Der Mittwoch steht im Zeichen der Gegenbewegung: Nach all den bisherigen Enthusiasten des „Silicon Valley Mindset“ gibt es Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit der technologischen Innovation.

Zur Einstimmung auf die Input-Referate machen wir einen Spaziergang durch den Zauberwald zum Berkeley Campus, eine ethisch verantwortungsvolle Universität mit langer Tradition im Kampf für Meinungsfreiheit und Ursprung von revolutionären Studentenbewegungen wie zum Beispiel des Widerstands gegen den Vietnamkrieg. Unser Must-See: Die Berkeley-Facebook-Wall, a little old school…

Mike A. Iseri, der erste Referent im Co-Working NextSpace ist „lawyer and attorney who codes“ und ein Mann mit einer Mission: „Making law more accessible“, das heisst, juristisches Fachwissen und Know-how mit digitalen Mitteln auch weniger privilegierten Bevölkerungsgruppen zur Verfügung zu stellen.

Die Motivation dafür bezieht er aus seinem persönlichen Background. Als Sprachbehinderter mit den damit einhergehenden Benachteiligungen und Alltagsproblemen sowie als Opfer eines Schusswaffenangriffs ist ihm die Wichtigkeit von Inklusion und Teilhabe bewusst – und „because a great idea means nothing until you take action“ nimmt er sein Anliegen selbst in die Hand.

Mikes App „Esquire AI“ ist ein Document Automation Tool, mit welchem in 35 Sprachen z.B. Patientenverfügungen und Testamente vereinfacht erstellt werden können. Um auch Behinderten den Zugang dazu ermöglichen, arbeitet er mit künstlicher Sprachausgabe.

Seine zweite Entwicklung, der SCUG Guide, stellt Obdachlosen und von Obdachlosigkeit bedrohten Einzelpersonen und Familien via GPS-Lokalisierung Informationen über nahegelegene Services und Anlaufstellen zur Verfügung.

Im Anschluss diskutieren wir die drei Komponenten, auf welchen Artificial Intelligence basiert (Chatbot, Machine Learning und Intelligent Automation) und welche Biases sich in Algorithmen und Technologien verstecken – dagegen kann und sollte etwas getan werden, z.B. mittels einer erhöhten Diversität in Entwicklerteams.

 

Unsere zweite Referentin Molly Turner unterrichtet an der Haas Business School @ Berkeley University und stellt die bisher erste weibliche Stimme zum Thema. Als ehemalige Mitarbeiterin von AirBnB gibt sie uns einen differenzierten Einblick in „The State of Urban Innovation“.

 

Sind Uber, Airbnb und Co. gut oder schlecht für die Entwicklung von Städten? Unser Key Takeaway: It depends, context matters! In San Francisco und Barcelona führt Airbnb zu Gentrifizierung und toten Innenstädten, in Detroit kurbelt das neue Geschäftsmodell den Tourismus an und erschliesst neue Geldquellen für die lokale Bevölkerung.

Molly definiert „urban innovation“ als „the use of technology to improve urban life and governance“. Sie spricht über die Faktoren und Trends, welche Städte in der heutigen Zeit stark beeinflussen: z.B. die zunehmende Unabhängigkeit von unberechenbaren Zentralregierungen aufgrund von wirtschaftlicher Potenz und politischer Progressivität; oder die stärkere Vernetzung von Megacities untereinander, die den Graben zwischen den Haves und Have-Nots auf wirtschaftlicher und ideologischer Ebene verstärken – sodass die Einwohner von San Francisco mehr mit Zürchern gemein haben als mit den Locals von Ventura County.

Städte generieren Innovationen und Technologien (insbesondere durch die kurzen Kommunikationswege und entsprechende Infrastruktur) werden aber auch von ihnen geprägt und verändert: z.B. Florenz als Ursprung der Renaissance mit seinen Palästen, Manchester als Geburtstort des Kapitalismus und der industriellen Revolution mit seinen Fabriken oder wiederum San Francisco als Keimzelle der digitalen Revolution.

