Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership zum Thema „Personal Branding in the Digital Age“ mit German Ramirez berichtet Andrea-Peter Schlegel:

Der Paradigmenwechsel der Mitarbeitenden
In der Vergangenheit wurden mehrjährige Dienstjubiläen als offenbar verlässlicher Ausdruck einer hohen Zufriedenheit und Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber interpretiert. Die Mitarbeitenden hatten sich mit den Werten des Arbeitgebers identifiziert und den Individualismus zu Gunsten des gemeinsamen (Firmen-) Erfolges zurückgesteckt. Die Kommunikation war stark formal und eher als Monolog gestaltet: das Unternehmen spricht.

Aktuell wird nicht mehr das Unternehmen in das Zentrum gestellt, sondern der Mitarbeiter. Sein Anspruch an eine sinnvolle Tätigkeit. Selbstverwirklichung, eine gute Work-life-Balance und die Möglichkeit selbstbestimmt und selbstverantwortlich an Herausforderungen zu arbeiten, stehen im Zentrum des Arbeitnehmers. Die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber nimmt zunehmend ab, das Unternehmen ist zweitrangig, die persönlich Entfaltung und Erfüllung steht im Vordergrund. Die Kommunikation wird persönlich, authentisch und transparent. Jeder erzählt seine Geschichte über sich, über seine Fähigkeiten und seine Werte: es entsteht ein Dialog.

Individualität verlangt nach einem persönlichen Brand
Wir tragen von unseren Kontakten ein persönliches Bild in uns. Musste in der Vergangenheit das Bild in der realen Welt immer wieder positioniert und durch Meetings/Social-und Networking Events aufgefrischt werden, verschiebt sich das Networking heute in die diversen digitalen sozialen Netzwerke. Um in dieser Masse als Individuum gefunden und wahrgenommen zu werden, ist die eigene starke Marke, also ein starkes Personal Branding entscheidend. Ein Personal Branding ist nicht ein CV (!), sondern zeichnet Dein individuelles, authentisches Bild, welches auch Ecken und Kanten (oder Schwächen) zeigen darf.

Wieso ist Personal Branding relevant?
Mit Deinem Personal Brand zeigst Du die vielen Aspekte Deiner Person und exponierst Dich als Individuum.

  1. Research
    In jeder Beziehung als Person, als Kunde oder als Unternehmen wird Dein Profil gegoogelt, um mehr über Dich, über Dein Umfeld zu erfahren, BEVOR der erste direkt Kontakt zustande kommt. Dazu zählen:
    – Detailkenntnisse zu Personen
    – Skills und Empfehlungen
    – Kenntnisse zu Unternehmungen
    – Auffinden von Gemeinsamkeiten
  2. Connect
    Es ermöglicht Dir, Dich mit Meinungsführern (Thought Leader), Experten, Kunden und anderen Interessengruppen zu vernetzen.
    – Zugang zu den Personen schaffen
    – Verbinden in Real-Life und Digital Plattformen
  3. Engage
    Du kannst Dich in Deinen Interessensgruppen/Fachgebieten engagieren und das Netzwerk weiter ausbauen und verstärken.
    – Engagiere Dich in Deinem Netzwerk
    – Stärke durch Dein Engagement die Verbindungen (Publizierung von Artikeln, Videos, Anleitungen, Präsentationen)

Was zeichnet ein starkes Personal Branding aus?
Das Personal Branding ist wie erwähnt, nicht mit einem CV gleichzusetzen. Ein klassischer CV ist in der Schweiz oft eine emotionslose Reflexion der Vergangenheit und die Auflistung der Stationen auf dem Berufsweg. Personal Branding verlässt diesen Weg und nimmt die persönlichen Aspekte auf, weist auf Lösungen und Möglichkeiten hin.
Daher:
Was bin ich?
Was kann ich gut? Was begeistert mich?
Was gehe ich mit Herzblut, Passion und Engagement an?
Wofür stehe ich ein? Was sind meine Werte?
Wie will ich wahrgenommen werden? Wie werde ich wahrgenommen?
Was macht mich einzigartig?

Bei der Klärung der Fragen und zur Fokussierung auf die notwendigen Inhalte unterstützt das Business Canvas Modell auch auf dieser Ebene. Wie dieses Werkzeug anzuwenden ist, kennen wir ja aus http://www.hwzdigital.ch/get-thinking-business-model-generation/ .

