Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Patrick Hofer berichtet Michel Stucki.

Agilität

Agil zu handeln bedeutet im Wesentlichen proaktiv, antizipativ und insbesondere flexibel zu sein. Die starren Vorgehensmodelle der Vergangenheit orientieren sich meist an Wasserfallmodellen. Die wichtigsten Nachteile davon sind:

  • Fehler werden gar nicht oder erst spät erkannt
  • Auf Veränderungen (auch Erkenntnisgewinn) kann nicht mehr rechtzeitig eingegangen werden
  • Neue Organisationsformen können nur bedingt richtig genutzt werden
  • Die zunehmenden Möglichkeiten der digitalen Welt mit schnellen live Versuchen oder der laufenden (iterativen) Entwicklung können nicht genutzt werden

Das agile Vorgehensmodell

Natürlich spriessen agile Modelle wie Pilze aus dem Boden. Entsprechend ist es auch eine Herausforderung, die passenden Werkzeuge und Methodiken auszuwählen. Es ist dabei ein grosser Unterschied, ob es sich um ein Projekt im Bereich Multichannel Management, Softwareentwicklung oder Innovation handelt.

Für Marketingvorhaben, wie beispielsweise dem Multichannel Management, wurde durch Media Interface by Patrick Hofer das Co-Creativity Framework entwickelt. Diese setzt sich im Kern aus verschiedenen agilen Bausteinen zusammen.

Co Creativity Framework; Media Interface by Patrick Hofer

Design Thinking

In der ersten Phase werden Herausforderungen mittels Design Thinking schnell zu Ideen. Vieles bleibt offen. Die Herausforderung darf im Gegensatz zu anderen Kreativitätstechniken noch unscharf sein. Dabei werden oft zusätzliche Möglichkeiten erkannt. Visuelle und haptische Eindrücke werden deutlich stärker eingebunden.

Lean Marketing

Ist angelehnt an Lean Startup. Ideen werden schnell und einfach als Prototyp empirisch getestet. Viele üblicherweise obligate Schritte werden dabei weggelassen. Ein Lean Modell kann reduziert auf die einfachsten Schritte in etwa so aussehen:

Der Lean Startup Prozess

Zusätzlich werden weitere Möglichkeiten wie die des Minimium Viable Product (MVP) eingesetzt. Dabei wird eine weitere Vereinfachung durch die Reduktion des Funktionsumfanges auf das überlebensfähige Produkt erzielt. In weiteren Iterationen werden die weiteren Anforderungen umgesetzt.

Agile Entwicklung

Die agile Realisierung orientiert sich insbesondere an erprobten Vorgehen aus der Softwareentwicklung wie Scrum. Entscheidend ist Realisierung in Iterationen, in Scrum Sprints genannt. Die entstehenden Resultate müssen produktiv eingesetzt werden können, um schnell reales Feedback zu generieren und diese Erkenntnisse in die weiteren Iterationen einbringen zu können.

Realtime

Es geht vorwiegend darum, den Regelkreis zu schliessen, die heutigen Analysemöglichkeiten umfänglich zu nutzen und damit die bestehende Lösung oder auch das MVP laufend zu verbessern oder den neuen Gegebenheiten des Marktes anzupassen. Damit ist man im  höchsten Masse proaktiv, antizipativ und insbesondere flexibel.

Agilität ist keineswegs eine Lösung für schlechte oder fehlende Planung. Vielmehr ermöglichen agile Vorgehen schnellen Erfahrungsgewinn, kleine Einstiegshürden und die Möglichkeit, das Gelernte laufend und umgehend einfliessen zu lassen.