Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership zum Thema „Startp – Exit – Startup“ mit Roland Zeller berichtet Daniel Enderli:

Standesgemäss macht Patrick Comboeuf die Einleitung und lobt den Dozenten Roland Zeller schon mal bis in den Angel Himmel. Gemäss Patrick ist genau diese Lektion als Bestandteil eine feste Grösse und hat bisher alle Lehrgänge des CAS Digital Leadership überlebt, was klar für den Dozenten spricht.

Dozent Roland Zeller, erzählt uns von seinen Erfahrungen als Startup Unternehmer und Business Angel. Bekannt geworden ist Roland Zeller mit travel.ch, dem ersten Ferien- und Reiseportal der Schweiz. Anfangs ist seine Idee auf grosse Skepsis gestossen, „Reisen werden in einem Reisebüro gebucht“ hiess die damalige Devise. Trotzdem hat Roland Zeller die Idee weiterverfolgt und umgesetzt. Und es hat sich ausbezahlt, wie wir im Verlaufe des Unterrichts erfahren.

Travel.ch

Abermals lautet die Empfehlung an uns Studenten „nur wer mutig ist und seine Komfortzone verlässt, kann Grosses erreichen“. Jedoch entspricht dies nicht der typischen Mentalität eines durchschnittlichen Schweizer Arbeitnehmers.

Roland Zeller erläutert uns seine Lessons learned aus travel.ch:

  • Grosse Zweifel in meinem Umfeld bzgl. Geschäftsidee
  • Harziges Fundraising, konstante Geldnot, Fast-Pleite
  • Stetige Lernkurve im neuen Medium Internet
  • Stabilisierung des Geschäfts, starkes Wachstum, Expansion
  • Kaufinteressenten und Verkaufsgespräche à Verkauf in Raten
  • Als Startup im Hotelplan/Migros-Konzernumfeld
  • Abstützung des Unternehmens auf mehr Köpfe und persönlicher Exit

Nach dem Verkauf von travel.ch an Hotelplan stellte sich die Frage wie es nun weitergeht. Sich zur Ruhe legen und ein schönes Leben zu machen war keine Option. Das wäre schlicht zu langweilig gewesen. Daher ging die Reise mit der Gründung von weiteren Startups und als Angel Investor weiter.

Die ersten Investments 2006-2008

  • Kreuzfahrten-Plattform in Osteuropa à heute illiquid + bedeutungslos
  • Soziales Travel-Network in Schweden/USA à ging nach 14 Monaten bankrott
  • Ausflugs/Aktivitäten-Portal in Zürich à wächst stark, mehrere Kapitalrunden, Teil-Exit
  • Kleine E-Commerce-Firma meines Cousins à profitabel auf kleinem Niveau

Bevor man jedoch Kapital in ein Startup investiert, sollte man einige wichtige Eckpunkte beachten. Das Risiko, dass ein Startup scheitert ist enorm hoch. Als Schlussfolgerung können wir daraus ableiten, dass ein eingehender Selektionsprozess, Fingerspitzengefühl und eine Diversifikation der Investments matchentscheidend sind.

Roland Zeller: „Die Beziehung zwischen Startup Unternehmer und Investor muss zielführend sein, ein reger Austausch und Diskussionen sind elementar wichtig“.

Die beiden wesentlichen Gründe für das Scheitern eines Startups sind:

  • Das Startup Team zerstreitet sich
  • Das Startup findet kein Business Modell

Erfahrungswerte:

  • Von 10 Investments machen 2-4 Konkurs
  • 2-3 machen Break-Even (return of money)
  • 2-3 verkauft man mit relativ kleinem Gewinn (2-5x ROI)
  • 1-2 Startups sind Highflyer (10-25x ROI)

Als Hilfsmittel kann die Boston Consulting Group Matrix (BCG-Matrix) herbeigezogen werden. Die Investments lassen sich damit in einem strategischen Portfolio übersichtlich darstellen.

BCG-Matrix

Wie kann das Risiko eines falschen Investments reduziert werden

  • Schwache Verträge, keine Sicherheiten > Hier einen Experten beiziehen, ein professionelles Vertragswesen ist ein Muss.
  • Team nicht auf Herz + Nieren geprüft > Ein gut eingespieltes Team, mit einem gesunden Teamspirit ist das Wichtigste Kriterium, welches alle Investoren voraussetzen.
  • Investment in Einzelperson > Zu hohes Risiko eines Ausbrennen der Schlüsselperson
  • Kein klares Business Modell > Fakten, ausprobieren, das Business Modell muss nachweislich funktionieren.
  • Zu schwache Finanzierung > Das grosse Ganze im Auge behalten, lieber von Anfang an genug Kapital investieren, damit der avisierte Meilenstein auch erreicht werden kann. Keine Salami Taktik.
  • Zu lange an Investment festgehalten > Investment an Ziele knüpfen und dann auch handeln, wenn die Ziele nicht erfüllt werden. Ein Zeithorizont von ca. 3 Jahren ist ausreichend um zu entscheiden, ob man an einem Investment festhält oder dieses aufgibt.
  • Startup zu weit weg (USA) > Physisches Treffen, Mentalität sind sehr wertvoll und sollten bei einem Investment in ein Startup entsprechend gewichtet werden.

Leitsatz: „Ein gutes Team kann aus einer schlechter Idee ein Business genrieren. Ein schlechtes Team kann aus einer guten Idee kein Business machen“.

Was es unter Gründern zu regeln gibt:

Zu regeln ist, was passiert, wenn einer der Startup Gründer aussteigt.

