Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Philipp Skrabal berichtet Roger Kriz.

Skrabal eröffnet sein Referat mit den Worten „das Ende des Fernsehens – Schuld ist die Jugend“. In seiner lockeren Art führt er uns in alte Zeiten von den Höhlenbewohner zu den Influencer und zeigt eines deutlich auf: Die Audience gibt es auf verschiedenen Kanälen.

Die Jugend wendet sich dem Internet zu, vor allem des Bewegtbildes wegen. Insbesondere die Influencer und Bloggers wie zum Beispiel Bianca Heinicke (alias Bibis Beauty Place), die über 4,4 Mio Followers zählt.

Dies verstärkt den Bedeutungsverlustes des Medium Fernsehens vor allem des klassischen TV’s.

Wenn früher eine namhafte Agentur 50 TV-Spots produzierte und zwingend in Cannes nominiert werden wollte – wie Skrabal ausführte -, so fehlt heute oft das Budget und die Motivation der Auftraggeber.

Obwohl das TV rückläufig ist gibt es Sendegefässe wie „die Höhle des Löwens“ die mit Ihrer Idee der Bewertungen von Geschäftsideen hohe Einschaltquoten erreicht. Und nicht nur das! Sondern es zeigt auch exemplarisch die Verschmelzung von TV und Internet. Verdeutlicht wird das an der vorgestellten Geschäftsidee „Dirndl“: Während der Sendung sind auch die Internetzugriffe (336’000 Besucher) zu Ihrem Webshop Limberry gestiegen.

Doch was bedeutet Broadcast im engeren Sinn:

BC ist die Distribution von Audio und/oder Video-Content zur einer Zuschauerschaft mit einem elektronischen Massenmedium spezifisch ein Radiowellengerät nach dem Modell „one to many“.

Game Changer Internet:

Ist der Bedeutungsverlust des Fernsehens auch der Tod von Broadcast?

Es gibt 3 entscheidende Qualitätsvorteile von Broadcast wie diese Grafik zeigt:

Reichweite (breit und zeitgleich)/ Emotion (Ton und Bild) & das Gruppenerlebnis (Herdentier Mensch)

Broadcast kann dadurch einen schnellen Bekanntheitsgrad erreichen (zeitlicher Aspekt), es signalisiert hohe Relevanz (thematisch, geografisch). Zudem ermöglicht es kollektive Erlebnisse (sozialer Aspekt) und es spielt mit dramaturgischer Vielfalt, dem viel beachteten Storytelling (emotionaler Aspekt).

Vieles davon war schon früher wichtig und bleibt es auch: Geschichten erzählen, sei es am Lagerfeuer bei den Höhlenbewohner (1.8 Mio. Jahre v. Chr.) oder mit den ersten Druck-Exemplaren (Buchdruck, 1450) oder bei den ersten technischen Versuchen im Hörfunk (ab 1906) und später im Fernsehen .

Im Jahre 1991 kam dann das Internet. Danach die Plattformen Facebook (2004), Youtube (2005), und das Smartphone (Iphone 2007)

Das Fazit: Broadcast befriedigt diese menschliche Bedürfnisse (Abwechslung, Stimulation, Autonomie) und das Internet ist der perfekte Kanal dafür.

Don’t think TV, sondern think ONE to MANY.

 

So leitet Skraba folgende neue Definitionsformel von BC ab:

BC heisst viele Abonnenten, Zuschauer und Zuhörer nutzen in Echtzeit oder innerhalb eines kurzen Zeitraumes dasselbe Programm oder denselben Inhalt.

Wo passiert Broadcast? Hier auf einen Blick:

 

Mit der Erhöhung der möglichen Kanäle wird auch die Auswahl schwieriger:

  • Wo finde ich meine Zielgruppe?
  • Was sind die kanal-/formatspezifischen Spielregeln?
  • Wie erreiche ich die Reichweite (hoher Relevanz), in welchem geografischen Raum (örtliche Relevanz) und bei welcher Interessensgruppe (thematische Relevanz)?

Hier spielen auch die Influencer (Beeinflusser) mit Ihrer Community eine grosse Rolle = die neuen Broadcaster.

