Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance zum Thema «Digital Leadership» mit Manuel Nappo berichtet Andrea Seiler:

Manuel Nappo hat uns in der verfügbaren Zeit wertvolle Informationen und anschauliche Beispiele zu den vier Themenbereichen „Exponential Technologies“, „Connected Humans“, „Transforming Business“ und „Digital Leadership“ vermittelt. Wir haben die Aspekte Technologie und Mensch beleuchtet und diverse Fragestellungen diskutiert, wie bspw. wieso verändern sich Geschäftsmodelle oder wie stellt man sich auf in der Digitalisierung ein und wie prägt man mit? Meine wichtigste Erkenntnis daraus:

„Digital Leadership is not destination, but a way of living/working.“

Exponential Technologies

Die Realität der Digitalisierung sieht so aus:

Wenn heute der Eindruck entsteht, dass „man nur noch und dauernd am Handy hängt“ liegt das auch daran, dass das Smartphone viele Funktionen vereint, für die man früher separate Geräte brauchte. Somit befindet sich heute vieles auf einem Gerät – was sehr wertvoll, aber gleichzeitig auch gefährlich sein kann. Entsprechend ist es wichtig, kritisch zu sein/bleiben.

Die Welt war bisher lokal, analog, linear. Künftig gilt aber: Global, connected, exponentiell. Wörter, deren Bedeutung wir zwar verstehen, deren Ausmass jedoch schwer oder teils nicht vorstellbar sind. Linear entsprechen 30 Schritte in etwa 30 Metern – problemlos vorstellbar. 30 exponentielle Schritte entsprechen jedoch einer Strecke von 25x um die Welt. Wer kann sich das vorstellen? Ich nicht.

Wenn wir entsprechend wissen, dass sich die Technologie exponentiell entwickelt, die Menschen und auch Anderes jedoch nach wie vor linear, so wird nachvollziehbar, weshalb sich die Transformation so schwierig gestaltet.

Oder Moore’s Law am Beispiel der Kostenentwicklung für die DNA Entschlüsselung anders dargestellt:

Die Entwicklung ist nicht aufhaltbar. Daher ist kritisches Hinterfragen wichtig und die Einstellung dazu massgebend. Wie gehe ich damit um? Was kann ich (mit)gestalten und wo/wie kann ich Einfluss nehmen sind wichtige Fragestellungen in diesem Kontext.

Connected Humans

Menschen wollen connected sein! Egal, ob analog oder digital. Die zwei massgeblichen Treiber sind mobile & social (wir werden getrieben und treiben gleichzeitig). Dabei entsteht eine Abhängigkeit und zwar nicht vom Device, sondern von den Informationen, die darin enthalten sind (social connectivity).

Was die Informationsökonomie angeht, so war bei unseren Eltern das Thema „Informationsknappheit“ vorherrschend und entsprechend die Herausforderung „wie komme ich zu Infos?“. Wir heute leben im Informationsüberfluss und für uns stellt sich die Herausforderung „wie filtert man sie richtig“…

Und um was geht es bei Social Media (SM)? Um alles! Privates, Umgebung, Errungenschaften, Geschäft… und SM befriedigt unsere Bedürfnisse, denn „People don‘t share facts – they share emotions!“

Transforming Business

„The electric light did not come from the continuous improvement of candles” (Oren Harari)

Dieses Zitat bringt den Inhalt der Disruption auf den Punkt: Disruptive Business beinhaltet neue Technologien, für die Befriedigung eines bestehenden oder neuen Bedürfnisses.

Disruptive ist man also, weil entweder a) etwas komplett Neues (Market Disruption) gemacht wird oder b) für etwas Bestehendes eine bessere, einfachere, billigere Alternative erarbeitet wird (LowEndDisruptive, wie bspw. airbnb, uber). Tesla ist demnach per se nicht disruptive für die Autoindustrie, sondern mit ihren Solarpanels künftig für Strommarkt.

