… möchte man (fast), dass das CAS nie zu Ende geht…

Aus dem Unterricht CAS Disruptive Technologies berichtet Karin Mathys.

Es ist unser letzter Unterrichtstag. Unser Studienleiter Marcel Blattner hat uns noch einmal einen spannenden Tag versprochen. Neben dem Wrap-up über das Semester sind der Special Guest Tim Nonner zum Thema «Algorithmen» und Daniel Grassinger mit dem Thema «Blockchain» angekündigt.

Algorithmic Decision Making mit Dr. Tim Nonner

Der Tag startet spielerisch. Anhand des Hütchenspiels demonstriert uns Tim, dass die durch den Menschen intuitiv getroffenen, vermeintlich optimale Entscheidungen, rein rechnerisch gesehen nicht immer die bestmögliche Entscheidung sind. Kognitive Einschränkungen führen dazu, dass Menschen irrational handeln:

  • Anchoring (Vergleich mit einem hohen Preis suggeriert z.B. ein Schnäppchen)
  • Disposition Effect (Wertschriften, die an Wert verloren haben, werden z.B. ungern verkauft)
  • Hot hand fallacy (der Glaube daran, dass z.B. Basketballer, der einen «Lauf» hat, d.h. wiederholt den Korb trifft, eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, wieder zu treffen).

Algorithmen können uns helfen schnellere und rationalere Entscheide zu treffen, in dem sie diese «kognitiven Verzerrungen» ausschalten. Diese Entscheidungsfindung erfolgt in einem 3-Schritte-Prozess:

  1. Descriptive: Blick in die Vergangenheit -> was ist bekannt?
  2. Predictive: Aufgrund der Vergangenheit wird eine Vorhersage getroffen -> wie sieht die Zukunft aus?
  3. Prescriptive: Zukünftige Entscheide werden optimiert -> wie kann ich die Erkenntnis nutzen?

Dabei gibt es drei Ebenen der Entscheidungsfindung:

Dabei gilt, je weniger Fakten man hat, desto mehr Annahmen muss man treffen. Auf der Strategischen Ebene hat man oft keinen grossen Erfahrungsschatz, auf den man zurückgreifen kann. Taktische Entscheide werden regelmässiger getroffen und operative Entscheide sozusagen laufend, weshalb man hier auf Erfahrungswerten aufbauen kann.

Anhand von konkreten Beispielen lernen wir, dass beim Einsatz von Algorithmen die Grössenordnung und Komplexität der Aufgabe entscheidend ist. Ein Problem, welches sich mit wenigen Datensätzen einfach lösen lässt, wird mit zunehmender Menge der Daten so komplex, dass es nicht mehr lösbar ist und dass sich die Algorithmen nicht immer auf andere, gleichartige Problemstellungen übertragen lassen, weil bereits marginale Veränderungen den Schwierigkeitsgrad vervielfachen können.

Wrap-up mit Marcel Blattner

Den Vormittag beenden wir mit dem Video von Gerd Leonhard «Digital Transformation» welches wir zu Beginn des CAS kennen gelernt hatten und mit einem Rückblick von Marcel, der uns noch einmal ans Herz legt, kritisch zu bleiben und das grosse ganze im Blick zu behalten.

Bild: Cornelia Diethelm

Blockchain mit Daniel Grassinger

Am Nachmittag haben wir das Vergnügen mit Daniel Grassinger, co-funder von nexussquared, der uns das Thema Blockchain näher bringt. Er hält gleich zu Beginn fest, dass Blockchain mehr ist als Bitcoin. Mit Blockchain können Transaktionen aller Art zwischen zwei Parteien ohne Vermittler abgewickelt werden. Blockchain wird aufgrund der dezentralen Struktur auch distributed ledger technologie (DLT) genannt.

Was ist Blockchain?

Anbei zwei Definitionen aus dem Skript:

 

 

Blockchain ist:

  • Eine dezentrale Datenbank:

In ihr werden die getätigten Transaktionen, in Blöcken zusammengefasst und chronologisch aneinanderreiht. Jeder Block dieser Kette (chain) enthält alle Transaktionen des aktuellen Blocks sowie Informationen zum vorherigen Block.

