Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Reto Gadient berichtet Fabian Coray:

Endlich war er da, der Tag auf den ich gewartet hatte, der Tag in der Crypto Valley Zug. Topaktuelle Themen wie Blockchain oder Bitcoin besser kennenlernen und verstehen. Und die Erwartungen wurden erfüllt.

Bitcoin – Zahlungsmittel der Zukunft?

Reto Gadient hat uns am Morgen begrüsst und schon ging es los.

Bitcoin, der Begriff ist fast täglich in den Medien. Einmal Positiv, dann wieder Negativ. Ein Hype oder sogar ein Betrug wie es Jamie Dimon, CEO JP Morgan Chase bezeichnet. Auf jeden Fall wünscht sich momentan jeder, er hätte Bitcoins gekauft. Heute stehen wir übrigens bei $ 7’000….

Aber wer hat den Bitcoin überhaupt erfunden? Satoshi Nakamoto, mehr weiss man aber auch nicht. Die Identität ist unbekannt, er (oder sie oder die Gruppe) verschwand 2010. Besitzt nach Schätzungen 1 Million Bitcoin.

Was ist den überhaupt der Gedanke hinter dem Bitcoin? Kurz zusammengefasst: Von Privatperson zu Privatperson Bargeld übermitteln ohne Bank, Digitalisierung der Bargeldzahlung unter Ausschluss einer Zentralbank.

Kann sich der Bitcoin als Zahlungsmittel durchsetzten?

Gute Frage, dabei müssen wir uns die Kernthesen der österreichischen Schule der Ökonomie anschauen. Staatliche Interventionen, Geldschöpfung und die Ausweitung der Geldmenge schaden der Wirtschaft. Die Geldmenge beim Bitcoin ist auf 21’000’000 BTC limitiert und die Geldpolitik ist im Code festgeschrieben und fix.

Aber wie sieht es im täglichen Gebrauch aus? Zahlungsmittel ja, der Bitcoin ist robust, einfach zu transportieren und ist in kleinsten Einheiten erhältlich. Dient er aber auch als Recheneinheit? Momentan wohl eher nicht, die Volatilität ist zu hoch. Somit beantwortet sich auch die Frage zur Eignung als Wertspeicher, die Kursschwankungen und vor allem die Zurückhaltung von Behörden und Banken macht es schwer, die Reise des Bitcoins vorauszusagen.

Bitcoin – what’s behind?

Nach der Theorie hat uns Lucas Betschart, Präsident der Bitcoin Association Switzerland, in die Praxis eingeführt. Wir haben alle ein Bitcoin Wallet aufgesetzt und als Geschenk BTC im Wert von CHF 5 aufgeladen. Als nächsten Schritt sollten wir dann BTC hin und her transferieren. Da der Schock, extrem hoch Transfergebühren, da war wohl gerade ein Stromausfall in China :-).

Lucas hat uns die wesentlichen technischen Konzepte von Bitcoins aufgezeigt:

  1. Kryptografie
    1. Hashing
    2. Merkle Trees
    3. Digitale Signaturen
  2. Konsensus, alle sind sich einig über die Regeln welche bestimmen wann eine Transaktion gültig ist
    1. Digitale Unterschrift ist korrekt
    2. Die selben Bitcoins werden nicht zweimal ausgegeben
  3. Distributed shared ledger (Blockchain)
    1. Gruppe von replizierter Datenbank (Nodes)
    2. Transaktionen werden in Blöcken verteilt
    3. Alle Nodes erhalten alle Transaktionen und alle Blöcke
    4. Resillent für den Ausfall von einem oder mehreren Nodes

Wie werden die Bitcoins aber überhaupt hergestellt? Bitcoin ist eine digitale Währung, Blockhain ist eine digitale Technologie, da muss die Herstellung auch ein mega technologischer Prozess sein, oder?

Überrascht oder? Mining ist in der Schweiz überhaupt nicht rentabel. Die Profitabilität hängt von der Strom Hardware und natürlich von den Strompreisen ab. Die Miner führen zusätzlich auch die Proof of Work Berechnungen durch (um zu verhindern, dass Bitcoins zweimal ausgegeben werden).

Vorteile des Bitcoins: Der Zahlungsverkehr mit BTC ist für alle und überall zugänglich und transparent. Adresse und Transaktionen können auf der Bitcoin Blockchain (Blockexplorers) eingesehen werden. Der BTC ist eine internationale und unabhängige Währung, welche 24/7 gehandelt werden kann. Die Risiken im Zusammenhang mit BTC sind eher die Wallets, die gehakt werden können.

Blockchain – Game-Changer für die Finanzwelt?

Nach dem Bitcoin haben wir uns mit dem Thema Blockchain auseinandergesetzt. Blockchain kann man als Register für Transaktionen betrachten.