Eine für mich wichtige Erkenntnis aus dem Kurstag brachte folgende Grafik und Aussage bezüglich „Innovator’s Dilemma“ auf den Punkt:

Insbesondere, wenn man in einer Grossunternehmung tätig ist, ist einem dieses Dilemma nur allzu gut bekannt: Auf der einen Seite hemmt die über Jahrzehnte gewachsene, komplexe und dadurch träge IT-Infrastruktur oft einen schnellen Wandel und zudem wird oft viel zu lange an Bestehendem festgehalten (kleinere Margen lieber noch einkassieren so lange man kann) statt das eigene Geschäft zu kannibalisieren. Aber: Wenn nicht ich mein Geschäft kannibalisiere, dann tut es ein anderer (und überlässt mir nichts!).

Und wenn es um transforming business geht, nur kurz auch noch einen Exkurs zu den Zahlen der Mobile Users (1. Grafik: weltweit, 2. Grafik: Schweiz). Mit diesen Entwicklungszahlen wird klar, weshalb die Aufforderung „think mobile, mobile, mobile“ gerechtfertigt ist:

Digital Leadership

Hierzu gehören Fragestellungen, wie: Wie stellt man sich auf die Digitalisierung ein und wie prägt man mit?

Oder: Welchen Mindset braucht es für Digital Leadership, welcher Approach, welche Prozesse und Strukturen? Eine hilfreiche Denkweise hierfür ist: „geht nicht – gibt’s nicht!“

Management ist/war der richtige Approach für lineare Entwicklung – nicht aber für exponentielles Wachstum. Hierfür braucht es Digital Leadership.

Die schrittweise Entwicklung und stetige Weiterentwicklung mit verschiedenen MVP (minimum viable product), die jedes für sich schon einen Zweck erfüllen, ist im heutigen Umfeld ein effizientes Vorgehen.

Aber was brauchen wir weiter, um digital Leadership zu erhalten? Die grössten Barrieren sind Kultur (fehlende Fehlertoleranz hemmt Innovation), Ressourcen und Talents. Die IT-Organisation macht dabei nur einen verschwindend kleinen Anteil aus:

Kultur ist unser Betriebssystem. Gute Nachricht: Kultur kann geschaffen werden; durch gemeinsame Erlebnisse, Menschen, die man um sich schart, etc… Schlechte Nachricht: Es braucht einen Leader – den müssen wir sein! Weg vom Boss – hin zum (Digital) Leader; auf geht’s!

Es ist wichtig einen Weg zu finden, wie wir Digital Leaders sein können – und zwar mit solchen Fähigkeiten:

Ein Digital Leader findet einen Weg, wie er effizient zu Know-how kommen kann. Digital Leaders haben die Fähigkeit zu Fokussieren, sind offen und hungrig nach Wissen (neugierig oder eben gierig nach Neuem). Sie bilden Interessensgemeinschaften, sind anpassungsfähig und flexibel (nicht Fähnchen im Wind, sondern schauen, wo’s Opportunitäten gibt). Digital Leadership heisst auch in Szenarien denken: 10x mehr denken und nicht 10% mehr!

Fazit – Einstiegsrezept für Digital Leadership
  • Nicht Zuschauer sein – sondern Gestalter
  • Sucht nach Fragen (Questionstorming statt Brainstorming –> was wäre, wenn)
  • Teilt Wissen (Wissen ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt)
  • Collaboratives Umfeld schaffen (nothing is somebody else’s problem)
  • Ecosystem bauen -> Vernetzung
  • Die beste Verteidigung ist ein grossartiger Sturm (ohne Sturm – ohne Angriff gibt’s auch kein Tor)
  • Unterschätze dein Umfeld resp. neue/kleine Player nicht
  • Spass & Freude haben
  • Weniger/Kein “ja, aber” – mehr “ja, wieso nicht”
  • Und last but not least „be more Alfred“ (Alfred Escher – unser Elon Musk in der Schweiz – welcher die Schweizer Wirtschaftsentwicklung massgeblich mitgeprägt hat)

Die Diskussionen am Kurstag haben gezeigt, dass Digital Leadership derzeit überall ein grosses Thema ist. Daher ist es unrealistisch, diese Thematik innerhalb von nur einem Kurstag abschliessend bearbeiten zu wollen. Wer zu diesem Thema mehr erfahren möchte, kann dazu den Lehrgang CAS Digital Leadership im Rahmen des MAS Digital Business besuchen.