Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Pascal Kaufmann zum Thema künstliche Intelligenz bloggt Dominique Heinzler:

Das Hirn ist eigentlich eine total ineffiziente Schaffung! Würde man etwa den Informationsgehalt von 120 Jahren Bücherlesen in digitale Daten transformieren, so könnte man diese auf gerade mal 2 DVDs festhalten. Gut, dass es heute künstliche Intelligenz gibt, welche dieses Problem löst! Oder doch nicht?

Fakten über unser Gehirn

Der Begriff ist in aller Munde: AI für Artificial Intelligence respektive KI für Künstliche Intelligenz – aber was macht unser Gehirn eigentlich intelligent? Ein durchschnittlicher Mensch verfügt über rund 100’000’000 Hirnzellen, wobei jede einzelne davon wiederum rund 10’000 Verbindungen aufweist; insgesamt gibt es ca. 80 verschiedene Hirnzellentypen. Das Gehirn ist dabei weniger ein statisches Konstrukt, sondern vielmehr ein dynamisches Gebilde und etwa mit einem Lebewesen vergleichbar. Täglich kommen zwischen 30’000 und 40’000 Hirnzellen hinzu und wandern im Gehirn dorthin, wo sie gebraucht werden. Wie viele Hirnzellen im Laufe der Zeit absterben, hängt davon ab, wie intensiv und regelmässig diese benutzt werden – richtig intelligent also! Unser Hirn ist übrigens plastisch und formbar – so lassen sich, wenn man beispielsweise etwas liest und lernt, anatomische Veränderungen feststellen – natürlich nur mit den richtigen Hilfsmitteln!

Definition von Intelligenz

Wer an dieser Stelle eine allgemeingültige Definition für den Intelligenzbegriff erwartet hat, wird enttäuscht sein. Bis heute gibt es nämlich keine allgemeingültige Definition für Intelligenz, womit auch heute noch nicht ganz klar ist, was Intelligenz eigentlich ist. Vor diesem Hintergrund ist auch eine gewisse Portion Skepsis legitim und auch die Frage, wie man denn künstliche Intelligenz überhaupt schaffen will, wenn man dabei noch nicht einmal weiss, was genau das Ziel ist.

Singularität und Synchronizität

Mit dem abstrakt klingenden Begriff der Singularität ist im Grunde nichts anderes gemeint als der Zeitpunkt, zu dem der Computer besser ist als der Mensch. Im Schach etwa wurde dieser Punkt bereits erreicht. Aber haben Sie schon mal einen fussballspielenden oder einen schlittschuhlaufenden Roboter gesehen? Wohl kaum. Das menschliche Hirn ist in der Lage, das sogenannte Binding Problem elegant zu lösen. Was man darüber weiss ist, dass das Gehirn verschiedene sensorische Informationen gleichzeitig – also synchron – verarbeitet, etwa indem an einem grünen Apfel gerochen, gleichzeitig die runde Oberfläche gefühlt und die grüne Oberfläche betrachtet wird. Nur lässt sich bis heute nicht sagen, wie das Gehirn dies eigentlich genau tut. In der Tat ist es also durchaus möglich, bestimmte menschliche Facetten herauszupicken und diese künstlich besser zu machen. Eine künstliche Kopie des Menschen, bei der nicht mehr zwischen biologisch und künstlich unterschieden werden kann, liegt aber noch in weiter Ferne. Kann hier dennoch bereits von künstlicher Intelligenz gesprochen werden?

Fazit

Wurde früher ein Hirn grafisch dargestellt, so hat man Zahnräder und Pumpen gezeichnet. Da diese in der heutigen Zeit allerdings weder bahnbrechend noch modern sind, zeichnet man Computer und Datenströme. So wird jeweils das modernste genommen, was bekannt ist, und behauptet, das Gehirn funktioniere genauso. Wer soll es denn auch widerlegen? Tatsache ist, dass man bis heute nicht wirklich weiss, wie das Gehirn eigentlich wirklich funktioniert.
So ernüchternd es sein mag, ändert es nichts daran: Der State of the Art der künstlichen Intelligenz im Jahre 2017 hat mit Intelligenz eigentlich gar nicht viel zu tun. Zugegeben – Science und Science Fiction scheinen manchmal sehr nahe beieinander zu liegen. Dennoch ist das, was heute im Allgemeinen unter AI verstanden wird, am Ende nicht mehr als Big Data, Deep Learning und Machine Learning – pure Statistik und Mathematik also. Der Braincode ist noch nicht geknackt, AI bis heute nicht viel mehr als ein äusserst stark gehypter Begriff.