Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Adrian Zwingli & Martin Hess berichten Daniel Berger & Daniel Wermelinger:

Veränderungen, die uns alle etwas angehen!

Falls jemand denkt, es dauert noch lange bis Start-Ups und marktfremde Unternehmen die Märkte dieser Welt erobern, täuscht sich. Wie das Bild «Unbundeling of a bank» zeigt, können bereits heute sämtliche Dienstleistungen von aufstrebenden, jungen Unternehmen bezogen werden. Viele Firmen sind sich dessen bewusst und möchten mit digitalen, innovativen Produkten und neuen Kundenerlebnissen Ihre Anteile an der Wertschöpfungskette sichern, insbesondere die Schnittstellen zu den Kunden. Ganz nach dem Motto: “Where the interface layer is, where the profit is”. Neue Denkweisen sind gefordert, damit Unternehmen agil und flexibel sind: Agile Leadership! Die Frage ist: How to make a difference?

Warum Agile Transformation eben kein Projekt ist!

Wenn der CEO der Meinung ist, die agile Transformation ist «it’s just another transformation project», hat eigentlich schon verloren. Es darf auf keinen Fall eine beschränkte Laufzeit haben, sondern muss kontinuierlich sein, ja sogar eine Grundhaltung!

Zurück zum Bild «Unbundeling of a bank». Ziel der neuen Marktplayer ist es, sich die Filetstücke aus der Wertschöpfungskette herauszuschneiden und mit neuen, einfachen Kostenstrukturen, bessere und günstigere Produkte an den Markt zu bringen. Wenn resistente CEOs mit solchen Unternehmen konfrontiert werden, reagieren sie oft so:

  1. Verharmlosung
  2. An Details aufhängen
  3. Verallgemeinerung
  4. Fehlende Aufrichtigkeit
  5. Fehlende Direktheit

Statt mit einem grossen Transformationsprojekt zu starten, können Unternehmen beginnen Hypothesen aufzustellen, die dann durch Minimal Valuable Products (MVP) an den internen und externen Kunden geprüft werden. Agile Prinzipien helfen die Geschwindigkeit der Durchlaufszyklen zu verkürzen. Im Markt wird deshalb der gewinnen, der sich am schnellsten anpassen kann! Damit dies gelingt, müssen 3 Punkte in die strategischen Ziel einbezogen werden:  

  1. Die Schaffung einer flexiblen Organisation
  2. Die Transition von Management zu Leadership
  3. Vorgehen und Prozesse innerhalb des Unternehmens agil gestalten

Die grösste Herausforderung liegt darin, die richtige Balance zwischen dem Betrieb und den Projekten zu finden.

Digital Executives drive the organization towards flexibility, agility and speed (built for change), while seeking the right balance regarding efficiency and stability

Agile Transformation findet in 4 Dimensionen statt. Es ist extrem wichtig, sich nicht nur auf eine Dimension zu konzentrieren, denn es ist unsinnig ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, das mit nicht zeitgemässen Produktionsprozessen hergestellt wird.

Einführung Agilität, Manifest & Mythen

Agile Leadership beruht auf gemeinsamen Grundwerten, um die Zusammenarbeit zu fördern, gemeinsame Ziele zu definieren, sich an wertschöpfenden Tätigkeiten auszurichten und lernen mit Veränderungen umzugehen. Gegenüber klassischen Vorgehensmodellen für die Produktentwicklung (Wasserfall), haben agile Vorgehensmodelle den grossen Vorteil, dass sie viel schneller Wert schaffen. SAFe ist ein Framework, das 3 Hauptbereiche beinhaltet (Portfolio, Programm und Team). Im Bereich Portfolio werden die strategischen Themen priorisiert und in agile Releases eingeteilt. Im Bereich Programm arbeiten verschiedene Teams wie DevOps, Architektur, Business Owner und anderen Fachabteilungen zusammen und koordinieren die Tasks, die im Backlogs zusammengefasst werden. Die SCRUM-Teams arbeiten dann die einzelnen Tasks in den Sprints ab. Wer denkt, dass in der agilen Welt keine Strukturen mehr existieren irrt. Im Gegenteil, durch die vielen Abhängigkeiten braucht es Strukturen und KPI’s. Letztlich ist die richtige Priorisierung des Backlogs keine einmalige Angelegenheit, sondern ein wichtiger Prozess um Einfluss auf die Werterzeugung zu nehmen.

