Aus der Study Tour 3 Silicon Valley des CAS Digital Leadership berichten Reto Kappeler und Steph Huber:

Besammlung am Union Square und Bustransfer nach Menlo Park, mit der leicht aggressiven aber herzlichen Patricia.

Die Strassen sind voll, alleine Google karrt jeden Tag 20’000 Mitarbeiter auf diesen Strassen von San Francisco nach Mountain View. Nach gut einer Stunde kommen wir in Menlo Park an.

Stopp 1: Pivotus Ventures (Host: Soren Bested)

Pivot Ventures, wurde 2015 gegründet und strebt nach der Vision «Building banking for humans». Sie definieren neu, wie Banken denken müssen in Zukunft, sprich sie gehen auf die Kundenbedürfnisse ein und sehen das Banking ausschliesslich aus Kundensicht. Sie sind überzeugt, dass Banken nicht nur Produkte an den Markt bringen müssen, sondern sie müssen zum vertrauenswürdigen Berater, «trusted adviser», werden. Es ist essentiell, den Kunden genauestens zu verstehen, bevor das Vertrauen aufgebaut werden kann. Die Beratung soll weit über das eigentliche Bankgeschäft hinausgehen. Sie wollen die Beziehung Bank zum Kunden von Grund auf neu kreieren.

Folgende 4 Punkte werden angegangen und haben eine sehr hohe Bedeutung in dieser neuen Beziehung:

  • Vertiefung der Beziehung: Der Bankberater soll wie ein guter Freund angesehen werden.
  • Kundenakquise: Hier sollen neue Wege eingeschlagen werden. Potenzielle Kunden sollen da abgeholt werden, wo sie es nicht erwarten aber Hilfe oder Rat benötigen.
  • Kostenreduktion: Es sollen vermehrt digitale Produkte angeboten werden.
  • Mitarbeiterzufriedenheit: Das Unternehmen soll attraktiv für Mitarbeiter sein und auch Talente anziehen, die ihren Job mit Passion ausüben und das soll der Kunde spüren.

Um dieses Vorhaben umzusetzen entwickelt Pivotus Ventures eine App namens BFF (Best Financial Friens), soll auch eine Anspielung auf den «Best Friend forever» sein.

Folgende Features soll die App beinhalten:

  • 1-to-1-Messaging
  • Agent selection
  • Authorisation & Encryption
  • Instant Feedback
  • 1-to-1-Engagement Platform
  • Expert Pull-in

Mit der App sollen Daten gesammelt und mit einem guten CRM verwaltet werden, die Daten werden von den Beratern sinnvoll und strukturiert genutzt, um alle Infos über die Kunden zur Hand zu haben, was wiederum zu Vertrauen führt. Mit diesen Daten sollen auch Chatbot mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (deep learning) operieren und die Kunden schnell und unkompliziert zum Ziel bringen.

Die Rolle des Bankers wird sich verändern müssen und so will das Pivotus angehen:

Soren meint aber, dass die Zusammenarbeit mit Banken schwierig ist, weil dieses Mind-Set bei den meisten Banken noch nicht vorhanden ist. Dadurch haben sie erst sehr wenige Partner.

Im Anschluss hat er uns noch den Workspace gezeigt, wo diverse Programmierer ihrer Arbeit nachgehen.

Lunch holen bei In-n-Out und auf der Fahrt genüsslich aber nicht ganz nach Knigge essen, hier trägt unsere Patricia mit ihrer rasanten Fahr auch ihren Beitrag bei.

Stopp 2: Renault Nissan Innovation Lab (Host: Sebastian Henot und Francois Peltier)

Sebastian Henot, Manager of Business Innovation bei Renault Nissan, empfing uns für den zweiten Teil am Vormittag beim Renault Nissan Innovation Lab in Sunnyvale. Die Präsentation war in zwei Teile aufgeteilt

Teil 1: Vorstellung Renault Nissan Innovation Lab

Sebastian gab uns einen groben Überblick über die Absichten und Arbeiten von Renault Nissan im Silicon Valley. Das Innovation Lab gibt es bereits seit 2011. Damals ging es vor allem noch darum im Valley präsent zu sein und Entwicklungen anzusehen und sich mit branchenähnlichen Unternehmen abzusprechen. Jetzt sechs Jahre später ist das Motto:

  • Think
  • Try
  • Make

Aus heutiger Sicht wollen nun Ideen konkret geprüft und umgesetzt werden.

Wichtige Message von Sebastian: Fail Fast! Wieso will den Renault Nissan Fehler schnell erkennen? Für sie und das ganze Silicon Valley bedeutet FAIL:

First
Attempt
In
Learning

Es geht darum zu lernen, du kannst mehr lernen wenn du scheiterst.

Er erklärt uns, dass die Zusammenarbeit besonders wichtig ist im Bereich des Innovation Lab. Und dass dafür das Silicon Valley bestens geeignet ist. Wieso ist das Silicon Valley den überhaupt so gut geeignet?