Skrabal verdeutlicht dies an folgenden Beispielen:

Nike – Make it count

Der Influencer Casey Neistat (und Max Joseph) zeigen in diesem Video für Nike (4:38 Min.) seine „Crazyness“ und seine Philosophie. Sie reisten in 10 Tagen einmal um die Welt. Das Video hat beeindruckende 25’000’000 Views!

Die Top 3 Influencer auf Instagram:

  • „xenia“ mit 1 Mio. Follower
  • „wartek“ mit 778’000 Follower
  • „anjazeidler“ mit 275’000 Follower

Aber thematisch muss der Fit stimmen zwischen der Audience des Influencer und der Zielgruppe – thematischer Overlap resp. der Relevanz.

Die Spielregeln sind:

  • exklusiver Inhalt
  • der perfekte Mix zu seinem Schaffen und seinen Stärken
  • Firmenkontrolle etwas abgeben
  • langfristige Beziehung aufbauen
  • Abgeltung nach Aufwand und Reach

IF you make THEM look good , your brand will look good!

 

 

BC live in Social Media – das spezielle Beispiel: Facebook Live:

„Melonen Explosion“ auf Facebook mit 800’000 LIVE-Zuschauer, während 45 Min. – im TV undenkbar. Heute über 11 Mio. Views.

TV to Social Media – Beispiel Swisslife – Webfilm

 Swisslife dreht vier dokumentarische Webfilme mit Begegnungen von jungen und alten Menschen unter dem Titel „Proberenter“. Die Webfilme werden im TV beworben.

Beispiel L’oréal – Lena Meyer-Landrut

Meyer-Landrut bewirbt im TV Ihre L’Oréal-Turtorial-Serie. Das Ende des Tutorials ist dann mit einer Website verlinkt.

Youtube als Content Channel – Beispiel Redbull:

Redbull hat 5.8 Mio. Abonnenten auf Youtube.

Social Media – Broadcast ohne Limit

Beispiel Sendung „Friends“ on Netflix: je nach Youtube-Suche werden passende Ads (the friendly Preroll-campaign) ausgeliefert.

Jedoch läuft nicht immer alles glatt wie das schlechte Beispiel Postfinance zeigt, wo die Youtube Werbung bei einem Neo-Nazi-Video landet.

Neue Möglichkeiten: Facebook Collection

Händler bekommen neu ein Tool, welches ein Video mit dem Produktkatalog des Shops verbindet.

Twitter als „Second Screen“ – Beispiel Tatort

Die Sendung „Tatort“: Tatort hat im TV eine Reichweite von 7 bis 13 Mio. Bei Twitter sind es durchschnittlich 1,3 Mio. Die Tweets pro Sendung sind durchschnittlich bei 390.

Brandet Entertainment – on TV

Beispiel Media Markt: Live Ereignis im TV (Werbung), sämtliche Kanäle künden das Live-Ereignis an. Hier eine Lottoziehung: Hasen mit Nummern versehen, laufen um die Wette. Die Siegernummer wird zu Glücksnummer beim Einkauf am nächsten Tag.

Stories für Youtube gehen im TV auch

Beispiel Cuche und die Mobiliar: Produktion eines YT-Films zum TV-Dreh. Cuche macht den Bus kaputt. Verbreitung auf dem Youtube-Kanal der Mobiliar.

Das Fazit daraus:

Youtube beeinflusst den Erfolg von TV positiv, wenn die Rezeptur stimmt (= authentischer Einbezug von Promis, guter Kontext)

Earned Media – Beispiel Region Freiburg

Die Kampagne „Fribourg – macht glücklich“ hat via Social Media 1 Mio. Menschen erreicht. 150’000 Video-Views in einem Tag.

Als zentrales Ereignis wurde die Poya-Brücke eingeweiht. Dieses wurde mit 5 verschiedenen Videos unterstützt (u.a. Arena Blocher – Calmy-Rey) mit dem Gedanken emotionale und inhaltliche Brücken zu bauen.

Broadcast in Games – Beispiel Minecraft

In einem einzigartigen Live-Tech-Event wird das Game „Minecraft“ promotet.

Und die Denkweise, die uns Skrabal in seinem Referat rüberbringt ist ganz einfach:

„Don’t think TV – think ONE to MANY“!