Aus der Study Tour Silicon Valley des CAS Digital Leadership 17 berichten Muriel Laporta-Asté, Daniel Enderli und Ioannis Martinis.

Tag zwei der HWZ Study Tour und der Fokus liegt auf digitalen Plattformen und digitaler Disruption. Heute tauchen wir ein in die Tiefen des Silicon Valley.

Wir starten früh, denn das Programm ist ambitiös. Treffen um 7 Uhr. Sharp. Dann fahren wir nach San Jose. Der Verkehr immer kurz vor dem Kollaps, aber irgendwie gehts. Es muss. Das denken auch tausende andere Pendler, die täglich bis zu 2 Stunden im Auto sitzen um ins Büro zu kommen.

Wir erreichen trotzdem pünktlich unser erstes Ziel: das Headquarter von Adobe Inc. in San Jose. Wir werden freundlich empfangen und enthusiastisch durch alle drei Gebäude geführt. Wir erfahren nicht nur, dass ein (kleiner) Teil der Engergie durch hauseigene Windturbinen gewonnen wird, sondern auch, dass man sich zum Ziel gesetzt hat ein Zero Emission Unternehmen zu werden.

Vor Ort Arbeiten immerhin 2’700 Mitarbeitende und im Sommer jeweils 700 Interns. Im Gebäudekomplex wurden fast alle Einbzelbüros durch Open Space Arbeitsplätze ersetzt, was die Kapazität um 50% erhöht hat. Nicht alle haben sich darüber gefreut, obwohl die noch vorhandenen fensterlosen Einzelbüros, auch nicht sonderlich einladend aussehen. Umso lustiger die Besprechungsräume im Look von Garagen – eine Reminiszenz an diejenigen kreativen Köpfe, deren grosse Ideen in kleinen Garagen im Silicon Valley entstanden sind. Apple, HP etc.

Wir erfahren aber auch, dass Adobe gerade eine der grössten Produkttransformationen hinter sich hat, nachdem die wichtige Creative Suite iauf eine Cloud Plattform (Creative  Cloud) verschoben wurde und die Software zum Aboservice ummodeliert wurde. Eine disruption des eignenen (bisher sehr erfolgreichen) Geschäftsmodells. Kurzfristig ein massiver Einschnitt, auch bezüglich Revenues, aber längerfristig eine wichtige Investition für die Zukunft. Der Gewinn von Adobe lag 2016 wieder bei soliden $ 5.9 Mia, davon kamen zwei Dritte von der Kreativebranche.

Die Zeit drängt. Wir fahren weiter nach Mountain View zum Headquarter von Google. Der morgentliche Nebel hat sich verzogen, Sonne, Farben alles wunderbar. Outside Pool, Beach Volley Feld und, im Gegensatz zu Adobe, überall free Food. Unser Googler Edoardo, der uns durch das Gelände führt, erzählt, was viele denken: obwohl es hier nach Sun & Fun aussieht, wird verdammt hart gearbeitet. In gewissen Abteilungen auch im 24h Betrieb. Nach dem Motto: von nichts kommt nichts, schleift hier jeder so lange an den eigenen Projekten als würde das Firmenüberleben davon abhängen. Engagement ist alles. Man ist dabei wie ein Startup Gründer. Der Work Life Balance kommt das nicht immer entgegen. Und wenn man jung und ungebunden ist, mag das durchaus problemlos gehen. Für Väter oder Mütter wird es aber bisweilen hart. Trotz des ganzen „Pampering“; denn natürlich gibt es auf dem Google Areal alles was den ordinären Alltag erleichtern könnte. Vom Friseur bis zum Garagisten kümmert sich das Unternehmen gerne um jene Dinge, die nur unnötig (Arbeits)zeit kosten. Denn obwohl Google in zahlreichen Bereichen die Marktführerschaft inne hat, schläft die Konkurrenz nicht; v.a. wenn es darum geht neue Geschäftsbereiche zu erschliessen oder anderen Unternehmen diese streitig zu machen. Zu den grössten Konkurrenten von Google gehören Amazon und Facebook. Alle versuchen die Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle weiter zu steigern. Und so stürzt man sich auch in schwierige Märkte in Asien, deren Potenzial aber enorm ist. Ob sich die Platzhirsche Baidu, WeChat oder Alibaba marktanteile abjagen lassen, wird sich noch weisen müssen. Denn was im Leben oft gilt, akzentuiert sich in der digitalen Welt besonders: The winner takes it all.

