Sunnie J. Groeneveld ist Gründerin der Beratungsfirma Inspire 925 und den beiden Spin-off Unternehmen LunchLottery und Inspire 529. Sie war zudem als erste Geschäftsführerin von digitalswitzerland (ehemals DigitalZurich2025) tätig, der grössten industrieübergreifenden Standortinitiative der Schweiz zur digitalen Transformation.

1. Der Schweizer Tech-Branche fehlen die Frauen. Woran liegt das? Und weshalb ist das Thema Diversität wichtig?

Den einen Schuldigen gibt es für das Problem nicht, es liegt an verschiedenen Faktoren. Um ein paar davon zu nennen: Es gibt beispielsweise die gesellschaftliche Komponente: Jungs bekommen von den Eltern Lego und Roboter geschenkt, Mädchen eher nicht. Wenn sie dann in die Schule kommen, gibt es auf Ebene Primar- und Sekundarschule viel zu wenige Initiativen, die sich wirklich darauf fokussieren, Mädchen an die Themen IT und Coding mit Begeisterung heranzuführen. Zudem wird auch die Geschichte der technischen Berufe überwiegend als Männergeschichte erzählt. Erst in den vergangenen Jahren rückten Frauen, die an wesentlichen Entwicklungen beteiligt waren, etwas mehr in den Vordergrund, z.B. im Film “Hidden Figures.” Schliesslich sind auch in der heutigen Tech-Welt die grosse Mehrheit der Führungskräfte als auch die visiblen Tech-Idole – Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Elon Musk, Jeff Bezos etc. – alle männlich, d.h. es fehlen die weiblichen Vorbilder. Gender-Diversität ist enorm wichtig für die Branche, denn die Technologien sollen ja für die Gesamtbevölkerung entwickelt werden, welche zur Hälfte weiblich ist.

2. Was würdest du deinem 20-jährigen Ich heute raten?

Ich würde meinem 20-jährigen Ich raten, bereits mit 20 Jahren ein Startup zu gründen statt erst mit 25, denn erste unternehmerische Erfahrungen kann man nicht früh genug sammeln. Es kommt zu diesem Zeitpunkt nicht so darauf an, ob man damit gleich erfolgreich wird, sondern, dass man möglichst  früh im Leben lernt, was es heisst, unternehmerisch zu denken und zu handeln.

3. Gibt es jemanden, der deinen beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?

Mein ehemaliger Physiklehrer an der Kantonsschule Enge, Martin Simon. Er half mir, bei der Bewerbung für einen Studienplatz an der Yale Universität und reiste fünf Jahre später mit seiner Frau Ursina für meine Diplomfeier nach New Haven, Connecticut. Später gehörten sie zu den ersten, die an meine Firmenidee glaubten und mir auch einen Teil des Startkapitals für die Gründung der GmbH gaben. Für die Zuversicht in meine Fähigkeiten und die tatkräftige Unterstützung seit erster Stunde werde ich ihnen auf ewig dankbar sein.