Von der Study Tour des CAS Digital Leadership in San Francisco bloggen Gabriele Burn, Res Unternährer und Walter Degonda:

Am vierten Tag der HWZ Study Tour geht es wieder in San Francisco mit einem vollen Programm weiter

Highlights

  • Mindtribe
  • Valora Innovation Lab
  • Superpublic

Mindtribe

Mindtribe ist ein Start-up welches Hardwareprodukte entwickelt. Ihr Ziel ist so einfach wie bestechend:

„Our goal is to help clients – built the right product, faster

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Sam Kang (Vice President, Mindtribe) erklärt uns: Im Vergleich zu Softwareentwicklung ist bei Hardwareprodukten die Herausforderung grösser, das richtige Produkt zu entwickeln. Funktion, Design und Material sind mehrere Dimensionen, die zu einer guten Lösung zusammengeführt werden müssen.

Wie machen sie das?

  1. Leverage the world-class team of mechanical, electrical and software engineers
  2. Source and manage manufacturing and industrial design partners
  3. Offer agile for hardware, to help get the right product to market, asap

Ihr Angebot beinhaltet vier Elemente:

End to End Entwicklung

Sam erklärt am Beispiel Square, was das heisst. Sie haben den Kreditkartenleser von Grund auf entwickelt und beispielsweise auch das Problem der Stromversorgung mitgelöst.

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Oder beim Adobe Ink and Slide, einem bluetooth-enabeld-and-pressure-sensitiven Stift (natürliches Schreiben auf Mobile Devices): Es braucht eine klare Priorisierung, was das Produkt alles können soll. Sie erstellen dafür eine Liste der Anforderungen und ziehen dort den Strich, wo die Minimalanforderungen erfüllt sind. Alles darunter ist nice-to-have.

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Das Resultat überzeugt die Kunden: „Mindtribe turns dreams into reality. What more do I have to say” (Geoff Dowd, Director, Adobe Experience Design)

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Schnelles Prototyping

Für Samsung wurde in drei Monaten ein erster Prototyp „Smart Fridge“ gebaut. Sie haben verschiedene Sensoren und einen Scanner eingebaut. Damit kann der Kühlschrank erkennen, was drin ist und was fehlt. Eine Erweiterung stellt ein Device auf der Front dar. Mit zusätzlicher Software gibt dieses Menüvorschläge wieder und zeigt die entsprechenden Zutaten an. Der Scanner stellte sich als Flop heraus und wurde wieder entfernt.

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Fortschrittliche Technik einbauen

Tesla hatte mit den Energiemodulen Probleme. Sie suchten nach Lösungen, wie die Batterien optimal eingebaut werden können, um gegen Erschütterungen geschützt zu sein und wie der Stromverbrauch optimiert werden kann. Mindtribe konnte als kleines Start-up das Problem lösen.

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Focused Engineering

Der vierte Service umfasst die Fokussierung auf die Technik, welche mechanische, elektrotechnische und materielle Komponenten umfasst. Als Beispiel zeigt Sam uns die Entwicklung eines animierten Spielzeuges, welches die Arme bewegen und den Gesichtsausdruck verändern kann. Oder die Optimierung einer Batterie für Olio Smartwatch.

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Mindtribe setzt auf eher kleine Entwicklungsteams, die aber so besetzt werden, dass alle notwendigen Fähigkeiten abgedeckt sind. Diese Teams umfassen in der Regel Mechaniker, Elektrotechniker, Softwaretechniker und bei grösseren Vorhaben ein Projektleiter. Wenn nötig oder sinnvoll holen sie Spezialisten auch von aussen dazu, um Probleme zu lösen (Leverage Experience).