Dazu werden alle Transaktionen gesammelt und als Block verschlüsselt. Der Block wird anschliessend an sogenannte Miners verschickt und von ihnen verifiziert, in dem sie den ganzen Block zurückrechnen und anschliessend die Echtheit der Transaktionen bestätigen. Jede Transaktion muss mindestens von 51% der Miners bestätigt werden um gültig zu sein (consensus creates truth). Dann wird der Block zu der Kette hinzugefügt und kann nicht mehr geändert werden.

  • Öffentlich zugänglich: Das Register (Public Ledger), kann jederzeit von allen Teilnehmern eingesehen werden. Jeder kann ein Teil des Netzwerks werden (Public Blockchains), in dem er oder sie die Mutterdatei herunterlädt und damit zu einem Node (=Informatonsträger in einer Datenbank) wird.
  • Dezentral organisiert: niemand (kein Staat, keine Organisation), hat die Hand drauf und die Daten sind verteilt.
  • Synchronisiert: bei Bitcoin zB werden Transaktionen alle z Minuten aktualisiert und an die Kette angeschlossen
  • Verschlüsselt

Diese Grundsätze schaffen eine hohe Transparenz und ermöglichen es, dass Transaktionen zwischen Parteien ausgeführt werden, zwischen denen kein Vertrauensverhältnis besteht, ohne dass ein Vermittlerin (wie z.B. eine Bank) sichergestellt wird.

Derzeit gibt es unterschiedliche Blockchains, welche untereinander nicht durchlässig sind. Es ist zwar zu erwarten, dass sich mittelfristig ein Standard durchsetzen wird, derzeit ist jedoch nicht abzusehen welcher. Obwohl dies dem ursprünglichen Dezentralisierungsgedanken widerspricht, gibt es neben den öffentlichen auch private Blockchains, die nur von Personen verwendet werden dürfen, die durch die jeweilige Organisation zugelassen sind.

Eine derzeit ungelöste Herausforderung sind die Ressourcen. Mit zunehmender Datenmenge benötigt die Verifizierung durch die Miners mehr und mehr Rechenleistung. Dies könnte sich schon bald als Problem erweisen, wenn die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Dennoch spricht man der Distributed Ledger Technologie grosses Potenzial zu. Insbesondere Länder, deren Systeme (Staat, Banken) korrupt sind, könnten von der neuen Technologie profitieren und an einem transparenten und neutralen System teilnehmen.

In der Geschichte von Blockchain finden sich jedoch nicht nur positive Beispiele.

Die Anonymität und fehlende Regulatorien haben dazu geführt, dass die Technologie auch für illegale Aktivitäten missbraucht wurde.

Chancen und Gefahren

Chancen

  • Transaktionen zwischen zwei Parteien sind ohne Vermittler möglich
  • Die Macht ist beim Nutzer, er hat die Kontrolle über alle Daten
  • Der Bezug zu den Ursprungsdaten bleibt immer bestehen.
  • Die Dezentralisierung macht die Technologie wiederstandsfähiger gegen Angriffe.
  • Transparent und von allen einsehbar
  • Transaktionen können schneller und günstiger abgeschlossen werden.

 Gefahren

  • Junge Technologie, es werden immer noch Erfahrungen gesammelt
  • Fehlende Regulatorien
  • Sehr hoher Energierbrauch (Miners verbrauchen pro Tag so viel Strom wie eine Stadt mi 50’ Einwohnern). Im Vorteil ist, wer schon Entschlüsselt hat.
  • Es gibt noch Sicherheitsbedenken, welche das Vertrauen in die Technologie schmälert.
  • Problem von neuen Technologien: wie integriert man das in neue Prozesse

Zum Abschluss lernen wir akutelle Use Cases kennen und Jean-Fronçois Alarie stellt und sein Start-up «web.zipper.im» vor, ein Messenger, in welchem Dokumente «eingeschrieben» übermittelt werden können.

Fazit

  • Blockchain ist mehr als ein technologischer Ersatz. Man sollte sich vor allem Gedanken zu sinnvollen Geschäftsmodellen machen und die Kundenperspektive im Auge behalten.
  • Kooperationen sind unerlässlich.
  • Die fehlenden Regulationen dürfen derzeit kein Hinderungsgrund sein. Vielmehr muss man den Regulator, z.B. die Finma frühzeitig dazu nehmen und je Use Case Lösungen suchen.

Schliesslich beenden wir den letzten Unterrichtstag mit Tipps und Ratschlägen zu den mündlichen Prüfungen, bevor wir uns nach diesem spannenden Tag noch einen letzten gemeinsamen Aperitif gönnen.