Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Als Bill Gates in einem seiner Bücher vor Jahren vorhersagte, dass CDs und DVDs bald nicht mehr gefragt sein würden, weil Musik und Filme in Zukunft gestreamt werden könnten, haben ihn viele Kritiker ausgelacht. Doch der Trend zum Benutzen ohne zu besitzen hat sich bei digitalen Medien längst durchgesetzt. Nun hält er auch bei alltäglichen Produkten Einzug.

Auch grosse Händler, wie Media Markt und Otto bieten seit kurzem die Möglichkeit, elektrische und elektronische Produkte zu mieten, statt zu kaufen. Websites wie Gearflix bieten dasselbe für eine ganze Reihe von verschiedenen Produkten. Beim Kauf wird dann ein grosser Teil der bereits bezahlten Mietgebühren angerechnet.
Wie eine Untersuchung von  IFH Köln und KPMG jetzt zeigt, wird dieses Modell von den meisten Konsumenten positiv beurteilt; 17 Prozent haben schon einmal mitgemacht. Besonders beliebt sind solche Modelle bei Fahrzeugen, aber auch bei Heimwerker- und Gartenartikeln. Das Interesse an einem grösseren Angebot ist hoch: Branchenübergreifend wünschen sich zwei Drittel der Nutzer und mehr als jeder zweite Interessierte, dass Unternehmen zukünftig mehr Produkte zum Mieten anbieten.
Preislich sind allerdings viele Mietangebote nicht unbedingt vorteilhaft, wie die “Welt“ herausgefunden hat:

“Nur in bestimmten Fällen könnten solche Angebote für Konsumenten vorteilhaft sein, meinen Verbraucherschützer. ‘Wenn ich ein Gerät ausprobieren oder eine begrenzte Zeit überbrücken will, kann die Miete sinnvoll sein‘, sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale NRW. Das Modell ist aber nicht geeignet, um ein ganzes Technik-Leben darauf zu bauen. So ist die Miete im Dauergebrauch teurer. Bei Media Markt wäre der Neupreis bei vielen Beispielen schon nach rund zehn Monaten Nutzung bezahlt, bei Otto Now sind Käufer gegenüber Mietern oft spätestens nach zwei bis drei Jahren rechnerisch im Plus.“

Mit anderen Worten: Wer zu lange mietet, legt drauf. Trotzdem ist abzusehen, dass diese Mietangebote Erfolg haben werden. Unter anderem deshalb, weil es damit möglich wird, Anschaffungen zu tätigen, ohne den Kaufpreis dafür sofort bezahlen zu müssen.  Ausserdem haben auch die Händler einen guten und richtig teuren Grund, das Mietmodell einzuführen, wie mdr.de berichtet:

“Wer online eine Ware bestellt, hat ein 14-tägiges Rückgaberecht. Wer davon Gebrauch macht, muss keine Gründe angeben. Schließlich besteht nicht die Möglichkeit, das Produkt beim Kauf physisch zu begutachten. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen auf die Idee kommen, sich Produkte zu bestellen, die sie wieder zurückgeben. Das kann die die teure Go-Pro für den einmaligen Fallschirmsprung oder der XXL-Fernseher für das Endspiel der Fußball-WM sein. Dieses Phänomen verursacht schon seit Jahren erhebliche Schäden. […]
Es ist eine Form des Online-Betrugs, der sich aber nur schwer nachweisen lässt. Fakt ist, im Moment gibt es allein in Deutschland unter Hinweis auf das Widerrufsrecht jedes Jahr rund mehrere Millionen Retouren. Ein enormer Schaden für die Händler. Daher die Idee: Wenn wenigstens ein Teil der Geräte offiziell auf Zeit genutzt, also gemietet werden kann, dann lässt sich ihr Defizit verringern. Außerdem sollen Kunden durch die Mietoption einfach leichter an neue Geräte und einen schnelleren Wechsel gewöhnt werden…“