SAP Innovation und die Zusammenarbeit mit Startups

Nächster Stopp ist SAP, weltweit grösster Anbieter von Unternehmenssoftware.

SAP Silicon Valley

SAP Silicon Valley

Aufbau eines Innovations-Ökosystems
Manju Basal, VP & Global Program Head SAP Startup Focus empfängt uns bei SAP Silicon Valley. Seit 5 Jahren ist SAP mit eigenem Standort im Silicon Valley vertreten. Zielsetzung ist Innovation und die Zusammenarbeit mit Startups zu fördern. Durch die lokale Präsenz profitiert SAP vom Silicon Valley Ökosystem, der Nähe zu Trends und hat zugleich Zugang zu Talenten.

Disruption
„Software is eating the world“, Marc Andreesen.
Immer mehr Tätigkeiten werden durch den Einsatz von Software automatisiert. Die Skalierung erfolgt sehr schnell ermöglicht eine globale Verbreitung.

Alle Firmen, so auch SAP sind gezwungen, ein aktives Innovations-Management zu betreiben. Ansonsten besteht die Gefahr, durch nicht beachten eins Trends Big Bang disruptiert zu werden.

SAP Startup Focus
Ein globales Programm, um Startups zu finden, welche ins SAP Ökosystem integriert werden können. Aktuelle Fokusthemen sind:
• Big Data & Analytics
• Entwicklung neuer Applikationen für die SAP HANA/HCP Plattform
• Erhöhung der Markt Attraktivität für neue und bestehenden Kunden
„Hugh money is changing hands, where Startup solutions are sold to a wide range of customers“.

SAP

SAP Bill McDermott

Ziel von SAP ist es, ihre eigenen Produkte mit innovativen Lösungen von Startups zu erweitern und dadurch den Nutzen für die Kunden zu erhöhen. Dies wiederum ermöglicht es für Kunden bestehende Geschäftsmodelle zu erweitern und neue Geschäftsmodelle und Märkte zu erschliessen.

Wie unterstützt SAP die Startups
Auch die Startups profitieren von der engen Zusammenarbeit mit SAP. Dabei stellt SAP den Startups nachfolgende Enabler frei zur Verfügung:
• Technologie: Zugang zur neuesten SAP Technologie wie SAP S/4 HANA
• Ressourcen: Zugang zu Experten, Marketing, Verkauf
• Kunden: Globale Kundenbasis
• Geld: Möglichkeit, eine Idee vor dem Venture Gremium zu pitchen
• Community: Entrepreneurs, Partner, Investoren, though Leaders

Konklusion: SAP öffnet Startups den Zugang zum Markt für Grosskunden (B2B), auf Basis der SAP Technologie und dem SAP Ökosystem, um ihre Produkte und Services anzubieten.

SAP übernimmt die Produkte von Startups auf ihre Preisliste und bietet diese ihren Kunden an. Dies steigert den Bekanntheitsgrad der Startups und es entstehen neue Netzwerke und Absatzkanäle.

Herzlichen Dank Manju Basal für den aktiven Austausch und das Teilen der Erfahrungen.

Unser nächstes Ziel führt uns ins Sunnyvale zum Renault Innovation Lab, wo Sebastien Henot und Omar Bentahar uns in der Zukunftspläne von Renault einweihen. Auf den Weg dorthin stoppen wir noch schnell bei Tesla, das im Moment die Geschichte der Automobile von Morgen schreibt. Wir sind gespannt auf dass, was uns Renault für Innovation zeigen wird.

Renault Innovation Lab in Silicon Valley

Obwohl Renault in den USA gar keine Autos verkauft, ist die Marke mit seinem Open Innovation Lab im Silicon Valley präsent, dafür gibt es drei Gründe:

  • Präsenz in der Region von Geld (Venture Capital) und Hirnschmalz (Top Universitäten)
  • Die Unternehmungskultur, die im Silicon Valley zur Verfügung steht mit mehr als 20 000 Start Ups & Firmen in der Region
  • Und dem richtigen Mindset: von Vision zu Exekution in der kürzeste Zeitspanne. (Think big and start small)

Renault hat vier Typen von Kollaborationen im Silicon Valley entwickelt:

  • Co- Innovation: Kollaboration mit Start-Ups
  • Co-Accelerators: Gemeinsame Projekte mit Business Accelerators
  • Co-Research: Arbeit mit Universitäten an Research Projekten
  • Co- Create: Zusammenarbeit mit Leaders und grossen Firmen wie SAP zum Beispiel.