Sie bauen ihr Geschäftsmodell auf drei Säulen auf, die alle optimal gepflegt und im Einklang gehalten werden:

  1. Kunde: Marketing, Design, Zielgruppe/-kunde
  2. Technik: Engineering, Manufacturing, Supply Chain
  3. Business: Produkt Managment, Strategie, Finance, Operation, Legal

Valora Innovation Lab

Um 11:00 Uhr hatten wir die Ehre, die Valora Innovation Lab in San Francisco besuchen zu dürfen. Das Büro der Valora Lab befindet sich inmitten eines Einkaufszenters Westfield SF Centre. Dieser Ort ist zwar speziell, aber wie wir erfahren werden, wurde es bewusst so gewählt. Da die Valora Lab sehr klein ist, hat sie sich entschieden bei BESPOKE Coworking einzumieten. BESPOKE Coworking bietet Labs die Möglichkeit, ihre Infrastruktur zu benutzen. Zurzeit machen ca. 250 Labs, das sind ungefähr 60 Firmen, von diesem Angebot Gebrauch.

BESPOKE hat sich im Bereich von Retail-Unternehmen spezialisiert. Darum ist der gewählte Ort auch in einem Einkaufszentrum ausgefallen. BESPOKE bietet die drei Dienstleistungen, Coworking, Events und Demos für Labs an. BESPOKE organisiert auch Speaker Panels, Events und Happy Hours, wo sich die jungen Unternehmer treffen, um sich auszutauschen. Das ist auch das Ziel von einem solchen Ort, um Unternehmer zusammenzubringen, damit sie sich Informationen teilen können. Das ist auch der Spirit des Silicon Valley. Vorwärts kommt man besser und schneller, wenn man sein Wissen am runden Tisch mit anderen teilt.
Bekannte Labs die zurzeit bei BESPOKE sich eingemietet haben, sind z. B. Dyson.

In BESPOKE werden wir herzlich von Cyril Doraz des Valora Lab Teams empfangen. Cyril ist Digital Innovation Manager.

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Ein paar Worte zu Valora. Zur Valora Gruppe gehören Kiosk, Spettacolo, Avec, Brezelkönig usw. welche bei der Schweiz als Marke besser bekannt sind.

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Anbei ein paar eindrückliche Kennzahlen von Valora
• 1.6 Millionen Kunden pro Tag
• 2.5 Milliarden Umsatz pro Jahr
• 2549 Shops
• 5 Länder anwesend

Das sind schon recht eindrückliche Zahlen. Im Hinblick auf die digitale Transformation liegt es auf der Hand, dass hier viel Potential drin liegt.

Mit einem weiteren Slide zeigt uns Cyril ein paar aktuelle Trends auf, die zurzeit im Verkauf zu beobachten sind.
Die nachfolgenden Zahlen wurden mittels einer Umfrage in der USA durchgeführt.

> 85% Kunden bevorzugen Shop in Zentren
> 51% der Kunden recherchieren online und kaufen dann offline
> 93% der Wirtschaft erfolgt offline.

Diesem Trend gehen sogar namhafte Firma wie Amazon nach, die fast ausschliesslich online zu finden sind.

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Mit AmazonBooks bietet Amazon bereits 200 physische Shops an, wo Kunden ihre Bücher anschauen und auch kaufen können. Weiter sind in der nächsten Zeit um die 2000 weitere physische Shops für Amazon in der USA geplant.

Wie Cyril uns weiter erklärt, hat das Shopping auch immer mehr mit „Customer Experience“ zu tun. Das heisst, die Bedürfnisse der Kunden müssen bestmöglich befriedigt werden, um in Zukunft im Verkauf erfolgreich sein zu können.

Wenn wir einen Blick in die Zukunft wagen, gibt es dafür bereits jetzt schon einige gute Beispiele dafür.

Postmates

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(https://postmates.com/)
Über Web oder APP weltweit Speisen bestellen und diese innert Minuten zu sich liefern lassen.

Selbstfahrende Lieferroboter

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Selbst fahrende Roboter die Produkte zur Person liefern, egal wo man ist.

OSHbot

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(http://www.lowesinnovationlabs.com/innovation-robots)

Zum Apparat laufen, sprechen oder etwas zeigen, dann zeigt mir der Apparat wo das Produkt zu finden ist.

Moderne Kühlschränke

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Der Kühlschrank weiss über deren Inhalt Bescheid und bestellt z. B. automatisch nach, sobald ein Produkt aufgebraucht ist.

Unter dem Strich kann festgehalten werden, dass mit den neuen Technologien das Einkaufserlebnis beeinflusst und somit dieses massiv verbessert werden kann.

