Aus dem Unterricht zum Thema Newsroom des CAS Digital Leadership mit Fabienne Romanens, Leitung Social Media der Redaktion Tamedia, berichtet Dorothea Tiefenauer:

User Experience und den Nerv treffen. Das stete Tracking des Userverhaltens erfordert eine schnelle Reaktion.

Der Begriff Newsroom kommt aus dem Englischen und heisst „Redaktion“ oder „Redaktionsraum“. In der DACH-Region wird unter Newsroom eine Organisationsform mit Auswirkungen auf Räumlichkeiten, Prozesse und Verantwortlichkeiten verstanden. Grundsätzlich wird zwischen dem journalistischen Newsroom und dem Corporate Newsroom unterschieden.

Newsroom im Journalismus

Das Phänomen Newsroom ist eine Reaktion auf die Transformation in den Medien. Der Newsroom soll den Austausch begünstigen, die Effizienz steigern, Kosten sparen und die Konvergenz zwischen den verschiedenen Kanälen sicherstellen (online und Print). Die Kompetenzen sind idealerweise aufgeteilt für Themen und Kanäle. In der Theorie sind die Ressourcen besser planbar und Geschichten kurzfristig anpassbar. Newsrooms machen die Arbeit im Journalismus spannender. Organisiert und der Überblick behalten, wird etwa mit dem Tool Desknet zur Themenplanung.

Gleichzeitig treten Unternehmen als Publisher auf mit eigenen Magazinen und eigenen Digital Newsroom und konkurrenzieren teilweise die traditionellen Medienhäuser. Diese wiederum sind gefordert, die User Experience stets den neusten Bedürfnissen anzupassen, was eine grössere Spezialisierung erfordert. Wichtiger geworden, ist die online Darstellung mittels Infografiken und Filmen.

Aktuelle Situation auf dem Schweizer Markt

  • TA-Media Newsroom ist fünf Jahre alt.
  • Ringier hatte in der Schweiz als Pionier bereits 2010 einen titelübergreifenden Newsroom eingeführt. Abläufe, Organisation und Kompetenzen sind seither angepasst. Die Multimedialität mit Print, Bild und Video wird gleichzeitig abgedeckt. Das Selbstverständnis der klassischen Journalisten hat sich damit stark verändert und machte einen Change Prozess notwendig.
  • SRF plant für Anfang 2019 den Start des Newsrooms, wobei die schrittweise Integration bereits läuft. So arbeiten die Inputter bereits heute nach dem Konzept Newsroom. Komplexität und Grösse der Organisation SRF sind Gründe für die Dauer der Kursänderung. Gleichzeitig profitiert SRF von den Erfahrungen der anderen Medienhäuser, welche bereits in das Projekt Newsroom SRF einfliessen.

Ohne Messung geht nichts 

Analytics ist mit dem Konzept Newsroom überhaupt ernsthaft zum Thema geworden. In Echtzeit verfolgen die Medienschaffenden, wo auf der Site sich die Leser online befinden. Die Auswertung ist unterteilt nach Ressorts, Geschichten, Videos und Bildern. Onlineblattmacher orientieren sich daran und erhalten auch für Print Hinweise, was wichtig ist. Google Analytics liefert Inputs für Social Media so auch Referrals. Crowdtangle wird den Medienhäusern von Facebook gratis zur Verfügung gestellt und ist ein wertvolles Recherchetool für Themensourcing. Bild, Titel und Text werden laufend optimiert und angepasst. Talkback ist ein älteres Tool, in welches alle Kommentare einfliessen und für Tipps und Korrekturen genutzt wird. Business Manager von Facebook und Tweet deck von Twitter werden ebenso genutzt. Slack hat sich als internes Kommunikationstool etabliert.

Das Fazit von Fabienne Romanens bringt es auf den Punkt:

„Newsroom ist wie Demokratie. Nicht perfekt, nicht wahnsinnig mühsam aber es gibt (noch) nichts Besseres.“

Corporate Newsroom

Corparate Newsroom
Organisation und Abläufe

Ein Corporate Newsroom soll die interdisziplinäre Kommunikation verbessern oder gar ermöglichen. Merkmale eines Corporate Newsrooms sind:

  • Silos werden aufgebrochen. Marketing, Kommunikation und PR arbeiten gemeinsam und nutzen Synergien.
  • Themen werden zentral und integriert im Sinne eines strategischen Content Marketings gesteuert und auf allen Kanälen betrieben.
  • Eine rasche und aktuelle Kommunikation wird sichergestellt und das Potenzial von Live-Ereignissen für die Unternehmenskommunikation genutzt.
  • Gleichzeitig fällt die Trennung zwischen interner und externer Kommunikation weg.

Seit 2016 hat das Thema in grösseren Schweizer Unternehmen an Fahrt gewonnen, so verfügen Axa, Mobiliar und SBB bereits über etablierte Newsrooms. Auch viele weitere Unternehmen überlegen sich dessen Einführung. Ziel ist dabei immer ein optimiertes Agenda Setting.

In der zweistündigen Einführung haben wir gelernt: „Nicht überall, wo Newsroom draufsteht, ist auch Newsroom drin.“ Zentral ist es, sowohl im journalistischen als auch im Corporate Newsroom in packenden Geschichten zu denken und diese konsequent in einem strategischen Content Marketing umzusetzen.

Vielen Dank Fabienne Romanens für den umfassenden Kurzüberblick.