Von der Study Tour des CAS Digital Leadership in Silicon Valley/San Francisco bloggen Barbara Sulzer, Oliver Huber  und Mustafa Tuskan.

Am zweiten Tag unserer Studientour führte unser Weg endlich da hin, weswegen wir eigentlich über 9’000 km weit geflogen sind – nämlich ins Silicon Valley. Am Vormittag ging es zunächst ins Innovation Lab der Renault Gruppe in Sunnyvale. Nach einem feinen Mittagessen im Herzen von Palo Alto und kurzen Abstechern beim Haus von Steve Jobs und der weltbekannten Garage von Hewlett Packard, das auch als Geburtsstätte von Silicon Valley gilt, ging es weiter zum Hauptquartier von Facebook. Am Ende vom Tag besuchte uns noch Lukas Peter vom Swisscom Outpost im MetaDesign Office.

Busfahrt

Der Tag startete mit einer gemütlichen Busfahrt vom MetaDesign Quartier nach Sunnyvale. Da der Morgenverkehr meist um 9 Uhr seinen Peak erreicht, fuhren wir bereits um 8:30 Uhr in Richtung Süden.

Renault Innovation

Im Innovation Lab von Renault im Herzen von Sunnyvale wurden wir von Nikhil Gowda (Autonomous Vehicle Researcher at Renault Innovations) und Pierre Delaigue (Innovation Project Manager Driver Monitoring & IOT) empfangen. Bevor die Präsentation begann, konnten wir uns in der Küche mit Kaffee, Tee, Früchte und Süssigkeiten eindecken. Die Personen welche sich sportlich tätigen wollten, konnten sich mit Tischtennis-Rundlauf austoben.

Renault Innovation

Der offizielle Teil begann mit Pierre’s Präsentation über Renault Innovation:

Für Renault ist der Standort Sunnyvale sehr wichtig, weil hier viele Konkurrenten und innovative Unternehmen im Radius von 60 Kilometer einen Standort besitzen. So ist es einfacher mit diesen bei Events und Konferenzen zu kooperieren und zu arbeiten.

Der Fokus von Renault hier im Silicon Valley liegt dabei bei:

  • Digital Car (Self Learning, Self Configuring and World Connected)
  • New Mobility & Business (Shared Economy and Self Driving)
  • Autonomy (Implicit him, Sensors and AI Control)
  • Improved driving UX (Apps & Services, Driver Monitoring & Understanding and Future him)

Pierre Delaigue

Renault Innovation Lab versucht für den Kunden neue Aktivitäten und Services in und um das Auto zu erstellen, um die Autos zu verbessern. Die Ideen werden in Sunnyvale zusammengefasst und Prototypen werden erstellt. Diese werden dann an das Hauptquartier in Frankreich gesendet, diese prüft die Idee und erstellt einen Pilotversuch und wenn alle Punkte passen, wird die Idee umgesetzt. Ideen werden/können jeder Zeitpunkt unterbrochen und storniert werden.

Bei der Fragerunde wurde ein Punkt genauer besprochen:
Bei Levels of Automation handelt es sich um eine Definition der US Department of Transportations National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), bei welchen die 6 Level der „Autonomes Fahren“ definiert werden.

Level 0 – no automation; Level 1 – driver assistance; Level 2 – partial automation; Level 3 – conditional automation; Level 4 – high automation; Level 5 – full automation

Facebook

img_1495

Vom Renault Innovation Lab ging es nach einem Zwischenstop in der Cheese Factory von Palo Alto zum Facebook Headquarter / Campus, das der Social Media-Gigant 2012 von Sun Microsystems übernommen hatte. Nach dem obligaten Fototermin beim “legendären Daumen“ (rund 5‘000 Besucher pro Woche) am Eingang wurden wir von unseren Guides Erika, April, Jackie und Pius, die im Marketing-Team des Bereichs “Small Business“ arbeiten, begrüsst und durch den imposanten Campus geführt.

img_1498

Neben dem sogenannten Open Workspace, wo die rund 8‘000 meist jungen Mitarbeiter durchschnittlich 50 – 60 Stunden pro Woche arbeiten, bietet der Campus ein vielfältiges Unterhaltungs- und Dienstleistungsangebot – von Bars und Restaurants über Spa-Bereich, Spielsalon und Wäschereinigung bis hin zur Zahnarzt-Praxis. Im Vergleich zu anderen Tech-Firmen im Silicon Valley bleiben die Mitarbeiter am Hacker Way ihrem Arbeitgeber länger treu. Wer aber meint, arbeiten bei Facebook sei ein “Zuckerschlecken“, irrt gewaltig. Die Angestellten werden streng nach definierten KPI’s bewertet. Alle sechs Monate gibt es in sogenannten Reviews eine Beurteilung über die gesetzten “Goals“.

