Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Der Lack scheint nicht mehr ganz so glänzend zu sein, wie noch vor einigen Monaten, was Kryptowährungen im Allgemeinen und Blockchain im Besonderen betrifft. Der Bitcoin-Kurs hat sich weit unter seinen Höchststand zurückgezogen, und die Blockchain-Verfechter fangen an, sich ernsthaft um den Energieverbrauch der neuen Technologie zu sorgen. Ausserdem häufen sich die Betrugsfälle.

“Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass gegen das Startup Envion aus dem Zuger Crypto Valley Strafanzeige eingereicht wurde. Es geht dabei um Geld aus einem Initial Coin Offering (ICO). Envion habe knapp 100 Millionen Dollar gesammelt und dafür 103 Millionen Tokens ausgeben wollen, stattdessen seien 127 Millionen verteilt worden.“Der neuste Fall eines Kryptowährungsverkaufs, der problematisch aussieht, wird aus dem Kanton Zug gemeldet. Ein Zuger Startup sei nach einem Gross-ICO unter Betrugsverdacht geraten:

Krypto-Betrug ist gemäß ‚Wall Street Journal‘ ein weltweites Problem. Bei fast 20 Prozent von 1450 ICOs seien täuschende oder betrügerische Taktiken angewandt worden, um Investoren anzulocken.

Betrugsfälle sind aber nur ein Teil der Problematik, die durch die Popularisierung von Kryptowährungen und Blockchaintechnologie in Erscheinung tritt. Wie verschiedene Medien berichten, scheint der Energieverbrauch für die Bitcoinherstellung ins Unermessliche zu steigen. Eine Studie hat errechnet, dass das Schürfen von Bitcoin schon im nächsten Jahr mehr Energie verbrauchen wird, als sämtliche Solarzellen weltweit produzieren:

“Für das Mining von Bitcoin wird ein global verteiltes Computer-Netzwerk gebraucht. Und auch die Hardware, die dabei zum Einsatz kommt, ist äußerst stromhungrig: Der Strom, der für eine einzige Bitcoin-Transaktion notwendig ist, deckt den Strombedarf eines Durchschnitts-Haushalt in den USA […] Der Energieverbrauch von Bitcoin hängt damit zusammen, dass es sich bei der Kryptowährung um ein hochgefragtes Spekulativinvestment handelt. Auch der Preis für Bitcoin variiert stark: Innerhalb der letzten 18 Monate ist der Preis teilweise um das bis zu Zehnfache gestiegen, um 75 Prozent gefallen und hat sich danach verdoppelt. Aber wohingegen der Preis starken Schwankungen unterlegen ist, steigt der Stromverbrauch konstant weiter.“

Natürlich hat Bitcoin immer noch viele Fans. Olga Feldmeier gehört dazu. Die Blockchainexpertin schwärmt im Handelzeitungsinterview vom gewaltigen Potential der Kryptowährung:

“Bitcoin hat das Potenzial, auf 100 000 Dollar zu steigen. […] Vor einem Jahr waren sämtliche Cryptocoins nur 25 Milliarden wert. Trotz dem jüngsten Rückgang entspricht das immer noch einer Verzehnfachung innerhalb von einem Jahr. Also eigentlich kein Grund, enttäuscht zu sein.“

Bitcoin funktionieren auf der Basis von Blockchaintechnologie – und auch hier scheint die erste Begeisterung verflogen zu sein. Es gibt sogar Experten, die darin nicht viel mehr als einen Kult sehen, wie inside-it berichtet:

“Blockchain ist in den Medien und an Konferenzen so omnipräsent, dass manche es nur noch das „B-Ding“ nennen und jeder weiss, was gemeint ist. Die IT-Realität sieht aber weltweit anders aus, das zeigt der jährliche CIO-Survey von Gartner: Gerade mal ein Prozent der befragten CIOs sagen, sie hätten eine Blockchain-basierte Lösung in ihrem Unternehmen implementiert […] Im Gartner-Hypecycle steigt die Blockchain momentan in Richtung der höchsten Erwartungen auf. Naturgemäss folgt dann irgendwann der Absturz ins Tal der Tränen.“