Die Valora Lab besteht zurzeit aus sechs Mitarbeitern. Auch wenn die Lab sich in San Francisco befindet, findet ein täglicher Austausch mit der Valora Schweiz statt. Cyril erklärt uns auch, dass sie Unterstützung vom CEO und der einzelnen Business Einheiten erhalten.

Sehr interessant ist auch, dass die Valora zurzeit mehr Umsatz mit Esswaren macht als mit Tabak. Früher gingen die Leute eher zum Kiosk, um Zigaretten zu kaufen. Da der Mindset der Kunden gewechselt hat, gehen die Leute zur Valora, um Essen für unterwegs kaufen zu können.

Wie Cyril erklärt, experimentiert Valora auch immer mit der Einführung von neuen Produkten. Vor drei Jahren wurde z. B. die Prepaid Credit Card sehr erfolgreich eingeführt.

Die Valora Lab verfolgt die nachfolgenden Ziele:

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Information & Connect

Wir entwickeln ein umfassendes Verständnis für zukünftige Kundenbedürfnisse, neue Trends und kommende Technologien.

Learn & Empower

Wir bauen digitale Fähigkeiten, um digitale Innovationen voranzutreiben und um unsere Mitarbeiter zu digitalen Führern und Befürwortern zu stärken.

Experiment & Execute

Wir bieten eine Plattform für Experimente in einem sicheren Umfeld an mit einem Finanzierungsnachweis, der funktioniert und zusammen mit dem Geschäft skaliert.

Valora Lab Prozess

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Für die Entwicklung der Produkte wendet die Valora Lab das „Venture Design Framework“ von Alex Cowan an.

Die eine Stunde Zeit, die wir bei Valora verbringen durften, verlief wie im Fluge. Cyril konnte uns einen sehr guten Überblick über die Aufgabe und Herausforderung der Valora Lab geben. Für uns war dieser kurze Augenblick bei Valora Lab sehr wertvoll und wir konnten hier auch viel mitnehmen. In diesem Sinne möchten wir uns im Namen der ganzen Klasse für den Besuch bei der Valora Lab herzlich bedanken.

Nach der Verabschiedung von Ciryl war bereits schon Mittag und somit Zeit zu essen, was wir dann auch taten.

Superpublic – das politische Gold der Westküste

Gert Christen, passionierter Startup-Angel mit Berner Wurzeln und Digital Leadership: von der Thunersee-Küste zur Bay of San Francisco. Die Berufung, nach 13 Jahren Aufenthalt in der Schweiz wieder zurück nach SFO zu gehen, war klar: hier wartet das spannendste Enabling-Programm im urbanen Umfeld auf ihn und seine Erfahrungen aus Zürichs Nordvierteln. Unter dem Claim „Solving Urban Problems Using Open Innovation“ wurde die City Innovate Foundation anfangs Januar dieses Jahres gegründet. Mit vier Projektmitarbeitern – Diversity Matters: darunter zwei Damen aus zwei Kontinenten – ist Gert erfolgreich gestartet. Sein Quote „San Francisco ist die Wiege der vierten Evolution…. Es ist die Nähe, die grösser ist in SFO als im Silicon Valley“ wurde direkt als Adresse der Foundation umgesetzt: 50 United Nation Plaza.

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Mitten auf der Market Street, bildet das Federal Building das Herzstück der Innovationsmeile. Je 20 Min nach Norden und Süden der Market Street, das ist die Distanz zu den bekanntesten Labels der digitalen Neuzeit (wie UBER, YELP und Twitter). Das IST Nähe!

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Was bedeutet der digitale Tsunami für Städte?

It’s a blessing or a curse?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Stiftung. Die sog. Foundations in den USA werden im Gegensatz zur Schweiz „ganz einfach“ gegründet. Die City Innovate Foundation wird mit Vergabungen und Mitgliederbeiträgen laufend gespiesen, ebenso mit Förderbeiträgen der Regierung. Was will die Stiftung? Sie will den Städten in neutralem, sicherem Umfeld eine Plattform – einen Austausch – bieten mit den Firmen, die digital unterwegs sind. Superpublic will aus dem Labor im 5. Stock – dem Minimal Viable Product – eine Skalierung in andere Städte erreichen.

