Aus dem Unterricht des CAS Digital Real Estate mit Ivo Lenherr berichtet Pascal Bucher

Wir waren zu Gast bei der fsp Architekten AG in Spreitenbach und erhielten einen spannenden Einblick in die praktische Anwendung von BIM (Building Information Modeling).

Was ist ein BIM-Modell?

Einige sagen, dass Building Information Modeling lediglich ein virtuelles 3D-Modell eines Gebäudes, andere, dass BIM eine Denkhaltung sei.

Auf den ersten Blick ist ein BIM-Modell nur ein virtueller Gebäudezwilling, mit welchem jedoch verschiedene Szenarien simuliert werden können. Sei es die Simulation vom Energieverbrauch des Gebäudes, die Visualisierung der Lichtverhältnissen in einzelnen Räumen oder die Kontrolle der Ausführungspläne, welche von Planern eingespielt werden.

Durch diese Möglichkeiten wird die Kommunikation und die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Teilnehmern bei der Planung und Realisierung von Immobilien vereinfacht. Mit diesem Modell entsteht absolute Transparenz gegenüber allen Teilnehmern und die Planunterlagen sind jederzeit aktuell auf dem Muttermodell zusammengeführt. Dadurch können und sollen Missverständnisse oder Doppelspurigkeiten verhindert werden.

Aktuell gibt es im Lebenszyklus einer Immobilie von der Vorstudie bis zur Bewirtschaftung auch viele Prozessbrüche. Verschiedene Akteure arbeiten ungenügend zusammen und haben zum Teil auch einen unterschiedlichen Digitalisierungsgrad. Mit BIM sollen diese Brüche eliminiert und die Zusammenarbeit wieder in den Fokus gelegt werden.

BIM kann also weit mehr als nur ein virtueller Gebäudezwilling sein, wenn man sich die Möglichkeiten bewusst ist und sein Denken an diese anpasst.

BIM ist also nicht gleich BIM

Wie bereits erwähnt, kann BIM verschieden interpretiert werden. Doch auch bei der Erstellung des 3D-Modells gibt es zwei Möglichkeiten:

Closed BIM

In diesem Fall arbeiten alle Teilnehmer auf dem einem Modell (Cloud-basiert). Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sämtliche Teilnehmer die gleiche Software einsetzen. Da dies eher umständlich ist, werden zurzeit nur ca. 20 % der Projekte weltweit mit einem Closed BIM geplant und umgesetzt.

Open BIM

Die Zukunft liegt beim Open BIM, bei dem anfangs der Datenaustausch festgelegt wird und anschliessend sämtliche Planunterlagen in einem Muttermodell zusammengeführt werden können. Beim Muttermodell hat immer jemand den Lead um die angelieferten Pläne vorgängig zu prüfen und anschliessend zu aktualisieren. Das Open BIM wird heute bei ca. 80 % der weltweiten Projekten eingesetzt und wird sich nach und nach als künftiger Standard durchsetzen.

Vereinfachung durch vordefinierte Regeln

Ein sehr grosser Vorteil dieses Modells sind jedoch die Möglichkeiten, welche durch vordefinierte Regeln (SIA, BKP, eBKP etc.) hinterlegt werden können. Dadurch können diese automatisiert überprüft und Fehler aufgezeigt werden. Die manuelle Kontrolle sämtlicher Pläne entfällt und ist zudem exakter.

BIM Modell Checker

Der Fehler wird visuell aufgezeigt. Hier überschneidet sich eine Stütze mit einer Wand und muss vor der Ausführung angepasst werden.

Weitere Vorteile durch eBKP (elementorientierter Baukostenplan)

Der eBKP gibt eine Gliederung der Kosten nach Bauteilen vor. Dadurch ist es möglich, die Kosten präzise zu erfassen, zu bearbeiten und auszuwerten. Dies schafft einerseits eine hohe Transparenz bei den Kosten und andererseits eine Planungssicherheit. Bei der Auftragserteilung kann somit ein höherer Fokus auf die Qualität und die Sicherstellung der Termine durch den Unternehmer gelegt werden, da die Kosten bereits klar sind.

Ferner besteht dadurch auch die Möglichkeit, Bestellungen oder Anfragen direkt aus dem BIM an die Unternehmer zuzustellen, welche sämtliche notwendigen Informationen über die geforderten Bauteile elektronisch erhalten und somit exakt planen und rechnen können. Das manuelle Auslesen dieser Daten entfällt, sodass eine weitere Fehlerquelle beseitigt wird.

Die Masse sowie die Anzahl des benötigten Bauteils werden unter Auswertungen automatisch aufgeführt.

Fazit

Der Besuch bei der fsp Architekten AG gab einen sehr eindrücklichen Einblick in die Welt des Building Information Modeling. Die daraus entstandenen Möglichkeiten sowie die Verbesserung der Qualität und Transparenz eines Gebäudes sind offensichtlich. Auch wenn die Branche rund um Immobilien eher konservativ eingestellt ist wird sich BIM von der Idee, über die Realisierung bis zur Bewirtschaftung nach und nach durchsetzen und sich zum Standard entwickeln.