Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies berichtet Marc Berger:

Nicolas Perony, Data Scientist bei ‪Tamedia Digital und Research-Leiter bei ECUREX (digitaler Finanzmarktplatz, Schweiz) hat uns #Bitcoin näher gebracht.

Ich möchte vorwegnehmen: Die Thematik ist höchst komplex und ich vermute, nahezu alle von uns sind auch nach 3.5 Stunden noch nicht vollends bewandert damit. Selbst Nicolas hat, wir er sagt, einige Zeit benötigt, um Bitcoin zu verstehen. Mittlerweile beschäftigt er sich seit rund vier Jahren damit.

Aber was ist eigentlich Bitcoin?

Bitcoin ist digitales Geld. Die Bezeichnung setzt sich aus “Bit” (kleinste Computer-Speichereinheit) und dem englischen Wort für Münze, “Coin”, zusammen.

Bereits bei der vermeintlich einfachen Frage, was wir eigentlich unter Geld verstehen bzw. was die Eigenschaften davon sind, kamen wir zuerst leicht ins Grübeln. Wir haben es dann dennoch ziemlich gut auf den Punkt gebracht.

Die Entstehung des Geldes

Das Geld hat eine sehr lange Geschichte und wer etwas länger Zeit hat, sollte sich folgenden Film dazu ansehen.

Die Entwicklung des Geldes ist in vier Epochen aufgeteilt.

1. Epoche: ca. 6‘000 vor Christus

Verwendung von physischen Gegenständen wie z.B. Federn als Tauschsystem oder einfach Waren gegen Waren.

2. Epoche: ca 3’000 – 2’000 vor Christus

Das erste wirkliche Geld bestand aus gepresstem wertvollem Metall.

3. Epoche: um 800 nach Christus

Zu dieser Zeit entstanden in China, woher auch zuerst das Papier kam, die ersten Formen von Papiergeld.

Papiergeld

4. Epoche: 1920 -1930

Entstehung des heute bekannten Noten- und Buchgeldes.

5. Epoche: Bitcoins?

Nun stellt sich natürlich die Frage: Stehen wir durch digitale Währungen wie Bitcoins am Anfang der 5. Epoche? Die Antwort lässt noch auf sich warten.

Die Entstehung von Bitcoin

Bitcoin wurde von Satoshi Nakamoto im Jahre 2009 erfunden.

Satoshi Nakamoto

Satoshi Nakamoto

Wie es das Bild oben bereits hervorhebt: Niemand weiss, wer Satoshi Nakamoto überhaupt ist oder ob er wirklich existiert. Höchstwahrscheinlich werden wir nie erfahren, wer wirklich hinter Bitcoin steckt.

Was zudem speziell ist: Bitcoins sind auf 21 Mio. beschränkt. Aktuell sind nahezu 15 Mio. Bitcoins im Umlauf.

Entwicklung Bitcoin-Volumen bis 2033

Total_bitcoins_over_time_graph

Wie kommt man zu Bitcoins?

Es gibt folgende vier Möglichkeiten, um Bitcoins zu erwerben:

  1. Zahlungsmittel, Dienstleistungen oder Waren gegen Bitcoins
  2. Kauf von Bitcoins bei einer Bitcoin-Börse
  3. Tauschen von Bitcoins mit einem Bitcoin-Inhaber
  4. Erwerb von Bitcoins durch “Mining”

Bitcoin-Transaktion

Eine Transaktion erfolgt von einer Bitcoin-Adresse zur anderen, z.B. von der Adresse A zu der Adresse Z. Dazu braucht man den Beweis, dass man die Bitcoins aus einer vorherigen Transaktion erhalten hat. Dieser Vorgang wird innerhalb der Blockchain durch weitere Teilnehmende vorgenommen, die die Transaktionen dadurch legitimieren.

Diese Übereinkunft der Transaktion wird innerhalb von 10 Minuten durchgeführt, egal, ob die Transaktion ins In- oder Ausland transferiert wird. Dies ist natürlich ein enormer Vorteil gegenüber einer konventionellen Zahlungstransaktion, wie wir sie zwischen Banken kennen.