Die Macht des Personal Brandings!
Sei Dir bewusst, dass Dein persönliches Profil
5x mehr Reichweite hat, als das Profil einer Unternehmung
8x mehr Engagement/Relevanz erzeugt, als das Profil einer Unternehmung
3.6x mehr Glaubwürdigkeit geschenkt wird, als das Profil einer Unternehmung
In der Summe also 144 gute Gründe das Personal Branding als relevant und wichtig zu betrachten

Welche Gefahren lauern?
Das Netz vergisst und verzeiht nichts. Einmal begangene Fehler im Personal Branding sind nur schwer zu korrigieren und wie im realen Leben werden Fehler kaum vergessen. Gestalte Dein Personal Branding positiv und vermeide klassische Fehler in allen Arten der Kommunikation. Daher:
1. Sei ehrlich: sage nichts als die Wahrheit! Im Netz wird jede Lüge gefunden!
2. Sei freundlich und zuvorkommend! Falsche Wortwahl zerstört jedes Vertrauen!
3. Sei authentisch! Nichts fällt negativ mehr auf, als wenn Du Dich als etwas ausgibst, dass Du nicht bist!
4. Sei leise! Nimm dich nicht immer zu ernst und höre anderen zu!
5. Sei laut! Sei laut wo Du gehört werden musst, als Experte oder Thought -Leader!
6. Sei verlässlich! Ändere nicht jeden Tag Deine Werte oder Deine Einstellung!
7. Sei einzigartig! Ist ja wohl selbstverständlich…!
8. Sei motivierend! Mit Deinem Personal Branding motivierst Du andere, ziehst andere Talente an!
9. Sei fokussiert und klar! Schweife nicht aus, komm auf den Punkt!

Wie bleibe ich relevant? Storytelling!
Schlechte Geschichten oder keine Geschichten werden nicht weitergegeben, gute Geschichten werden weitererzählt! Gute Geschichten haben Macht, wecken Emotionen, unterhalten, stellen persönliche Verbindungen her, können komplexe Ideen vereinfachen, bleiben einfach länger im Gedächtnis hängen und inspirieren!
Die 4 Schritte zu einer guten Geschichte:
1. Bereite die Geschichte vor
– Kenne Dein Publikum
– mach die Geschichte relevant
– sei authentisch
2. Entwickle die Story
– nur eine Message verarbeiten
– nur max. drei begleitende Messages, darüber hinaus geht die Hauptmessage unter
– was sollen am Ende der Story die Menschen fühlen/denken (Call to Action= erzeuge Emotionen)
3. Strukturiere die Geschichte:
– Setup/Ausgangslage (bevor alles sich verändert)
– Konflikt (die Ausgangslage verkehrt sich)
– die Lösung
4. Ausbringen der Geschichte
– Visualisiere die Geschichte (erzeuge Bilder, Infografik)
– Versuche zu verbinden und erzeuge Emotionen
– Wenn möglich: überrasche und unterhalte

Definiere Deinen persönlichen Brand Plan
3 Säulen des persönlichen Brand Plans:Inhalte (Was)

  1. Erzähle die Geschichte. Finde in der Geschichte eine ausgewogene Mischung zwischen den Zutaten „in was bin ich gut“, “ was ist für meine Zielgruppe relevant“ und „wie verdiene ich mein Geld“.
  2. User Engagement (Wer, wann)
    DU! Du bist das Engagement! Exponiere Dich, poste in sinnvollen (1x monatlich reicht nicht) Abständen Geschichten, zeige Engagement und Wirkung in aktiven Dialogen.
  3. Channels (Wo)
    Jede Zielgruppe ist über unterschiedliche Plattformen erreichbar. Dabei sind aber nicht alle gleich gelagerten Plattformen auch gleich relevant. So ist Xing zwar im deutschsprachigen Raum primär im KMU Segment relevant, aber in den Nutzerzahlen im englischsprachigen Raum weit hinter LinkedIn. Zwischenzeitlich hat LinkedIn bezüglich Nutzerzahlen in der Schweiz Xing überholt. Die Ausrichtung auf die Channels richtet sich klar nach der zu adressierenden Zielgruppe und/oder dem Content aus. Zu den Channels zählen Xing, LinkedIn, Facebook, Youtube, Instagram, Blogs, Q&A Sites, Foren,….

Welche Tipps gibt’s noch zum Abschluss? Lessons learned..
– Du bist nicht eine Person, sondern ein Produkt mit spezifischen Fähigkeiten
(German’s Analogie: sei nicht das Shampoo für alles, sei das Shampoo für dauerkoloriertes Haar)
– das Profil muss unbedingt Algorithmus tauglich sein, denn es wird durch Algorithmen ausgewertet (in dubio pro Algorithmus)!
– setze starke WinWords ein wie : Innovation, Multichannel Management, Mobile Management, Strategieentwicklungen
– sei spezifisch, weise Deine Fähigkeiten aus, zeige was Du liebst
– Pflicht ist ein Profil in Deutsch zu führen, Kür ist ein Profil in Deutsch und Englisch zu führen
– Positioniere Dich in der Tiefe, nicht in der Breite!
– sei nicht das Schweizer Sackmesser: ein Sachmesser kann alles, aber es ist nicht der Spezialist für die einzelne Aufgabe…
– sende nie Chat Bot Nachrichten an Dein Netzwerk! Verleihe jeder Nachricht eine persönlich Note indem Du auch auf die Individualität des Empfängers eingehst!

M u c h a s G r a c i a s an German Ramirez für diesen temperamentvollen Samstag-Nachmittag! Und ja, You can’t start a fire without a spark (Bruce Springsteen)