Der Renault Innovation startete 2011 mit Technology Scouting und wechselte vor zwei Jahren vom Überwachungsmodus zur aktives Kontaktaufnahme mit Start-ups. Es wurden Kollaborationsprojekte mit Startups lanciert, um ihre neuen Innovationen auf die Automobilindustrie zu adaptieren.

Sebastien Henot definiert die Open Innovation als Kombination von 3 Elementen: Realistic Use Case, Viable Business Model und New Technologies.

Um den Status Quo zu Challengen und neue innovativen Ideen zu haben, hat Renault in Sunnyvale ein Team aus unterschiedliche starken Persönlichkeiten mit cross-functional Skills und offenem Mindset.

Das Innovation Lab arbeitet in Silicon Valley an vier Themen:

  • Connected Services (self configuring, world connected, Big Data & AI)
  • New Mobility & Business
  • Autonomous driving
  • Improved Driving UX

Basierend auf den Lab Motto: „Think BIG, try SMALL, make SMART“ tun sie sehr schnell von Idee zu POC zu MVP und zu Scale.

Obwohl die wenigsten Ideen am Ende erfolgreich werden, probiert das Team:

  • so weit wie möglich mit ihren Ideen zu gehen (trotz alle Hürden!)
  • die Vorurteil gegenüber „scheitern“ (vor allem von der Headquarters in Paris) zu bekämpfen.

Denn , wie es Sebastien unterstreicht: um Erfolg zu haben, muss man mehrmals gescheitert sein. Nur wenn man scheitert, kann man daraus lernen, die Ideen/ Prototypen verbessern und schlussendlich Erfolg haben.

Ein ganz neuen Mindset:  „FAIL = First Attempt In Learning“.

Renault hat das Potential des Labs anerkannt und deshalb zwei neue Labs in Israel und in Frankreich eröffnet, mit den folgenden spezifischen Themen:

  • Silicon Valley: Automonous driving & Artificial Intelligence
  • Israel: Cybersecurity & Electrical vehicule
  • France: New mobility & New way to innovate

Artificial Intelligence: die Entwicklung von Intelligent Mobility

Omar führt uns noch in die Welt der Artificial Intelligence (Fusion von Intelligenz und Machine) ein und in die Möglichkeiten, die es für die Automobilindustrie bietet.

Er sieht zwei Haupt-Domains :

  • „Rational Agent“: rational agieren (best decision/ best outcome)
  • „Cognitive Modeling Approach“ (think like humans) as human as possible.

Er berichtet über zwei ganz konkrete Produkte basierend auf Artificial Intelligence:

  • „4 wheel steering“ (4 control), das ein besseres Fahrerlebnis bietet.
  • „Adaptive cruise control“ (ACC), das Daten (Weg, Wetter und Traffic) sammelt & analysiert und danach Vorschläge für der Fahrer macht.

Er macht uns auf die „Data Deluge“ aufmerksam: zu viele Information nützen nichts, viel wichtiger ist die Fähigkeit zu haben aus den Data interessante Informationen zu extrahieren.

Omar zitiert Larry Tesler : „AI is whatever has not been done yet“.

Autonomous mobility: die Emergenz einer neue Business Model

Als Schluss präsentiert uns Sebastien das neue (mögliche) Business Model von Renault.

Das Ziel von Renault in den nächsten Jahren ist es, von einem Produktanbieter zu einem zu einem Mobilitätsanbieter zu werden

Seiner Meinung nach wird das traditionelle Auto-Business weiterhin wichtig bleiben, aber die neue Mobility ist ein „game changer“. In Zukunft werden die Auto-Hersteller nicht mehr Autos verkaufen sondern Kilometer. Eine gute Nachricht für beide Seite, eine  Win-Win-Win Situation für die Autohersteller sowie für die Autokunden.