Es gibt heute über 50 unterschiedliche Typen von Blockchains. Einige sind öffentlich und einige privat (innerhalb eines Unternehmens / Netzwerk). Beide Varianten mit entsprechenden Vor- und Nachteilen. Ist die Meinung über Cryptowährungen geteilt, geht sie beim Thema Blockchain definitiv in eine Richtung.

Smart Contracts – the secret sauce

Nach dem Thema Blockchain haben wir uns mit Smart Contracts beschäftigt. Für die meisten ein weiterer neuer Begriff. Aufgetaucht ist der Begriff zum ersten Mal aber schon 1993 durch Nick Szabo, ein enger Freund von Satoshi Nakamoto.

Simon Janin, Co-founder der Firma chainSolutions GmbH hat uns das Thema im Detail erklärt. Smart Contracts können in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden (z.B. Versicherungsbranche, Crowdfunding) und können das Vertragswesen revolutionieren. Auf der anderen Seite ist es extrem schwierig diese Smart Contracts aufzusetzen. Gründe dafür sind unter anderem die Komplexität der Blockchain oder die Schwierigkeit, bestehende Smart Contracts anzupassen. Des Weiteren ist die Technology neu und es ist schwer Leute zu finden, die sich mit dem Thema auskennen.

Als Abschluss des Morgens hat uns Bernd Lapp anhand von swarm.city ein Blockchain Beispiel aus der Praxis aufgezeigt. Bernd hat aber auch die Risiken mit Cryptowährungen, ICOs und Wallets aufgezeigt. Ihr Wallet wurde gehakt und eine grosse Summe an Ether entwendet.

 

 

Weitere Beispiele von Blockchain / Smart Contracts Anwendungen in der Praxis:

BenBen: Digitales, sehr kosteneffizientes Grundbuch für die Registrierung von Landeigentum in Ghana.

Verisart: Neue Möglichkeit für Künstler und Sammler, Kunst und Sammlungen mittels iPhone App in Real Time zu zertifizieren, verifizieren und zu registrieren.

ujo MUSIC: Platform für Künstler, die es ihnen ermöglicht, die Musik wirklich zu besitzen und die Konditionen für deren Distribution und Bezahlung selber zu steuern.

Crypto Valley Zug – wohin geht die Reise?

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der Crypto Valley Zug. Mehr und mehr Startups werden hier gegründet, mehr und mehr Firmen verlegen ihren Hauptsitz nach Zug. Und die Behörden? Die sind Teil der Erfolgsstory, akzeptieren als erste Stadt weltweit Bitcoins für ihre Leistungen.  Meiner Meinung nach hat dieses Projekt sehr grosses Potenzial. Wer die Crypto Valley noch nicht kennt wird sie bald kennen.

Nach der Theorie durften wir Dr. Johannes Schweifer begrüssen, unter anderem Gründer von Bitcoin Suisse AG und CoreLeger AG. Die Bitcoin Suisse AG wurde 2013 gegründet und der Anfang war, wie bei jedem Startup, schwer. Die grösste Herausforderung war, ein Bankkonto für die Firma zu finden. Heute ist die Bitcoin Suisse AG ein etabliertes Unternehmen mit mehr als CHF 150 Mio. Umsatz pro Jahr. Die Firma ist in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem dem Handel mit Bitcoins, den Vertrieb von Bitcoin ATMs in der Schweiz und das Anbieten von Payment Services mit Bitcoins.

 

 

Johannes hat ein weiteres Unternehmen gegründet, die CoreLedger AG. Wie kam es dazu? Wir alle kennen Gutscheine, für ein Abendessen, als Eintritt fürs Kino usw. Gutscheine werden herausgegeben, geschenkt, weitergegeben und schlussendlich eingelöst. Der Inhaber des Gutscheins kann ihn einlösen, woher er kommt, wer ihn ursprünglich ausstellen lies spielt keine Rolle. Viele dieser Gutscheine sind heute auch schon digital erhältlich. Das ist die Idee hinter CoreLedger. Gutscheine können grundsätzlich auf alles ausgestellt werden, auf Bilder, auf Waren, auf Depotbestände oder auf Commodities. Die Gutscheine / Coupons, Tokens können dann beliebig gegen andere Tokens getauscht werden. Ohne Kosten, ohne Einbezug einer Drittpartei. Tokens auf Waren können ausgetauscht werden, ohne dass die Ware hin und her transportiert werden muss.

Spannend oder? Für mich definitiv. Werden sich die Cryptowährungen durchsetzten? Keine Ahnung. Die Technologie dahinter aber ganz bestimmt. Deswegen: be prepared for the Blockchain Revolution.