Was wir von Appenzeller Followern lernen können und was das nächste grosse Ding ist, erfuhren wir im „Agile Leadership Day“ mit Adrian Zwingli, Entrepreneur und Chairman SwissQ. Monika Vögtli und Emmerich Stoffel berichten aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership:

Agile Organisationen – build for change over efficiency

Weltweit werden täglich x-tausende Startups gegründet, die nur eines wollen: Löcher in Wertschöpfungsketten von etablierten Unternehmen fressen. Traditionell antworten die meisten Schweizer Unternehmen auf diese Herausforderung mit „Tun wir die Dinge richtig?“, einige wenige mit „Tun wir die richtigen Dinge?“ und vereinzelt ganz tapfere Firmen mit „Machen wir es schnell genug?“. Doch alle einheimischen Hürden, neuen Gesetze und Durchhalteparolen nützen nichts: Diese neuen agilen Firmen fragen gar nicht und probieren es einfach aus, wenn 1.) der „Produkt-Markt-Fit“ stimmt und 2. Skalierungspotenzial besteht.

Mit dieser „Disruption of the value chain“ (siehe Helge Tenno: Fundamental Changes in the nature of consumption) werden ganze Industrien sukzessive „entbündelt“. So bietet z.B. Amazon heute schon Services einzeln an, die bis jetzt von Banken noch gebündelt angeboten werden („Bank of Amazon„). In der Schweiz musste Kuoni eine solche Entbündelung auf schmerzliche Weise erfahren.

Fazit: das neue Spiel gewinnen diejenigen Unternehmen, die die meisten „Kundeninteraktionen“ generieren, der Profit liegt in einem tollen „Human Interface“. Und damit wird jedes Business zum digitalen Business. Bei dieser Transformation geht es nicht um Technologie alleine, sondern um die DNA und Kultur einer Organisation.

Traditionelle Unternehmen, die im letzten Jahrhundert mit der industriellen Massenproduktion gross geworden sind, legen den Fokus auf „Effizienz“ und Hierarchie. Agile Organisationen legen den Fokus primär auf „Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit“. Neben neuen Produkten gilt es vor allem neue Skills, neue Strukturen und neue Zusammenarbeitsformen im Netzwerk zu entwickeln. Und all das braucht weniger Management, aber einiges mehr an Leadership. Agile Organisationen sind keine Maschinen, die gewartet werden müssen, sondern Organismen, die ein bestimmtes Biotop und Energie brauchen.

Duale Transformation –  reinvent today & create tomorrow

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ Gerade etablierte Unternehmen setzen lieber auf das Altbewährte anstatt neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. IBM, Netflix und Marvel sind gute Beispiele von Unternehmen, die eine sogenannte duale Transformation durchgemacht haben.

Dabei wird das Kerngeschäft angepasst und ein neues Geschäftsmodell unabhängig von den bestehenden Strukturen aufgebaut. Idealerweise entsteht eine eigenständige, geographisch getrennte Organisation mit eigener Kultur und dem Auftrag, neue Geschäftsmodelle für die Zukunft zu entwickeln. Dieses neue Geschäft wird vom Kerngeschäft finanziert. Wenn es jedoch um Budget geht, verstehen viele Schweizer Chefs/Chefinnen keinen Spass mehr. Die zentrale Leadership-Herausforderung ist deshalb zu entscheiden, wie lange die beiden Geschäftsfelder getrennt und wann sie wieder organisatorisch zusammengeführt werden sollen.

Agile Leadership – 4C’s and myself

Am Ende des Tages wetten wir auf Menschen und nicht auf Strategien. Denn Organisationen ändern sich nicht per se, Menschen tun es. Agile Leadership fokussiert deshalb stets auf die 4C’s; Collaboration, Culture, Curiosity & Courage. Und vor allem sich selbst, dazu einige wertvolle Tipps von Adrian:

  • Kenne deinen Führungsstil. Gute Leader können sich selbst führen.
  • „No pain, no gain“. Eine Strategie ist erst dann gut, wenn sie weh tut.
  • Tell a story. Gebe sinnhafte Gründe, weshalb etwas gemacht werden soll  („for the greater good“)
  • „Play to win“ anstatt „play to lose“. Sorgen sollten nicht im Fokus stehen.
  • „Be happy“, oder tu so, indem du zum Beispiel ein inneres Bild abrufst. Schlechte Stimmung wird unterbewusst von anderen Menschen kopiert (Spiegelneuronen).
  • Meditiere! (App). Unter Stress können wir nicht mehr klar denken. Abwehrmechanismen werden dafür stärker.
  • Sei präsent. 80% der Kommunikation findet non-verbal statt. Teams funktionieren besser, wenn alle an einem Tisch sitzen.
  • Höre zu. Kein Handy auf dem Tisch und Laptop zuklappen. Digitale Ablenkung reduziert Konzentrationsfähigkeit und Realitätswahrnehmung. (Focus)
  • Trainiere deinen geistigen Muskel, um die Konzentrationsfähigkeit zu steigern. (The focused leader)

Gastbeiträge

David Bänziger, Leiter Backend Development & Support bei der Zürcher Kantonalbank, erzählte, wie „Agile“ bottom-up eingeführt werden kann. Philipp Schneider, Director eSolutions Development bei Sonova, zeigte auf, wie jeder von uns auf der eigenen inneren Bühne mit den Leadership Styles eines Mandelas, Machiavelli oder Last Jedi ringen muss.

Und was hat das jetzt alles mit den Appenzellern zu tun? Adrian geht analog im Appenzell wandern. In der Gaststube wird er vom Stammtisch angehauen: „Du mit dem Bart, bisch en Informatiker? Seg omol, isch da mit de Blocktschain u Bitgoin öppis? Muemer investiere?“. Adrian bafft darüber, dass dieser Hype nun definitiv zur Commodity wird, antwortet seinen Followern: „Nein, investiert in Voice (Sprachsteuerung über AI), das ist das nächste grosse Ding. Aber psst..!“