Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit dem Zukunftsforscher des GDI Detlef Gürtler berichtet Nuno Felisberto:

Detlef Gürtler legt uns das letzte GDI Impuls als Inspirationsquelle auf und verweist darauf, dass es in Zukunft über http://ww,gdi.ch/newsletter.ch periodisch neues aus der Zukunftsforschung in elektronsicher Form vom GDI geben wird. “Und dann wird es wieder einmal darauf ankommen, was Sie daraus machen, wie Sie die Zukunft gestalten. You make Change happen”.

Trends und ihre Tücken:

Einleitend erläutert Herr Detlef Gürtler was allgemein Megatrends sind und führt aus, dass es zu jedem Megatrend auch einen Gegentrend gibt. Zwecks Veranschaulichung nehmen wir folgende Abbildung, um uns ein klares Bild machen zu können.

Ein konkretes Beispiel von MEGA-Trend und Gegentrend kann anhand der Wahl des Amerikanischen Präsidenten Donald Trump festgemacht werden. So war vor seiner Wahl der Trend der Globalisierung eindeutig auszumachen, was hingegen nun nicht mehr uneingeschränkt gilt, da der neue amerikanische Präsident eher protektionistische Tendenzen in seiner Politik vertritt. Anhand dieser neuen Ausgangslage wird sich die Trendforschung Punkto Globalisierung neu ausrichten müssen und den allgemeinen Trend der Globalisierung hinterfragen.

Technikgetriebene Megatrends weisen eine hohe Dynamik aus und bringen viele neue Optionen mit sich, was sich bei sozialen Gegentrends eher als Stabilitätsfaktor spürbar macht.

Detlef Gürtler führt aus, dass wir in der Betrachtung von linearen Charts gerne davon ausgehen, dass dies immer so weiter geht. Doch genau hier muss ein Umdenken stattfinden, denn irgendwann folgt auf eine lineare Entwicklung eine Störung — eine Disruption. Diese Disruption ändert den Verlauf und verändert alles was wir bisher aus dem linearen Chart herausgelesen haben. Hierzu sollten wir uns als Beispiel die zwei Charts der spanischen Bauindustrie anschauen, welche nach jahrelangen Zuwachszahlen und einer positiven linearen Entwicklung jäh unterbrochen wurde. Selbstverständlich können wir die Bankenkrise ausmachen, um diese Disruption zu erklären, doch alles was vorher an Argumenten hinhielt um eine sanfte Landung der spanischen Bauindustrie vorauszusagen — ging in einem disruptiven Augenblick nach hinten los.

Die Rolle der Disruption:

Die Disruption lässt sich nur schwer voraussagen und bringt immer eine Innovation oder neue Idee zum Vorschein. Der Zeitpunkt der Disruption wird somit durch eine Innovation oder neue Idee bestimmt. Als 2007 Apple mit dem IPHONE aufwartete, war dies der Zeitpunkt indem es für Nokia bezüglich Handysparte nur noch in eine Richtung ging — nämlich nach unten, da man es verpasst hatte das “Sliding” als innovatives Feature für die eigenen Geräte einzusetzen.

Jenseits der Vorstellungskraft:

Wie soll man sich die Zukunft eigentlich vorstellen wirft Zukunftsforscher Detlef Gürtler ein? Nun die Barriere ist unsere eigene Vorstellungskraft, diese bestimmt wie weit wir uns die Zukunft vorstellen können. Viele Sience Fiction Filme waren unserer Zeit voraus und haben Dank der Vorstellungskraft der Autoren, Bilder und Ideen verwirklicht, welche für den “Normalo” dazumal nicht greifbar waren. Der Zukunftsforscher sieht indes seine Rolle dahingehend, dass er Ideen und Vorstellungen liefert, wobei deren Umsetzung anderen vorbehalten ist. Justin Rattner, CTO bei Intel von 2005 – 2013 sagte zur Vorstellungskraft –> “Forschung und Technik sind heute so weit fortgeschritten, dass wir alles bauen können, war wir wollen —  wir sind lediglich durch unsere Vorstellungskraft beschränkt”.

Das Zukunftsforschungsteam des GDI’s rund um Detlef Gürtler hat im 2014 folgende Zukunftsideen ausgearbeitet und diese in 3 Sphären zugeteilt. Sphäre 1 beinhaltet alle Ideen, mit denen wir uns jetzt auseinandersetzen und die Technologie als realistisch zwecks Umsetzung erachten. Sphäre 2 beinhaltet alle Ideen, wie wir die Welt verstehen, jedoch noch viel Forschung nötig ist. Sphäre 3 beinhaltet alle Ideen in einer phantastischen Welt, die zur Zeit nicht vorstellbar ist, sie bleiben der Religion überlassen.