  • Beispielsweise muss der Gründer pro Rata Aktien zurückgeben und zwar in einem Verhältnis, dass die anderen Gründer in Ihrer weiteren Arbeit nicht beeinträchtigt werden
  • Gute Verträge der Gründer untereinander
  • Verkauf der Firma so regeln, dass dieser auch möglich ist und nicht ein einziger Anteilseigner den Verkauf verhindern kann

Es gibt auch die Situation in denen sich mehrere Angels für ein Investment zusammenschliessen. In diesem Fall übernimmt ein Angel den Lead und kümmert sich um die Schlüsselaktivitäten wie Investment Summe, Vertragswesen, rechtlichen Aspekte, etc.

Das soziale Investment
Nach einigen Investments kommt man irgendwann auch an den Punkt etwas „Gutes“ tun zu wollen. Beispielsweise ein Investment in ein Startup welches sich auf ökologische oder soziale Aspekte wie z.B. ein lokaler, nachhaltiger Umgang mit Wasser fokussiert. Die finanziellen Aspekte sind dabei zweitrangig.

soziales Investment

Anforderungen an die Gründer

  • Problemlösung sollte im Vordergrund sein, nicht das „reich werden“.
  • Gründer müssen bereit sein, sich die nächsten 4-6 Jahre zu 200% dem Startup zu widmen – und dies zu einem Hungerlohn.
  • Gründer müssen damit umgehen können, dass Investoren mitreden
  • Gründer müssen bereit sein, ihr Baby nach 5-8 Jahren zu verkaufen

Das „Schweiz-Problem“

  • Ausgeprägte „Vollkasko-Mentalität“ bei potentiellen Gründern
  • Sehr gut dotierte „Corporate-Jobs“, welche den Wechsel in die Startup-Welt erschweren
  • Startups haben immer noch ein Image-Problem, scheitern verboten!
  • Extrem hohe Kosten in der CH, welche den Aufbau einer globalen Unternehmung erschweren
  • Staatliche Hindernisse, wie Arbeitsbewilligungen, ZH Vermögenssteuern, viel Administration, RAV

Das Schweiz Problem

Wie sind die Auswahlkriterien zur Selektion von Startups?

  • Löst die Geschäftsidee ein echtes Problem?
  • Funktioniert der Business-Case? Ist er skalierbar?
  • Konkurrenzsituation?
  • Traue ich dem Team zu, dies die nächsten 5-10 Jahre umzusetzen (Team-DNA)
  • Ist der Deal für einen Investor interessant? (Ziel ROI 15-30x, Sicherheiten, Kontrolle)
  • Passt es menschlich? Geographisch?
  • Exit?

Roland Zeller: „Mit Startups zusammen zu arbeiten ist wie eine Beziehung pflegen, es muss einfach matchen“.

Was würde Roland Zeller anders machen, wenn er nochmals von Vorne beginne könnte:

  • Investoren Kapital beiziehen (er startet ohne Investor Kapital)
  • Schneller und aggressiver wachsen (er wuchs so schnell wie Kapital vorhanden war)
  • Mit einem Team starten (er war Einzelperson)

Der Austausch unter Investoren ist ebenfalls wichtig. Man trifft sich auf Messen und Konferenzen und geht dann Nachtessen und tauscht sich so aus und spielt sich gegenseitig mögliche Investment Ideen zu.

Wie verdient ein Angel Geld

  • Fokus auf Exit (Firmenverkauf) innert 6-10 Jahren
  • Je nach Eintrittszeitpunkt muss der ROI 10-25 sein à Portfolio Approach
  • Vergütung als VR-Mitglied à jedoch meist in Form von Aktien
  • Finanzielles Polster vonnöten

Als Richtlinie, das Salär für Stratup Gründer ist in der Regel 4000.- bis 7500.- Schweizer Franken.

Wer kann Angel werden?

  • Jeder kann es werden, in unterschiedlichen Ausprägungen
  • Nebst Kapital braucht es aber auch verfügbare Zeit und Energie
  • Man muss bereit sein, einen ganzen Investment-Zyklus (6-10 Jahre) dabei zu sein
  • Da das Business immer internationaler wird, ist eine grosse Reisebereitschaft Voraussetzung

Crowdfunding
Zum Schluss noch die Frage zu Crowdfundig und ob dies die Angels überflüssig macht?
Gemäss Roland Zeller eignet sich Crowdfunding gut für kleinere, überschaubare Produkte oder Startups. Es können sehr schnell viele Aktionäre beteiligt sein, was die Steuerung sehr schwierig macht.

Das Vater-Sohn Startup
Zum Schluss noch eine „Vater und Sohn Story“: Roland Zeller bereiste zusammen mit seinem Sohn Russland und die beiden mussten dazu ein Visums beantragen. Der Prozess bis zum Erhalt eines Visums ist jedoch sehr umständlich und zeitaufwendig. Aus Spass sagte der Sohn zu seinem Vater „gründe doch ein Startup, um diesen Prozess zu vereinfachen“. Der Vater spielte den Ball aber umgehend zum Sohn zurück „gründe du doch ein Startup“. Aus dem Spass wurde Ernst und ein Business Modell. Entstanden ist das Vater-Sohn Startup www.etraveldocs.com welches heute pro Tag 6 Anträge für ein Visum bearbeitet. Mit dieser schönen Geschichte möchte ich den Blog Beitrag abschliessen.
etraveldocs.com

How etraveldocs works: