Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Markus Graf berichtet Derek Klemenz.

Dienstagmorgen 3.10.2017, 8.15 Uhr: Die Klasse MCA DF17-2 betritt das Innovations-Mekka der SIX AG -> das F10. Wir sind beeindruckt. Viele von uns würden sich wünschen in einer solch inspirierenden Umgebung arbeiten zu dürfen. Markus Graf, Head Innovation Management SIX Global IT, begrüsst uns und lässt durchblicken, dass uns hier keine „Bühnenbespassung“  erwartet, sondern aktive Mitarbeit gefordert ist. Challenge accepted!

Der Tag beginnt mit einer kurzen Vorstellung der SIX Group. Das Unternehmen ist in den Bereichen Wertpapierhandel (Swiss Exchange), Nachhandelsabwicklung (Securities Services), Financial Information und Payment Services tätig. Im Video The SIX-MAN kommen diese vier Geschäftsfelder in humorvoller Art gut zur Geltung.

The Innovation Problem

Würde man in der Bevölkerung die Frage stellen: «Was assoziieren Sie mit Innovation?» würden die Begriffe «Bank» oder «Finanzdienstleistung» wohl kaum auf den vorderen Antwortplätzen auftauchen. Wieso ist das (immer noch) so? Wo liegt das Problem? Markus hat hier eine ziemlich klare Vorstellung. Für ihn liegen dafür folgende beiden Hauptgründe vor:

  1. „Überaltertes“ Seniormanagement
    In den Geschäftsleitungen, Verwaltungsräten, Topmanagement etc. der Banken sitzen vornehmlich Personen, die man zu den „Silver Surfers“ oder bestenfalls zu den „Digital Immigrants“ zählen würde. Das Antizipieren, was ein Teengager oder junger Erwachsener von einer Bank(dienstleistung) erwartet, fällt ihnen schwer. Diese Tatsache und gegebenenfalls die eigene Selbstüberschätzung – I know what is good for you – führt dazu, dass gute Ideen und Innovationen bereits im Keim zu ersticken drohen. 
  2. Angst vor der Kannibalisierung
    Mehr Investitionskosten = weniger Gewinn = weniger Bonus. Wenn die Banken weiterhin ihre Entlöhungspolitik nach dem MBO richten, wird’s schwierig, echte und einschneidende Innovation voranzutreiben. Die kurzfristige Denkensweise sowie die Angst vor der Kannibalisierung sieht Markus als zweites grosses Innovations-Hindernis.

How did SIX solve the Innovation Problem?

SIX unterscheidet zwischen interner, externer sowie open Innovation.

Interne Innovation

Für die Kontretisierung interner Ideen wendet SIX den unten dargestellten Innovationsprozess an. Für die Konkretisierung der Ideen setzt sie auf einen pragmatischen Mix von agilen Methoden (Design Thinking, Scrum, Ausrichtung auf das Minimum Viable Product (MVP)). Dabei werden Personen aus dem ganzen Unternehmen involviert und grossen Wert auf eine bestmögliche  „Diversity“ gelegt. Die Involvierung von Mitarbeitern aus anderen SIX-Einheiten soll nicht zuletzt dazu dienen, den Innovation-Spirit in der SIX-Unternehmenskultur zu fördern.

Im Weiteren beobachtet SIX konsequent die Trends und Entwicklungen von 15 Technologien auf ihrem internen Tech Radar.

Externe Innovation

Im Zusammenhang mit externen Innovationen positioniert sich die SIX als FinTech Incubator und Accelerator für Startups. Dies mit folgenden Zielen:

  • Einsatz von Technologien, von denen intern kein Know-how vorhanden ist
  • Reduktion von Entwicklungskosten
  • Lernen von den Startups (z.B. zum Kopieren einer Idee/Lösung im eigenen Unternehmen)
  • Talente rekrutieren
  • Risikominderung

Bemerkung: Investitionen bzw. Beteiligungen an den entsprechenden Startups seitens F10 bzw. SIX sind nicht vorgesehen.

Open Innovation

Im Rahmen der open Innovation setzt SIX auf ihren eignen Hackathon für welchen sich jede(r) bewerben kann. Hier einige Zahlen zum Hackathon 2017:

Zum Schluss noch eine Bemerkung von Markus, die mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Beeindruckendes Pitchen und ein bisschen  „Show off“ braucht’s, um Innovation vorwärts treiben zu können, doch am Ende muss auch geliefert werden!