Am Ende des Rundgangs wurden wir von unseren Gastgebern in die Campus-eigene Gelateria eingeladen, wo Patrick endlich sein heiss ersehntes Eis bekam.

img_1504

Zum Schluss durfte ein kurzer Abstecher in den Shop von Facebook natürlich nicht fehlen, wo sich einige Digital Leaders noch mit dem einen oder anderen Souvenir beglückten.

img_1506

Fazit: Eindrückliche Location, die den “Facebook-Spirit“ spür- und erlebbar macht. Der Facebook-Campus ist sicherlich ein Sightseeing-Besuch wert. Inhaltlich aber konnten die Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, da Fragen der Teilnehmer oft nur oberflächlich oder ausweichend beantwortet wurden.

Swisscom Outpost

Nach der Rückfahrt von Menlo Park nach San Francisco haben wir die Gelegenheit Lukas Peter vom Swisscom Outpost zu treffen. Er gibt uns in der letzten Session einen guten Überblick auf das Silicon Valley mit einer Schweizer Perspektive und teilt mit uns seine Erfahrungen. Ganz untypisch schweizerisch doch total Silicon Valley like spricht er mit uns nicht nur über Erfolge sondern auch über Fails.

img_3951

Silicon Valley und die Schweiz

Im Silicon Valley kann ein Start-up relativ einfach 100Mio raisen. Die Risikobereitschaft ist viel grösser und die Lean Start-up Methode haben die Amerikaner so zu sagen in ihrer DNA. Ein europäisches Start-up mit einem ähnlichen Business Modell wird nach einer solchen US-Finanzierungsrunde ganz einfach überwalzt. Swisscom versucht deshalb Schweizer Start-ups zu unterstützen und diese bereits in einem early stage Stadium ins Valley zu bringen.

Die Industrie und insbesondere auch die Köpfe dahinter wie ein Mark Zuckerberg und Elon Musk investieren viel in neue Ideen und Start-ups. Es gibt so zu sagen ein unerschöpfliches Potential.Zudem haben die Investoren im Valley meist das Bewusstsein, dass die zukünftigen Global Players sowieso irgendwann hierher kommen. Investoren suchen hier immer nach einem global skalierbaren Modell. Diese Denkweise ist für Schweizer Start-ups schwierig, da in der Schweiz oft zuerst an die Deutschschweiz gedacht wird und dieser Markt für Investoren extrem klein ist.

Im Valley wird eine ganze andere Kultur gelebt. Auf kleinem Raum hat man ganz viele internationale Player und Konkurrenten mit welchen man sich aber auch sehr offen austauscht.

What’s Outposting and why?

Mit einem Outpost wird versucht, neue Ideen, Innovationen zu finden und diese frühzeitig zu erkennen. Man kann auch sagen Outposting is sifting for Gold!

Es gibt 3 Stadien von Outposts

fullsizerender

  • Stage 1: Networking, Partner und Inspiration
  • Stage 2: Invest, Incubate, Acquire
  • Stage 3: Build Products (Bsp. Swisscom Enterprise Cloud)

Stage 1 funktioniert sehr gut, Stage 2 und 3 sind jedoch sehr schwierig und damit tun sich viele Firmen auch sehr schwer. Swisscom fokussiert momentan auf Stage 1 und 2.

Wieso hat die Swisscom einen Outpost

Swisscom will nicht das nächste Kodak werden. Alle Produkte bei Swisscom haben den Höhepunkt ihres Lebenszyklus erreicht. Genau gleich geht es auch vielen anderen Schweizer Firmen. Whats app ist das klassische Beispiel dafür und es warten ganz viele Start-ups, welche schon bald neue Produkte und Technologien anbieten werden und bisherige Produkte unnötig machen.

Swisscom ist auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen, welche in der Schweiz implementiert werden können, was nicht ganz einfach ist, da für viele Start-ups die Schweiz ein eher uninteressanter Markt ist und das Budget von Swisscom im Vergleich zu anderen eher klein ist.

Hier ist der Auftrag klar eine Brücke zu schlagen zwischen der Schweiz und dem Silicon Valley, sei dies durch die Organisation von Study Tours für Management, durch gezielte Start-up Förderung in der Schweiz und natürlich auch durch das Finden von neuen Ideen und Technologien im Valley. Natürlich braucht es hier dann auch einen Inpost back home um Entscheide schnell zu fällen und umzusetzen.

Learnings

  • Schweizer Start-ups müssen viel globaler denken
  • Das Investitionskapital von Swisscom ist im Silicon Valley nichts
  • weiter als 2 Wochen im Voraus wird nicht geplant, auch nicht auf CEO-Ebene

Auch der zweite Tag war sehr interessant und lehrreich und wir nehmen ganz viele Eindrücke und Inspiration mit auf Oli’s Rooftop Terrasse auf welcher wir den Tag bei Pizza, Bier und Wein gemeinsam ausklingen lassen.

img_9197