Warum? Die Vielfalt der Menschen, das zur Verfügung stehende Kapital und die dadurch entstehende Dynamik sind die perfekte Ausgangslage für neue Ideen. Aus denselben Gründen bieten Städte ideale Laborbedingungen für die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und Lösungen für menschliche Bedürfnisse und Probleme.

Die Stadt als technologisches und kommerzielles Eldorado wirft aber auch Fragen auf. Who does the sidewalk belong to? In anderen Worten: Wer soll die Führung in der urbanen Innovation übernehmen? Die öffentliche Hand oder private Investoren? Wer bekommt Zugang zu erhobenen Daten, was wird damit gemacht, und steht die Technologie im Dienst der Allgemeinheit oder umgekehrt? Wie so oft sind wir mit dem Kernproblem konfrontiert – technology is the answer, but what was the question?

 

Der Nachmittag spielt sich im WeWork Embarcadero ab.

 

Nilson Kufus von „Nomoko“ – ohne einen einzigen Kunden gewählt zu einem der Top 100-Startups der Schweiz – erzählt uns vom Projekt der dreidimensionalen Erfassung von Städten und Landschaften mithilfe einer eigens entwickelten Hochleistungskamera. Vision: Alles, was real wird, erstmals in der digitalen Welt simulieren. How cool!

Deren Leistung von 1000 Megapixel entspricht der doppelten optischen Kapazität des menschlichen Auges und resultiert aus der Zusammenarbeit von ETH-Forschern mit japanischen Elektronikexperten. Es geht um „Artificial Reality“ mit dem Ziel, eine digitale Kopie der ganzen Welt zu erstellen.

Was ist der Business Case? Basierend auf ihren Daten können Autobauer Simulationen fahren. Vorteile: Selbstfahrende Vehikel müssen für die Lizenzierung / Sicherheit 1,5 Mia gefahrene km nachweisen. Das geht simuliert viel günstiger. Hintergrund: alle Million gefahrene km gibt es einen tödlichen Unfall.

Zur Erhebung der Daten wird mit Drohnen (VITOL vertical takeoff and landing) auf 120 Meter Höhe über die ganze Welt geflogen. Groundunits (Autos, Vehikel, Segways) kommen später dazu. Sie können Szenarien durchspielen, digitale Simulationen machen, dort Fehler machen und daraus lehren und damit „fehlerfreiere“ Produkte in der Realität herstellen.

Inspiration und Phantasie kann man von SF/SV mitnehmen. Welchen Punkt der Inspiration können wir morgen zuhause umsetzen? Man könnte aber auch umgekehrt fragen, warum ist das SV so weit weg von der realen Arbeit in der alten Welt? New Nomads als Trend. Es wird sehr spannend sein zu sehen, wie zukünftig mit Besitz und Eigentum umgegangen wird. Etwas vermisst haben wir einmal mehr, dass die Frage nach dem Kontext, im Diskurs der Startups weniger stark berücksichtigt wird als das eigene Produkt.

 

Delphine Ly: opensoftdata.com Public Policies Background, company is located downtown SF.

Main goal: Improve transit and moving in your City, by collecting Big Data from all over the world. Main challenge: Different Actors use different data. Use many APIs, Application Programming Interface, called the Stif: collecting all the different data in one place. Then sell it to big companies and small companies will get it for free. 60 People, offices in Paris and Boston too.

Sehr spannende Informationen liegen vor. Bestehende und aggregierte mobile Daten können z.B. mit Daten von Crowd Source Waze fusioniert werden. Als Resultat können die Daten wiederum open data werden oder eben firmenintern bleiben. Interessant auch die Kombination von Datensets, z.B. crimescene and surveillance. Auch als Karte/heatmap wird so leicht ersichtlich, wo Städte Problemzonen/hotspots haben.

Fazit: Umsetzung und Nutzen – execution and benefit. Hardware still exists! Proof of the pudding.

Nun geht es noch ins Proper Hotel an den Event Switzerland in the Valley.