  • Science and Creativity (Talente stehen zur Verfügung, z.B. Von Unis wie Stanford)
  • Money (im Silicon Valley wird viel Geld in Startups oder Ideen von Innovation Labs investiert)
  • Mindset (Vision <-> Execution, Fail fast)

Eine grosse Herausforderung vor denen Sebastian und sein Team immer wieder steht ist die Kommunikation und Erklärung zum Hauptsitz nach Frankreich. Er nennt dies „Speaking to the Mothership“. Im Innovation Lab entsteht eine Euphorie bezüglich einer Idee, welche am Hauptsitz zuerst misstrauisch hinterfragt wird. Zu diesem Zeitpunkt findet die kulturelle Konfrontation statt. Aus dem Mutterhaus wird geblockt nach dem Motto: Das können wir so nicht machen! Während vom Innovation Lab nach einer anderen Möglichkeit gesucht wird: Then let‘s do it that way! Mit anderen Worten findet eine kulturelle Angleichung statt. Dieser Prozess ist langwierig und benötigt auf beiden Seiten grosse Energie.

Das Innovation Lab konnte bereits mehrere Ideen zum Hauptsitz transportieren und erfolgreich umsetzen:

RS Monitor with Sensoria:

Smarte Textilien welche verschiedene Daten vom Fahrer auslesen können während einem Motorsport Rennen. Sebastian nannte das Beispiel eines T-Shirts welches Pulsinformationen eines Rennfahrers erfassen kann.

Open Source Twizy: Der Twizy ist ein Elektrofahrzeug von Renault. Sebastian erklärte uns, dass das Fahrzeug eine Pionierrolle in der Elektromobilität einnahm und entsprechend oft  kopiert wurde. Deshalb wollen sie das Fahrzeug als Open Source Bausatz freigeben, mit dem Ziel, dass möglichst viele Firmen Addons zum Fahrezeug bauen können. Es gibt zum Beispiel eine Firma, welche ein Selbstfahr-Anbaukit für den Twizy entwickelt. Es wurden bereits über 2600 Bausätze bestellt.

Renault Nissan macht viel für die Reputation und Leadership. Unteranderem haben sie bereits drei Hackatons organisiert, über 25 Konferenzen und Panels gehalten, Patente angemeldet und wissenschaftliche Publikationen erstellt.

Teil 2: RCI Bank and Services

Francois Peltier von der RCI Bank and Services erklärte uns anschliessend wie Renault Nissan und RCI Bank and Services zusammen arbeiten und was sie für Ideen für die Zukunft haben.

RCI ist als Bank für die Finanzierung im B2C und B2B2C Bereich tätig. Das bedeutet, dass RCI Fahrzeuge für die Zwischenhändler (Garagen) oder den Endkunden finanziert.

Als grösste Herausforderung sieht Francois die Transformation von „Car Ownership“, in der das Fahrzeug gekauft und selber gewartet wird, hin zu „Car Services“, zu denen Carsharing oder Ride Sharing gezählt wird. Er erzählt über Visionen, in denen das Auto zum Bezahlmedium werden könnte. So arbeiten RCI und Renault Nissan dann auch an Themen wie Payment Platforms. Es soll gemäss Francois einmal möglich sein, Parkplätze oder Tolls mit dem Auto zu bezahlen. Als erster Schritt dahin hat RCI auch die Plattform Karhoo gekauft, welche eine Art Car- und Service-Sharing-Plattform darstellt.

Die wichtigsten Messages von Francois waren:

  • Agile auf Veränderungen eingehen
  • Gehe Partnerschaften ein um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken
  • Nutze Synergien

Stopp 3: Adobe (Host: Martin Bürgi)

Nach einem herzlichen Empfang, inkl. unterschreiben eines NDAs, besichtigen wir die Adobe Gebäude und uns wird gezeigt, was Adobe als Arbeitgeber attraktiv macht, z.B. einen offenen Sportplatz im sechsten Stock:

Eine kurze Präsentation über Adobe folgt. Was Adobe das Überleben gesichert hat, ist, dass sie das Lizenzmodell überdacht haben und die Produkte nun im Abo, auf monatlicher Basis, anbieten. Adobe hat das als Pionier eingeführt, was heute von fast allen kopiert wird.

Adobe biete drei Plattformen an:

  • Adobe Creative Cloud
  • Adobe Document Cloud
  • Adobe Experience Cloud

Nach der Präsentation hat sich Martin Zeit genommen und uns über das Leben und Arbeiten im Valley berichtet. Er war sehr ehrlich und hat auch Nachteile und Risiken aufgezeigt. Zu den Arbeitsbedingungen gibt es folgendes zu sagen: 0 Tage Kündigungsfrist, sicher mehr als 42h Arbeitszeit pro Woche, keine Überzeiten, keine Arbeitszeiterfassung, zwei Wochen Betriebsferien, sonst keine offiziellen Ferien, Aktienbeteiligung mit mehrjährigen Sperrfristen, Zuschüsse an Krankenkassenprämien.

Innovation steht auch den Besuchern zur Verfügung:

Stopp 4: Apple Park

Besichtigung der Baustelle von Aussen. Leider war das Visitors Center noch nicht eröffnet.

Stopp 5: Googleplex

Android-Luft schnuppern, Velo und Google Store

Stopp 6: Facebook

Like Sign 1 Hacker Way

Stopp 7: La Costanera, Montana Beach

Perfekter Abschluss eines inspirierenden Tages.