Case study entlang des Projektes „Miami-Dade“

Getreu und in Wertschätzung seiner vorherigen Tätigkeit als Dozent an der HWZ, fassen wir die Key-Words seines Programms in ein uns sehr bekanntes Format:

Buzzword Bingo – Lernkontrolle Studytour Day 4 – Session 3

Design Thinking Agile Teams User Centered Design Design Thinking For Dummies
Rapid Prototyping Mockups Iteratives Vorgehen Validierung
Persona Scope Community Engagement Sprint
Colliders Outreach Engagement Accelerator Exceptional Convening
Viable Product Labor Sharing Is Key Autonomous Shuttle
‚Seefeldisierung‘ UBER Foundation Vierte Evolution

Aufmerksam den enthusiastischen Worten des Referenten folgen!

Das Gesellenstück – Ausgangslage

Miami-Dade, ein Schmelztigel aus 34 Städten, 2,7 Mio Einwohnern und siebenmeist verstopfter Grossraum der USA, bietet sich für das erste City Innovate-Programm an. Jeden Tag sind zusätzlich 14 Mio Touristen in der Stadt, welche von drei Seiten topografisch eingekesselt ist, durch Sumpf oder Wasser. Damit nicht genug, der mitten durch das Zentrum führende Flughafen teilt die Stadt auch noch vertikal. Die Verkehrslinien und -ströme können nicht ausweichen – der Kollaps ist programmiert.

Die Regierung hat insgesamt $ 450 Mio. zur Verfügung gestellt, um den öffentlichen Verkehr in den nächsten Jahren zu verbessern. Davon sind $ 33 Mio. reserviert für Softwareprojekte, sprich, die Digitalisierung im öffentlichen Bereich.

Gert Christen ist es gelungen, für dieses Projekt 6 Partner an einen Tisch zu holen, alle unterzeichneten einen NDA. Gearbeitet wird in 4 sprints, den strategischen Initiativen. Diese dauern je 3 Monate. Ziel ist es, bis Weihnachten den ersten Sprint absolviert zu haben. Time is running – am Union Square sind sie bereits am Aufbauen….

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Die einzelnen Phasen:

  1. Test & Learn Colliders (methodisch: Design Thinking, User Centered Design, Agile)
  2. Scale X Colliders (Resultat: Aktionsplan)
  3. P4 Accelerators
  4. Outreach Engagement

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Folgende Partner arbeiten in diesem Arbeitsstil, welcher nicht mehr Jahre zwischen Behörden und Unternehmen dauern soll, sondern in sportlichen 4 Drei-Monats-Sprints:

Miami Dade, Cubic, Lyft, Zipcar, Microsoft, Siemens.

Die Stiftung legt ihren Fokus auf die Frage, wie öffentliche Institutionen sich die Digitalisierung zu Nutze machen können, bzw. an der digitalen Revolution teilhaben können. Es geht immer nur um die Perspektive und das gesamte Bild für die Stadt, nicht um ein einzelnes entwickeltes Feature.

Und mit diesem Fokus ist es klar, dass die Behördenmitglieder zu Schlüsselpersonen werden. In jedem Prozessschritt müsse sie auch inhaltlich dabei sein. Wie beispielsweise im Schritt 1. Die Regierung von Miami Dade hatte die Aufgabe, bei Federal Department of Transportation die Bewilligung einzuholen, dass in einem bestimmten Quartier überhaupt Massnahmen getestet werden können. Die Amtsträger wollen wiedergewählt werden, von den Einwohnern, welche in der Veränderung den Mehrwert sehen sollen. Outreach Engagement ist die Initiative, welche die Bevölkerung früh involviert. In der Phase werden Usecases mit Personas – Schulklassen, Schichtarbeitern aus Industrievierteln usw. – befragt, um im Rapid Prototyping-Verfahren mithilfe von Mockups die Sichtbarkeit des Mehrwertes hervorzuheben.

Community Engagement im städtischen Transformationsprozess, das ist die Währung der Politiker, sich die Stimmen ihrer Wähler zu sichern – das politische Gold. „Wer hat’s erfunden – ein Schweizer“.

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