Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Für Schweizer Handynutzer ist Roaming immer noch ein Begriff, den sie auch bei Reisen in europäische Länder nicht vergessen dürfen – im Gegensatz zu den Handy-Nutzern im EU-Raum, da wurde Roaming ab 15. Juni endlich abgeschafft. Doch es gibt ja auch noch aussereuropäische Destinationen – und da wird mit Roaming immer noch viel Geld kassiert. Was zahlen denn Konsumenten, die ausserhalb von Europa ihr Smartphone nutzen?

In vielen beliebten Ferienländern ist Roaming immer noch extrem teuer. Das Konsumenten-Portal Verivox hat deshalb untersucht, wie teuer Roaming für Schweizer User im Vergleich mit Anwendern aus den Nachbarländern zu stehen kommt. Untersucht wurden die Roamingkosten für Schweizer, Deutsche, Franzosen, Italiener und Österreicher in Australien, Brasilien, Südafrika, Thailand und den USA. Die Kosten wurden anhand von zwei Profilen berechnet: Beide Profil-Konsumenten machen 14 Tage Ferien. Der Wenignutzer verwendet das Smartphone an vier Tagen, führt drei Gespräche nach Hause, wird dreimal angerufen und überträgt 100 MB Daten. Der Vielnutzer ruft zehnmal in der Heimat an und wird zehnmal angerufen. Ausserdem versurft er 500 MB.

Die gute Nachricht zuerst: Die Kunden der drei grossen Schweizer Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt können mit fairen Preisen kommunizieren, Alle drei Anbieter bieten preiswertes Roaming in den untersuchten Ferienländern an. Generell zeigen die Verivox-Berechnungen aber, dass es riesige Preisunterschiede gibt. Für einige Kunden aus unseren Nachbarländern ist Roaming in den ausgewählten beliebten Ferienländern schlicht unbezahlbar. Da gibt es dann nur drei Möglichkeiten: Smartphone ausschalten, Anbieter wechseln oder vor Ort eine Prepaid-Karte kaufen.
Ebenfalls auffallend ist, dass Roaming in den USA oft günstiger ist als in den anderen untersuchten Ländern. In den USA zahlt der Wenignutzer beim italienischen Anbieter Wind gerade mal 11 Franken. Salt verrechnet 18, Sunrise 24 und Swisscom 30 Franken. Es geht aber auch viel teurer: Der französische Anbieter Bouygues verlangt vom Kunden 345 Franken, der österreichische Anbieter Drei sogar 573 Franken.
Der Wenignutzer zahlt in den Ländern Australien, Brasilien, und Thailand beim italienischen Anbieter Wind mit 22 Franken am wenigsten. Für Südafrika ist der italienische Anbieter Tre mit 24 Franken am günstigsten. Die Schweizer Anbieter verrechnen in allen vier Feriendestinationen den gleichen Preis. Swisscom verlangt 30, Sunrise 55 und Salt 82 Franken.

Grosse Unterschiede gibt es auch beim Vielnutzer. In den USA zahlen die Kunden des günstigsten Anbieters Orange (Frankreich) nur 32 Franken für die Smartphone-Nutzung. Im Mittelfeld befinden sich die Schweizer Anbieter Salt mit 56 und Sunrise mit 57 Franken. Swisscom ist mit 75 Franken etwas teurer. Auch bei diesem Profil fällt der österreichische Anbieter Drei mit extrem hohen Preisen auf: 2’827 Franken muss der Kunde für die intensive Nutzung seiner Handys in den USA auslegen. Auch in Australien, Brasilien, Südafrika und Thailand erhält der Vielnutzer inzwischen bei vielen Anbietern Roaming zu bezahlbaren Preisen. Am günstigsten ist mit Ausnahme von Thailand der italienische Anbieter Tre mit 55 Franken. In Thailand sind Vodafone (Deutschland) und TIM (Italien) mit 66 Franken am günstigsten. Ebenfalls bezahlbar ist das Roaming für die Kunden der Schweizer Anbieter: Swisscom verlangt mit 75 Franken (Australien) und 90 Franken (Brasilien, Südafrika, Thailand) am wenigsten, Sunrise ist mit 148 Franken gut doppelt so teuer. Salt berechnet mit 299 Franken viermal so viel wie die Swisscom.
Kunden der französischen Anbieter Bouygues, Free und SFR sowie der österreichischen Anbieter Drei und T-Mobile hingegen lassen das Smartphone besser zu Hause. Der teuerste Anbieter T-Mobile kostet rund 8’600 Franken. Bei solchen Preisen werden die Kosten für Hotel und Flug zu Nebenkosten.

Ferien am Strand: Da kann Roaming immer noch sehr, sehr teuer werden.  Bild PfW