Bitcoin Transaktion

Kryptowährung

Neben der Bezeichnung der “digitalen Währung” für Bitcoin ist auch der Begriff “Kryptowährung” gegenwärtig. Das Wort Kryptografie kommt aus dem Altgriechischen und heisst so viel wie geheim oder im Verborgenen.

Die vorgängig beschriebene Transaktion basiert somit auf digitalen Signaturen (public-key cryptography). Dabei werden zwei Regeln berücksichtigt:

  1. Nur dem Sender (A) ist es erlaubt, die Nachricht zu senden
  2. Nur der Empfänger (Z) kann die Nachricht mit dem privaten Schlüssel entschlüsseln

Bitcoin_Key

Blockchain

Die Blockchain ist das Buch für sämtliche Bitcoin-Transaktionen. Jede Transaktion ist in einem Block gruppiert und verweist auf die vorgängige Transaktion. Die Kennzeichnung erfolgt mit einer eindeutigen Hash-Funktion #. Durchschnittlich werden die Blocks alle 10 Minuten “mined.”

Blockchain

Mining

Bitcoin.org beschreibt das “Mining” wie folgt:

Mining ist ein Prozess, bei dem Rechenleistung zur Verfügung gestellt wird, um Transaktionen zu verarbeiten, das Netzwerk zu sichern und jeden im System miteinander synchron zu halten. Man kann es als das Bitcoin-Rechenzentrum betrachten, mit der Abweichung, dass es so entwickelt wurde, dass es komplett dezentralisiert ist, mit Minern in allen möglichen Ländern, und keine Einzelperson Kontrolle über das Netzwerk hat.

Mining

Nicolas Perony sagt, dass Mining ein laufendes Spiel ist und man mit seiner Rechnerleistung nicht schnell genug sein kann. Diese verursacht dann aber sehr hohe Elektrizitätskosten und ist für private Personen nicht mehr realisierbar und tragbar.

In der Startphase reichte die Rechnerleistung einer einfachen CPU (Computer-Prozessor). Mittlerweile werden ASCI (Application-Specific Integrated Circuit) eingesetzt, welche im Gegensatz zur CPU (verschiedene Aufgaben) spezifische Rechnervorgänge vornehmen.IMG_2357

Nicolas Perony hat uns eine ASCI mitgebracht (siehe Bild oben) und hat uns sogleich noch erklärt, wie das Mining funktioniert.

Bitcoins via Smartphone

Um einfach an Bitcoins zu kommen, kann man auch eine App via AppStore downloaden. Wir haben unsere Bitcoins ganz einfach via QR-Code von Nicolas transferiert erhalten – und dies in wenigen Sekunden.

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Bitcoins beziehen oder als Zahlungsmittel verwenden

An ein paar Orten in der Schweiz kann man auch physisch an einem ATM (Bancomaten) Bitcoins beziehen oder via App in Restaurants bezahlen. Nachfolgend einige Standorte, welche einfach in der entsprechenden App zu finden sind.

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Bitcoin Bancomaten

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Bitcoins in Restaurants

Fazit

Wie Nicolas Perony so schön gesagt hat, ist Bitcoin eine sehr interessante, aber auch komplexe Art, Geldtransaktionen auf einer digitalen Art und Weise zu vollziehen.

Bitcoin wird wahrscheinlich nie wirklich Mainstream, aber die Technologie “Blockchain”, die dahinter steckt, hat enormes Potential und bereits viele Unternehmen und sogar Finanzdienstleistungs-Unternehmen (insbesondere Banken) beschäftigen sich mit der Thematik und wollen den Zug nicht verpassen. Die zentrale Frage ist, was für Geschäftsfälle inskünftig auf Basis einer Blockchain dezentralisiert überwacht werden können.

Links:

bitcoin.it

bitcoin.org

ecurex.com

coindesk.com