Die 12 Prinzipien der agilen Vorgehensweise

  1. Höchste Priorität = Kunden früh und kontinuierlich mit wertvollen Produkte bedienen
  2. Last minute call – no problem. Agile Prozesse nutzen Veränderungen
zum Wettbewerbsvorteil des Kunden
  3. Liefere funktionierende Produkte
regelmässig innerhalb weniger Wochen
  4. Fachexperten und Entwickler
müssen während des Projektes
täglich zusammenarbeiten
  5. Errichte Projekte rund um motivierte Individuen in einem vertrauensvollen und supportiven Umfeld
  6. Effizienz und Effektivität innerhalb der Entwicklungsteams folgen aus 1to1 Gesprächen
  7. Funktionierende Produkte ist das
wichtigste Fortschrittsmass
  8. Agile Prozesse fördern Nachhaltigkeit wenn insbesondere die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer ein
gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können
  9. Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und
gutes Design fördert Agilität
  10. Einfachheit ist Key: die Menge nicht
getaner Arbeit muss maximiert werden
  11. Die besten Resultate entstehen durch selbstorganisierte Teams

Mittels regelmässigen Reflektionen optimiert und adaptiert das Team sein Verhalten

Traditionell vs. Agil

Befragungen zeigen, dass agile Methoden eine grosse Zukunft vor sich haben. Bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen setzen agile Frameworks ein. Der grosse Vorteil des agilen Vorgehens besteht darin, dass kontinuierlich, bereits mit dem ersten Sprint Wertlieferungen generiert und bei nachfolgenden Sprints vervielfacht wird. Bei der agilen Methode ist der Scope stets flexibel, wohingegen die Zeit, sowie die Ressourcen fixiert bleiben.

Erfolgsfaktoren der agilen Transformation

Agile Transformation kann ohne Kulturwandel nicht stattfinden. Genau so wichtig ist die Unterstützung des Management. Teams müssen die Fähigkeit haben richtig priorisieren zu können. Dabei verlieren sie die Produktivität und Werterzeugung nie aus den Augen und verfolgen ein durchgängiges Backlog Management. Last but not least das Management versteht und praktiziert agiles Leadership.

Organisation

Starre Organisationsstrukturen gehören der Vergangenheit an. Bleiben die Organisationsstrukturen starr, bilden sich sogenannte OrgDept, die mangels Anpassung der Struktur an die jeweiligen Markterfordernisse jährlich fortgeschrieben werden. Heute ist es doch so, Komplexität meets VUCA! Eine erfolgreiche Organisation fällt seine Entscheide direkt am Ort der Entstehung. Wie löse ich dies? Die Unternehmen organisiert sich in sogenannten Zellen, die alles notwendige Wissen, sowie die benötigten Fähigkeiten und Verantwortungen haben, um auf dem jeweiligen Markt autonom operieren und entscheiden zu können. Dabei muss das HQ jedoch auf Kontrolle verzichten und bereit sein mehr Kosten zu Gunsten von Markt-/Kundennähe, Geschwindigkeit und Effektivität anzunehmen. Generell gilt: das Produkt definiert die Organisationsstruktur.

Erfolgsversprechende Prinzipien, die helfen eine Organisation fit zu halten:

  • Deliver Value over predictability
  • Organize for responsiveness over cost-efficiency
  • Organization built along value stream, not along org chart debt
  • Budget for capacity – not for projects
  • Unscripted collaboration
  • Assemble the right skills
  • Use good judgement
  • Simplicity – a competitive advantage

Während Firmen wachsen, bewegen sie sich mehrheitlich Richtung Durchschnitt. Einmal beim Durchschnitt angekommen, wird das Unternehmen am Wettbewerb scheitern, da die Kosten stetig steigen. Daher ist ein regelmässiges Refactoring der Organisation zwingend. Dies bedeutet: Internen Strukturen verbessern, ohne dabei die externe Wirkung zu verändern.

People & Agile Leadership

Organisationen ändern sich nicht, jedoch die Menschen. Jeder will Veränderungen, doch wollen sich die wenigsten Menschen selbst verändern, geschweige denn die Veränderungen anführen. Daher: Führung ist stets eine persönliche Wahl und kein Rang. Es ist wichtig als eine gute Führungskraft auf Menschen zu setzen und nicht auf Strategien. Als agile Führungskräfte haben wir uns multiplen Herausforderungen zu stellen, u.a.:

  • Digital Disruption
  • New Way of XY
  • Built for Change
  • Connected Company

und trotz muss ein guter Leader stets inspirierend bleiben, ansonsten verliert er seine Magic. Sinnvollerweise verfügt ein starker Leader über die Fähigkeit sich adaptiv als auch intuitiv aus folgendem Repertoire zu bedienen:

Agiles Leadership bedeutet ebenfalls auf den 4C’s aktiv spielen zu können. Nämlich Collaboration, Culture, Curiosity und Courage. Wichtig ist zudem das führen ohne Macht und seinen Mitarbeitern/innen immer das WHY, HOW und WHAT zu erläutern, als auch gut zuhören zu können.

Als guter und weitsichtiger Leader bedarf es auch der Fähigkeit zum Selbstmanagement. Sich täglich Raum zu schaffen, um Ideen zu entwickeln die helfen das Unternehmen voran zu bringen, als auch sich selbst zu reflektieren sind ein absolutes MUST. Weiter muss eine ganzheitlich, operierende Führungskraft Kompetenzen in den Bereichen leben, wie

  • Social Awareness
  • Leading your Environment
  • Raise Issiues
  • Takeing Decisions

Abschliessend gilt: Arbeit soll auch Freude bereiten und Never eat alone!

Herzlich Dank an die Referenten Adrian & Martin für den super Tag! Übrigens seien die ersten 2 Stunden Beratung gratis. Jeder der sich das entgehen lässt, ist selber schuld!