Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management schreibt Karin Ayar:

Fakt – auf alle Fälle laut Prof. Kruse –  ist, dass sich die Kommunikation mit den sozialen Medien stark verändert hat. Die einstige Macht des Anbieters hat sich zum Nachfrager hin verschoben und deren Spontanaktivität hochgejagt. Kunden und Mitarbeitende werden immer stärker, können ihre Meinungen fast völlig ungefiltert jedem und jeder Zeit zur Verfügung stellen. Ihre Interventionen sind unvorhersehbar. Mit diesem (teilweisen) Kontrollverlust müssen die Unternehmen umzugehen lernen.

Unternehmen müssen sich öffnen, Teil dieser gesellschaftlichen Dynamik werden, sich dem Dialog stellen, ein Podium für Gespräche schaffen, anstatt wie früher einfach Botschaften in eine Richtung abzusetzen und daran festzuhalten. Im und mit dem Netz kommunizieren und nicht dagegen, lautet heute die einzig erfolgreiche Geisteshaltung.

Was auch Social Media nicht verändert hat, ist der ewige Kampf um die Aufmerksamkeit. Trotz Facebook und Co. werden die wenigsten Unternehmen von ihr überrannt. Auch in Zeiten der digitalen Mitsprache sind die offensichtlich Aktiven eine Minderheit geblieben. Die grosse Mehrheit stellen wie bisher die Zuschauer und –hörer. Und was in den Köpfen dieser Schweiger vor sich geht, weiss auch noch immer keiner!

Mobiltelefon mit Social Media Apps

Die grosse Herausforderung für die heutige PR liegt im Auffinden ihrer Zielgruppen in der nun noch weiteren Medienwelt.  Mit den bisherigen klassischen sowie den neuen Medienkanälen und ihrer fast grenzenloser Menü-Auswahl wird der Kunde noch schwieriger auffindbar, der Blattschuss noch anspruchsvoller. Das Informations- und Kommunikationsverhalten steht jedem frei, geschieht intuitiv und ganz nach – auch wechselndem! – Gusto. Das macht es für Unternehmen schwierig, herauszufinden, wer denn „da draussen gerade wo angesprochen werden soll und wie er das dann noch am liebsten hätte“. Es gilt, einen crossemedialen Online- und Offline-Mix aller Medien mit möglichst verschiedenen Berührungspunkten zu schaffen. Der Inhalt dazu muss nicht gänzlich selber produziert werden – eine gute ausgewogene Mischung zwischen Eigenwerk und Verweisen auf Bestehendes – kann gesammelt und (ehrlich mit Quellenangaben versehen) – verteilt werden.

Die Zeiten, in der mit einer Zeitungspräsenz schon alles gewonnen war, sind passé. Heute passiert Wichtiges und Gewichtiges bereits im vormedialen Raum. Was hier Resonanz erzeugt, hat das Zeug zum Publikumsliebling. Diesen frühzeitig zu erkennen und richtig zu bespielen, ist erfolgsrelevant!

Kommunizieren tut niemand zum Selbstzweck – jeder verfolgt eine Absicht. Doch aufgepasst: Die sozialen Medien sind keine Verkaufsplattform d.h. hier sollten Verkaufsaspekte nicht in den Vordergrund gestellt, sondern der Kunde mit Runduminformationen, einer Vielfalt von unternehmerischen Nebenleistungen und Qualitäten versorgt werden. Geradezu ideal eignen sich die Social Media Kanäle, um nebst dem ‚Filetstück’ auch der ‚Rest des Schweins’ auf dem Informationsteller zu servieren, d.h. dass ‚Nebensächliches doch durchaus Interessantes’ genutzt und nicht verschwendet werden sprich unerwähnt bleiben. Also Fokus weg  vom reinen Produktthema, Blende öffnen und mit teilbaren Inhalten rein in die Vernetzung.

Viel Arbeit ist auch für eine erfolgreiche Landung in der – nur offensichtlich locker und nebenbei handzuhabenden – Social Media Welt vorgängig zu leisten. Der Weg führt über die Weichenstellung in der GL, die Schaffung funktionierender (auch personeller) Strukturen und eine realistische Ressourcenplanung, bevor passender Inhalt kreiert und publiziert werden kann. Wer was wissen und wie er es wahrnehmen soll, sind zentrale Gedanken, die es nach wie vor zu aller Anfang anzustellen gilt. Nach der Landung setzt das Monitoring ein, um zu wissen, wer alsdann wo und wie über das Unternehmen spricht. Denn was der Empfänger mit den News macht ist relevant, nicht steuerbar, jedoch auf diese Weise – wenigstens zum Teil-  wahrnehmbar.