Aus dem CAS Multichannel Management mit Sarah Genner bloggt Selina Steinmann:

Wir verbringen den Samstagmorgen mit Sarah Genner und dem Thema Medienpsychologie. Der Morgen ist in fünf Themenblöcke aufgeteilt:

  1. Mediensozialisation I: Medien und Generationen
  2. Botschaft, Medium, Medieneffekte
  3. Online-User managen:
    1. Netiquette
    2. DAU (Dümmster Anzunehmender User)
  4. Technologie-Hypes und digitale Gräben
  5. Permanente Erreichbarkeit und Selbstmanagement

Bevor wir starten, gibt uns Sarah die Spielregeln ihres Unterrichts bekannt:

Auch wenn es einige nicht gerne hören: Die Skripte werden erst nach dem Unterricht verteilt. Wir sollen nur die Dinge, die uns besonders relevant erscheinen, notieren. Im Idealfall auf einem Notizblock und nicht digital. Hmm, da habe ich mich doch erst am Freitag mit Evernote angefreundet, und jetzt soll ich meine Notizen doch wieder auf einem Notizblock notieren? Ich folge Sarahs Rat und notiere nur das Wichtigste, mit dem Notizblock kann ich mich aber nicht anfreunden.

Der Grund für Sarahs Spielregeln: Sie möchte, dass wir die Art, wie wir lernen, hinterfragen.

Themenblock 1: Mediensozialisation I: Medien und Generationen

Im ersten Themenblock werden wir aufgefordert, über unsere eigene Medienbiographie nachzudenken.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Gruppen:

Das Radio war das prägende Medium in der Kindheit. Man war sich gewohnt, zu warten, bis das Lieblingslied im RadOur children will never knowio gespielt wird, oder man ist extra in die Stadt gefahren, um sich z.B. eine Single (CD) zu kaufen. Heute wird die gewünschte Musik direkt auf das Handy gestreamt (z.B. Spotify). Früher war man sich gewohnt, zu warten, dementsprechend war dann oft auch die Vorfreude auf neue Inhalte grösser als heute. Musik hören ist auch heute noch eine der beliebtesten medialen Tätigkeiten. Die Gründe für den medialen Konsum haben sich im Vergleich zu früher allgemein nicht gross verändert. Heute konsumiert man einfach individueller und oft sind mehrere Medien gleichzeitig im Spiel. Man muss sich also nicht mehr dem TV-Programm anpassen, sondern konsumiert orts- und zeitunabhängig das, was man möchte. Durch diesen individuellen Konsum kann  die Gefahr bestehen, dass man z.B. Themen aus dem Weltgeschehen vernachlässigt. Grundsätzlich kann man also sagen, dass wir heute nicht unbedingt breiter, sondern eher mehr in die Tiefe informiert sind als früher.

Themenblock 2: Botschaft, Medium, Medieneffekte

Sarah Genner hat uns gelehrt: Auch die Botschaft selber kann Multichannel sein.

Heute ist nicht mehr klar, wer sendet und wer empfängt (Medienwandel). Auch Masshall McLuhan wagte die Aussage: Die Botschaft ist das Medium. Der Kanal, über welchen die Botschaft läuft, ist bereits die Botschaft.

Das Medium ist also bereits die Message: Die Sinnlichkeit des Kanals soll betont werden (bsp. Qualität des Papiers bei gedruckten Inhalten). Ein Beispiel dazu: Derselbe Text wurde einer Gruppe von Lesenden im Layout der NZZ und einer anderen Gruppe im Blick-Layout vorgelegt. Anschliessend wurden die Lesenden zum Inhalt des Textes befragt. Die Antworten fielen ganz nach dem Ruf der jeweiligen Zeitung aus.

Was ist also das Medium, was ist online, was ist offline? Diese Fragen sind heute nicht mehr so einfach zu beantworten. Ein immer wieder genanntes Beispiel ist der Kühlschrank, der selber Esswaren bestellt. Online und offline vermischen sich immer mehr.

Zusätzlich erlebt die Kommunikation durch das Internet eine massive Beschleunigung. Mit dem Internet kommunizieren wir 10 Millionen mal schneller als mit der Brieftaube, der Medienkonsum steigt. Doch wer konsumiert wie? Die 90-9-1-Faustregel sollte man kennen:

  • 90 = Lurkers (konsumieren)
  • 9 = Contributors (kommentieren und liken)
  • 1 = Creators (stellen Inhalte her)

Die Digitalisierung wird laut verschiedenen Meinungen einen ähnlich grossen gesellschaftlichen Umbruch wie der Buchdruck zur Folge haben.

Themenblock 3: Online-User managen

Im dritten Themenblock teilen wir uns in Gruppen auf und sprechen über den DAU (Dümmster Anzunehmender User) und über das Thema Netiquette (Verhaltensregeln in der digitalen Welt)

Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Gruppen:

DAU: In jedem Fall (Kanal) sollte man immer vom Schlimmsten ausgehen, denn das Verhalten und der Umgang des Users kann auf jedem Kanal unterschiedlich sein.

Netiquette: Grundlagen und Richtlinien sind nötig, um in einem Streitfall eingreifen zu können. Ohne Regeln besteht die Gefahr der Eigendynamik.

Ein weiteres Thema ist die Enthemmung im Netz: Durch die digitale Kommunikation kann eine Ent-Emotionalisierung stattfinden. Face-to-face sendet man zusätzlich zur reinen Botschaft auch noch nonverbale und paraverbale Signale. Online fehlen diese Signale, auch Hierarchien sind weniger wahrnehmbar.

Themenblock 4: Technologie-Hypes und digitale GräbenTech-Hypes

Hype/Antihype: Grundsätzlich wird jedes neue Medium von Euphorie und kritischen Stimmen begleitet. Wichtig zu beachten ist immer: Nicht alle Menschen auf der Welt haben dieselben Möglichkeiten (Geografie, Alter, Geschlecht, soziale Milieus/Migrationshintergrund/Einkommen, Bildungsstand, Technikaffinität, Interessen an Inhalten, Menschen mit Behinderungen (“Barrierefreiheit”)). Der digitale Graben beschreibt Unterschiede im Zugang und in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere beim Internet. Bereits heute findet die Mehrheit ein Leben ohne Internet undenkbar (überragende Bedeutung für junge Menschen).

Zentral ist: Die Frage nach der Kernbotschaft und der Zielgruppe sollte immer vor der Kanalauswahl beantwortet werden.

Themenblock 5: Permanente Erreichbarkeit und Selbstmanagement

Bei einer Umfrage haben 42 % angegeben, dass sie bereit wären, ihren Geruchssinn für das Internet aufzugeben. Eine etwas beängstigende Zahl.

Leider sind die Auswirkungen des Mobile Booms und des Always-On nicht nur positiv. Die negativen Auswirkungen (bspw. Burn-out durch permanente Erreichbarkeit, Schlafstörungen, Onlinesucht) dürfen nicht unterschätzt werden.

Einige Tipps zum Umgang mit dem ständigen Online-Zugang:

  • Nein sagen lernen
  • Konsequenten E-Mail-Urlaub machen
  • Stop Phubbing! Phubbing ist zusammengesetzt aus phone (Handy) und snub (verächtlich behandeln) und bezeichnet die unhöfliche Angewohnheit, sich mit dem Handy zu beschäftigen, während man die Menschen um sich herum vernachlässigt
  • Eine Uhr und einen Wecker kaufen

Und zum Schluss noch eine Buchempfehlung …Sleeping with your Smartphone

… by the way: Ich habe mich in diesem Fall gegen die
eBook-Version entschieden 😉