreiben mit «Paid Content» schwarze Zahlen. Die Kunden sind (noch?) nicht bereit für Online Inhalte Geld auszugeben. Grundsätzlich ist niemand bereit für etwas zu bezahlen, was man anderswo umsonst kriegt. Dazu kommt, dass sich Payment Systeme für einzelne kleine Beiträge (Micropayment) nur sehr schwer durchsetzen, die Angst vor Abo Fallen oder Internet Kriminalität tut ihr Übriges. Ein mögliches Szenario wie man in diesem schwierigen Umfeld erfolgreich wirtschaften kann, zeigt nachfolgendes Framework:

 

12-App

Mit der «12-App» hat die tamedia Gruppe vor gut einem Jahr ein erfolgversprechendes online Produkt lanciert. Jeden Mittag werden 12 Artikel aus verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften freigeschaltet.

Der aktuelle Preis pro Monat beträgt 6 Franken, für Abonnementen einer Zeitung/Zeitschrift des tamedia Konzerns steht die App gratis zur Verfügung. Am Ende jeden Artikels kann der Leser den Beitrag als «lesenswert» – oder eben nicht – beurteilen. Durch dieses schnelle und direkte Feedback kann die Auswahl der Artikel schnell an die Kundenwünsche angepasst werden.Natürlich ist dadurch auch eine «Qualitätskontrolle» der einzelnen Zeitungen und Redaktoren möglich. Ob das Konzept «12-App» nachhaltig funktioniert, will heissen: schwarze Zahlen schreibt, muss sich aber in den nächsten Jahren erst noch weisen.

Was bleibt?

Aktuell scheint keines der klassischen Medienunternehmen eine voll zufriedenstellende Antwort auf den «digitalen Tsunami» liefern zu können. Vieles wird getestet und dann meistens wieder verworfen. Die tamedia Gruppe hat für sich den folgenden 6-Punkte Plan ausgearbeitet: