Von der Study Tour des CAS Digital Leadership in Silicon Valley/San Francisco bloggen Marc Blindenbacher und Stefan Steuble.

Swissnex – Katalysator für Innovation

Wie kann man als Startup im Silicon Valley Fuss fassen?

Neben einem guten Produkt benötigt es vor allem eines, eine gutes Netzwerk. Hierfür ist Swissnex als öffentliche Institution in San Francisco die erste Anlaufstelle bei der Expansion nach Übersee. Die Mission von Swissnex ist es Verbindungen zwischen der Schweiz und Nordamerika im Bereich von Wissenschaft, Bildung, Kunst und Innovation zu schaffen. Swissnex tritt dabei als Beschleuniger für Schweizer Startups, aber auch etablierten schweizerischen Unternehmen auf. Mittels “Think Spaces”, Marktvalidierungen, Trend Scouting und Verknüpfungen von neuen Ideen wurden bereits verschiedenste Unternehmen unterstützt.

Das beste für junge Unternehmen ist, all diese folgenden Dienstleistungen können kostenlos beansprucht werden:

Verbindungen (Organisation von Terminen, Vorstellungen, Plattformen für Netzwerken)

Forschung (Trend Scouting, Events & Messen, Studientouren, Beratung & Benchmarking)

Kollaborationen (Co-Working Arbeitsplätze,  Community-Bildung, Strategische Partnerschaften)

Transformierungen (Startup Acceleration, Internationalisierungen, Visibilität)

Swissnex kann dabei auf über 13 Jahre Erfahrung zurückgreifen und hat in dieser Zeit bereits namhafte Unternehmen bei ihrem Markteintritt begleitet. Eines der bekanntesten Beispiele ist Mindmaze, welches als eines der ersten “Unicorn” Startup der Schweiz in die Geschichte einging. Weitere bekannte Kandidaten sind Doodle oder Bekeeper.

Historische Übersicht der CH-Startups in Nordamerikaimg_1604

Am Pier 17 in San Francisco bietet Swissnex zudem moderne Räumlichkeiten an, um verschiedenste Firmen miteinander zu verbinden. Neben Nestlé ist auch Swisscom hier regelmässig vor Ort, um potentielle Kooperationen zu schliessen. Die Räumlichkeiten und deren Möglichkeiten bestechen durch innovatives Design und offene Co-Working Arbeitsplätze.

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Startups bietet Swissnex zudem ein sogenanntes CTI Market Entry Camp an. Dabei werden junge Unternehmer während drei Monaten intensiv betreut, um neue Kontakte zu knüpfen oder Protoypen zu entwickeln. Als Beispiel hierfür hatte Swissnex Birdly, ein innovatives Virtual Reality Projekt, geholfen mit Google und Oculus in Kontakt zu treten.

Als Unternehmen sollte man daher diese Plattform immer im Hinterkopf behalten, wenn die Expansion in Nordamerika angestrebt wird. Die verschiedenen Erfolgsgeschichten zeigen, dass eine solche Plattform zu einer absoluten Win-Win Situation für sämtliche Stakeholder werden kann.

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Case Study – Let’s get to work @ MetaDesign

An der Niederlassung von MetaDesign in San Francisco, wo unsere Study Tour begann, beenden wir unseren inspirierenden Trip mit einer Case Study zum Thema Heimüberwachungs-Lösungen der Firma Bay Alarm. Unsere Gruppe wurde aufgefordert mögliche Lösungen für Bay Alarm zu identifizieren, um den veränderten Kundenansprüche in Zukunft weiterhin gerecht werden zu können.

Wer ist Bay Alarm?

Gegründet wurde Bay Alarm im Jahr 1946 und hat ihren Hauptsitz in Pacheco CA (50km von San Francisco entfernt). Ihr Fokus liegt auf den Vertrieb von Sicherheitssysteme im Raum San Francisco für Unternehmen, wie auch für Privathäuser. Ihre USP beschreibt ihre lokal vernetzte Organisation mit Nachbarschaften, Polizei und Feuerwehr. Derzeit betreuen sie mehr als 110’000 Kunden. Nachfolgend drei Fun Fakten:

  • Grösstes unabhängige Sicherheitsunternehmen in Nord-Amerika
  • In Familienhand seit drei Generationen
  • Durchschnittlich ist ein Mitarbeiter seit über zehn Jahren für Bay Alarm tätig

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Verkäufer, Installateure, technischer Support und Spezialisten für Überwachung arbeiten für Bay Alarm. Zudem steht ihnen eine auf Notfälle spezialisierte Einheit zur Verfügung.

Aktuelle Situation mit Fokus auf die Kundschaft

Die Ansprüche der Kunden haben sich geändert. Sie sind mobiler, urbaner und digitaler vernetzt. Die Millenials werden zwar älter und haben mehr Geld um auszugeben, dennoch mieten sie Wohnraum, anstatt diesen selber zu besitzen, um so den urbanen und mobilen Lifestyle ausleben zu können. Durchschnittlich wird alle zwei Jahre umgezogen. Zudem ist es nicht mehr zeitgemäss die Kunden mit langen Verträgen zu binden. Auch diesbezüglich sind flexible Verträge und Verträge auf Anfrage die bessere Option, um den Kundenansprüchen gerecht zu werden. Des Weiteren haben mobile Geräte grossen Einfluss im Umgang mit Dienstleistungen. Diese können simpel per Klick auf dem Smartphone nachgefragt werden. Alle nötigen Informationen sind in wenigen Sekunden aufrufbar, was dazu führt, dass die Erwartungshaltung an Produkten und Dienstleistungen einen hohen Level an Qualität und Einfachheit erreicht hat.

Konkurrenzsituation

Neben den bekannten Konkurrenten (z.B. ADT), welche um Marktanteile mit klassischen Sicherheitsprodukten (u.a. Kamerasystem, Alarmanlage) kämpfen, treten vermehrt neue Player in den Markt hinein, welche mit disruptiven Geschäftsmodellen die Konkurrenzsituation verschärfen. Als Beispiel entstand aus einer Crowdfunding Kampagne das Startup “CANARY”, ein Einzelgerät, welches mit integrierter Weitbildkamera, eingebautes Mikrofon und Sirene sowie Bewegungsmelder ausgestattet ist. Durch die Anbindung an das Internet werden das Verwalten des Systems und das Abrufen benötigte Informationen jederzeit und überall für den Kunden ermöglicht. ADT hat auf die veränderten Kundenansprüche reagiert, indem sie eine Partnerschaft mit Nest eingegangen ist, um eine Anbindung an eine Smarthome Lösung zu ermöglichen.

Unsere Aufgabe

Aus den obigen Aufführungen ist zu entnehmen, dass die veränderten Bedürfnisse der Kunden mit den derzeitigen Lösungen der Bay Alarm nicht befriedigt werden können. Die Konkurrenzsituation in San Francisco hat sich verschärft. Nicht nur durch bekannte Konkurrenten, welche ihr Geschäftsmodell angepasst haben (pivot), sondern auch durch neueintretende Konkurrenz, welche mit disruptiven Geschäftsmodellen den Markt aufmischen.

Aus diesen Gründen wird unsere Gruppe sich Gedanken machen zu den Themen wie Geschäftsmodell, Technologie und Kultur machen und neue Wege für Bay Alarm definieren, um die veränderten Kundenbedürfnisse und Marktgegebenheiten zu antizipieren.

Unsere Lösungen

Geprägt aus unseren gemachten Erfahrungen hier im Silicon Valley in Gesprächen mit den verschiedensten Vertretern aus Startups, dem öffentlichen Sektor, Outposts von Schweizer und internationalen Unternehmen und der Netzwerkorganisation Swissnex sind wir als Team auf einen gemeinsame Lösung gekommen, obwohl wir für die drei Themen (Business, Techology und Culture) in drei verschiedene Gruppen aufgeteilt wurden.

Business:

Wenn man ein Geschäftsmodell hier im Silicon Valley erarbeitet, steht immer die Möglichkeit einer Skalierung auf weitere Märkte im Fokus. Eine Idee soll “asset-light” auf andere Regionen der Welt umgesetzt werden können. Die Dienstleistungen der Bay Alarm sollen auf Anfrage und für individuelle Bedürfnisse in Umfang und Zeitdauer jederzeit durch Kunden bestellt werden können (On Demand Security Services). Um die gewünschten Lösungen zeitnah umzusetzen, schlagen wir ein Startup Spin-off vor, um die Implementierung zu beschleunigen und frei vom Tagesgeschäft zu sein. Das vorgeschlagene Rebranding von Bay Alarm zu Bay Watch unterstützt unser Vorhaben zusätzlich, um eine neue Präsenz der Bay Alarm auf dem Markt zu schaffen. Damit soll Bay Watch näher beim Kunden sein bei der Kundenansprache. (Team Barbara, Musti, Christian & Oliver)

Christian Schweizer - Digital Leader

Christian Schweizer – Digital Leader

Technology:

Marc Blindenbacher - Digital Leader

Marc Blindenbacher – Digital Leader

Eine mögliche Skalierung wird durch den Aufbau der präsentierten Smart Bay Watch Security Plattform (SBWSP) unterstützt. Eine Softwarelösung um Geräte miteinander zu vernetzen, gesammelte Daten auszuwerten und darzustellen sowie eine integrierte künstliche Intelligenz (AI) zu schaffen. Die Plattform nimmt die Gewohnheiten in der zu überwachenden Einheit auf und ermöglicht das Erkennen von Ungereimtheiten. Eine smarte Lösungen, um in Real-Time die Kunden zu benachrichtigen. Anhand den identifizierten Herausforderungen, wie z.B. Connected devices, Scalable und Data Security wurde die Produktvision definiert. Nachfolgend die Übersicht der identifizierten Herausforderungen sowie unsere Produktvision mit der SBWSP als Herz:

Stefan Steuble - Digital Leader

Stefan Steuble – Digital Leader

Um der Komplexität bei der Implementierung der Plattform entgegen zu wirken und den veränderten Ansprüche jederzeit gerecht zu werden, schlagen wir vor mit dem Konzept des Lean Startups zu arbeiten:

http://theleanstartup.com/principles

Lean Startup Modell – Quelle: http://theleanstartup.com/principles

Dies ermöglicht eine flexiblere Produktentwicklung ausgerichtet auf die Kundenansprüche. (Team Conrad, Andreina, Marc & Stefan)

Culture:

Nach dem Zitat “Culture eats strategy for breakfast” (Peter Drucker) wird versucht ein Massnahmekatalog zu erarbeiten, um den kulturellen Ansprüche der Mitarbeiter sowie Kunden weiterhin gerecht zu bleiben. Aus den Herausforderungen ist zu entnehmen, dass eine Kultur auf Basis der Vergangenheit gelebt wird. Ein Mitarbeiter ist durchschnittlich länger als zehn Jahren bereits im Unternehmen, die Firma ist im Besitz der dritten Familiengeneration und man fokussiert sich lediglich auf San Francisco. Dies als Zusammenfassung aus interner Sicht. Aus diesen Gründen wird folgende Lösung für Bay Alarm vorgeschlagen:

  • Fokus auf Zielgruppe neu definieren
  • Auf digitale Güter setzen anstelle von physischen Sicherheitsprodukten
  • Umzug ins Silicon Valley mit einem neuen Brand, um flexibler auf den Markt reagieren zu können
  • Die Aktivitäten auf den sozialen Netzwerken ausweiten, um den Kundenkontakt besser pflegen zu können; näher beim Kunden sein
  • Business Modell auf Basis von Abonnenten, um dem kulturellen Wandel besser gerecht zu werden
Marco Canepa - Digital Leader

Marco Canepa – Digital Leader

Generell soll ein neues Team sich auf die neuen Kundengruppen fokussieren, während die bestehenden Kunden weiterhin wie gewohnt von Bay Alarm unterstützt werden. (Team Sam, Claudio, Michael & Marco)

Wie haben unsere Lösungsvorschläge im Vergleich der tatsächlichen Implementierung neuer Lösungen bei Bay Alarm abgeschnitten? Wohin hat sich Bay Alarm weiter entwickelt nach der Zusammenarbeit mit MetaDesign? Hier die Antwort: https://www.youtube.com/watch?v=Ra9fIjLPrFI

Es gilt hier festzuhalten, dass das Silicon Valley definitiv Einfluss auf unsere Lösungsfindung genommen hat. Gertrimmt auf Skalierung, Fokus auf asset-light Geschäftsmodellen, offene Kultur und offenen Technologien (Open Innovation) wird hier im digitalen Hotspot der Welt Silicon Valley versucht die Welt besser zu machen. Hinter den verschiedensten schönen Erfolgsmärchen aus dem Silicon Valley steckt viel harte Arbeit dahinter. Die besten Ingenieure kommen hier zusammen, um an Produkten zu arbeiten, welche man sich nur in den kühnsten Träumen vorstellen kann. Ohne Risiken einzugehen, sich optimal zu vernetzen und das Gespür für skalierbare Geschäftsmodelle zu haben, wird man auch hier im hart umkämpften Silicon Valley nicht erfolgreich sein können.

Zum Schluss noch ein grosses Dankeschön an Joanna, Patrick, das MetaDesign Team für die Organisation und die Gastfreundschaft sowie allen Unternehmen, welche uns Einblicke in ihre Tätigkeiten rund um die digitale Transformation ermöglicht haben. Danke für diese unvergessliche Woche hier im Silicon Valley!