Zukunftsideen GDI_2014

Detlef Gürtler erläutert anhand des Beispiels “3D Bioprinting”, dass es durchaus vorstellbar ist, dass wir in Zukunft Adern oder Hautstücke aus einem 3D Print einsetzen könnten. Die Technologie ist in vielen Belangen weitvorgeschritten und der Einsatz solcher Bioprints kennt bereits einige Einsatzgebiete. “Eine Frage der Zeit, bis es zum Durchbruch kommt” –> Detlef Gürtler.

Disruption-MAP als Werkzeug:

Das doppelte Stufenmodell des GDI vereint in je 7 Stufen zum einen die technologische Entwicklung und zum anderen das Bewusstsein hierzu.

Die 7 Stufen der Technologie sind:

  • Vision (im Ideenstadium, unkonkretisiert)
  • Prototyp (Laborumgebung)
  • Eingesetzt (begrenzte Einsatzmöglichkeiten, Testphase)
  • Tech-Shift (Durchburch, Ausweitung)
  • Etabliert (Einsatz im Alltag, alltagstauglich)
  • Vital (Verzicht ist unvorstellbar)
  • Neutralisert (wird eleminiert, keine Erkennung als Technologieform)

Die 7 Stufen des Bewusstseins:

  • Fremd (keine konkrete Vorstellung, wirr)
  • Nicht akzeptiert (Idee nicht umgesetzt)
  • Kontrovers/Nische (nur limitierten Einsatz in Nischen)
  • Mind-Shift (Verhaltensänderung / Bewusstseinsveränderung)
  • Gewünscht (Akzeptanz ist da, Wunsch auf Einbau im Alltag)
  • Naturalisiert (gehört einfach dazu, ist Teil unseres Alltags)

Die Abbildung zeigt anhand des Beispiels der Telekinese, dass die Technik sich zum Einen noch in einem frühen Stadium befindet (Prototyp) und gleichzeitig das Bewusstsein hierfür noch in den Anfängen (Nicht akzeptiert) steckt. Dies kann so verbleiben oder aber auch wieder in ein früheres Stadium zurückfallen.

Die GDI Disruption-Map wird im Normalfall der Reihe nach durchlaufen. Sobald die Stufe des Tech-Shifts erreicht wurde, hat die Technik die Hürde der Umsetzung geschafft. Auf der Seite des Bewusstseins ist mit der Erreichung der  Stufe des Mind-Shifts, die Akzeptanz der Gesellschaft gegeben.

Das GDI hat eine Delphi Befragung zur Zukunft mit zwei verschiedenen Zielgruppen durchgeführt. Eine Zielgruppe war mit GDI Experten bestückt,  total 68 Teilnehmer im Alter von 35 -90 Jahren zu je 1/3 aus Deutschland, Schweizer und aus der restlichen Welt. Die zweite Zielgruppe bestand aus den Teilnehmern des CAS Multichannel Management an der HWZ, total 18 Teilnehmer im Alter von 25 -50 Jahren und fast ausschliesslich Schweizer. In der folgenden Abbildung werden die Antworten je Zielgruppe ersichtlich und wo die grössten Abweichungen zwischen den beiden Zielgruppen ausschlagen.

Gruppenarbeiten MCM 17-2:

Detlef Gürtler teilt die Klasse in 5 Gruppen auf und verteilt jeder Gruppe ein Thema, welches in der Gruppe analysiert wird. Es wird pro Gruppe zum zugeteilten Thema je eine Chance, ein Risiko und ein mögliches Produkt erwartet.

Ergebnisse Gruppenarbeit:

1) Keine klare Grenzen zwischen Menschen und Maschine

  • Chance = physische / psychische Schwächen aufheben
  • Risiko = Mehrklassengesellschaft / Optimierung als Statussymbol
  • Produkt = Knowledge on demand / Hirnimplantate

2) Reichtum wird nicht mehr alleine in Geld gemessen

  • Chance = Gleichheit für alle in der Vergabe von Punkten (Bemessungssystem)
  • Risiko = Messbarkeit des Messsystems
  • Produkt = Social Value Equality

3) Zauberspiegel — Ein Gegenstand aus unserem Alltag der alles Wissen in sich trägt

  • Chance = Grenzenloses Wissen
  • Risiko = Verlust der menschlichen Denkfähigkeit
  • Produkt = Human Brain Interface

4) Pinocchionase — Wir erkennen wenn jemand lügt, man sieht den Menschen die Emotion an

  • Chance = Möglichkeit auf eine andere Art zu kommunizieren, Ausdrucksmöglichkeit für Alle
  • Risiko = falsche Interpretation, Entmenschlichung, Missbrauch, Manipulierbarkeit
  • Produkt = Marktforschung, Frühwarnsystem fürs Zwischenmenschliche, Menschen mit Behinderungen können wieder kommunizieren, Babytranslator

5) Bablefish — Übersetzung synchron und im Augenblick

  • Chance = Tourismusreisen, Interkulturelle Interaktion, Knowhowtransfer
  • Risiko = Wertverlust, Identitätsverlust, Kulturvakuum
  • Produkt = RST (realtime – System – Transformation)