Aus dem CAS Digital Finance bloggt Roger Sutter:

Am  28.05.2016 am Vormittag stand das Thema “Banking on the go” mit dem Referenten Stephan Odermatt auf dem Plan. Pünktlich um 8.15 Uhr waren alle bereit und erlebten die erste Überraschung: Stephan Odermatt, ein Berner, spricht schneller als die meisten Zürcher – ungewöhnlich! Die Informationen sprudeln aus Stephan, welcher das E-Banking Innovation Team bei der UBS leitet, nur so heraus und man spürt seine Leidenschaft und sein Engagement für das Thema.

Geschichte

Als erstes durften wir eintauchen in die Anfänge des eBankings und Mobile Bankings. 1985 lancierte die UBS das erste “eBanking” via Teletext und 1998 das erste Internet eBanking. Das erste Mobile Banking der UBS, noch auf Basis von WAP, erblickte im 2001 das Licht der Welt. Die aktuellsten Schöpfungen aus dem Team der UBS sind die Online-Kontoeröffnung und UBS Paymit.

Bild_Videotext

Ist es diesmal anders?

Betrachtet man die Entwicklungsschritte auf der Zeitachse, fällt auf, dass es vor der “.com-Bubble” und seit 2011 mit dem Aufbau der FinTech-Branche eine Massierung von Produktlancierungen gibt.

Bild_Evolution

Stellt sich die Frage, ob es wieder eine Bubble ist, die platzen wird, oder ob es diesmal wirklich anders wird. Vieles spricht dafür, dass diesmal wirklich einiges verändert wird, auch wenn es vielleicht einige FinTech-Firmen in nicht allzu langer Zeit nicht mehr geben wird. Konkret spricht dafür:

  • Die Kundinnen und Kunden sind bereit: Über 80 % der Schweizer Bevölkerung nutzen mehrmals pro Woche das Internet
  • Das Smartphone ist das wichtigste Device geworden
  • Die Etablierung von Mobile Banking geht sehr viel schneller als die Verbreitung von eBanking gedauert hat
  • Im internationalen Umfeld etablieren sich “Challenger Banks”, die auf einfache Angebote und “Mobile First” setzen
  • Wie erwartet nutzen die heute jungen Personen sehr viel mehr Mobile Banking
  • Die Schweiz hinkt im internationalen Umfeld hinterher, deshalb spürt man hier noch nicht so viel

Nicht ob, sondern wann?

Die Frage ist also nicht ob, sondern wann Mobile Banking dominieren wird. Mit dieser Erkenntnis stiegen wir in eine Gruppenarbeit ein. Die Gruppe A suchte nach Argumenten, warum eine Mobile First Challenger Bank gerade jetzt in den Schweizer Markt einsteigen sollte (trotz des in vielerlei Hinsicht herausfordernden Marktumfelds). Die Gruppe B fragte sich, wie sich eine Multikanal-Bank auf einen solchen Einstieg vorbereiten könnte.

Findings Gruppe A

  • First Mover Lock-in
  • Online-Kontoeröffnung ist da
  • Mobile Penetration vorhanden
  • Zinsen werden wieder drehen

Findings Gruppe B

  • Jetzt schon attraktive Mobile-First-Produkte anbieten
  • Effizienter werden (Kosten optimieren)
  • Produkte vereinfachen
  • Agiler werden

Eine wichtige Erkenntnis aus der Gruppe B war, dass all die Dinge, die eine Bank als Vorbereitung auf den Markteintritt der Challenger tun sollte, sie sowieso jetzt schon tun sollte.

Simplicity

Das zweite Thema an diesem Vormittag war Simplicity. Wir haben von Stephan einen Einblick erhalten, was es heisst, Dinge einfach zu gestalten und wie wichtig dass dies ist. Einige Erkenntnisse aus diesem Unterrichtsteil:

  • Schwieriger als zu entscheiden, welche Funktionen wir anbieten wollen, ist, zu entscheiden, welche wir NICHT anbieten wollen
  • Mobile First Design (zuerst den Mobile Screen zeichnen) hilft, Dinge zu vereinfachen
  • Einfachheit ist nicht nur eine Frage des Designs, sondern auch der Funktionen, Texte, Fehlermeldungen usw.
  • Die Einfachheit einer Applikation ergibt sich aus der Summe von vielen kleinen Optimierungen
  • Für Simplicity hat man Talent oder nicht, erlernen ist schwierig
  • Bei den Besten lernen ist sehr wertvoll (z.B. Google, Apple, Facebook usw.)

Und hier 10 wichtige Regeln diesbezüglich (Quelle: UX Magazine):

Bild_Simplicity

Kooperationen

Das Thema Kooperationen kam leider aus Zeitgründen etwas zu kurz. Die wichtigste Erkenntnis hierbei lautet aus meiner Sicht: API-basierte Kooperationen. Heisst soviel wie Software so zu bauen, dass sie über definierte Schnittstellen in andere Software eingebaut werden kann. Damit kann man Software-Schichten trennen und auch einfach Software von Kooperationspartnern in die eigene einbauen, resp. über die API-Schnittstelle im Hintergrund abrufen.

Fazit

Alles in allem ein Hammer Morgen. Es hat sich definitiv gelohnt, an diesem Samstagmorgen früh aufzustehen. Besten Dank an Stephan Odermatt für die vielen interessanten Informationen und Insights. Es macht Spass, jemanden zuzuhören, bei dem man das innere Feuer für das Thema spürt!