Nach Abschluss der ersten CAS Digital Masterclass an der HWZ mit Manuel Nappo & Patrick Comboeuf fasst Jürgen Reuter die Eindrücke & Ergebnisse zusammen.

TAG 1

CAS: Mit welchen Hoffnungen, Erwartungen & Zielen sind die Kursteilnehmer in dieses Pionier-Abenteuer gestartet ?

Sind wir Kursteilnehmer eher ‘auf dem Sprung’ in ein digitales Abenteuer (zielgerichtet)…

…oder doch eher auf der Suche nach der für uns besten Welle (opportunistisch) ?Man wird sehen…

Schon der allererste Tag hält für uns Überraschungen bereit:

Nebst der Ankündigung einer abzuliefernden Zertifikatsarbeit unter Einhaltung diverser administrativer Vorgaben wartet Patrick mit knackigen Thesen auf:

1: Digitalization in Switzerland – we ain’t seen nothing yet. 

2: Die Zukunft ist nicht aufzuhalten. 

3. Die grösste Bedrohung für etablierte Branchen kommt von ausserhalb.

4: Bis anhin gelebte Führungsmodelle haben ein (baldiges) Ablaufdatum. 

5: Etablierte Unternehmen aus allen Branchen müssen sich EINE schizophrene Frage stellen: Wie würden wir unser Unternehmen zerstören, wenn wir das denn wollten ? 

Hmm, manches haben wir bereits gehört, anderes wiederum ist für uns neu – Ist das die berühmte Spitze des berüchtigten Eisbergs…?

Unsicherheit kommt auf, aber – gemach – mit den folgenden Schritten erkennen wir Licht am Ende des Tunnels und bekommen unsere Unsicherheit in den Griff:

1. Konsequenter Kundenfokus 

2. Agile Organisation 

3. Geschäftsmodell-Orchestrierung 

4. Vom Silo zum Ecosystem 

5. Kultur als nur schwer kopierbare Innovationsquelle 

Aha, dies ist also DER Weg zur erfolgreichen Digitalisierung (…oder doch nur einer von vielen ?!)

Wie auch immer, das FAZIT des ersten Tages lautet:

Die Wirtschaft steht an einer Weggabelung: Entweder genügsam weiter auf „Innovationstheater“ machen und damit den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit in Kauf nehmen oder die Chance zu mehr Kundenrelevanz nutzen, die sich insbesondere mit einem digitalen Mindset bietet.

Der erste Tag klingt launig mit einem Apero beim HWZ-Partner Evernote aus.

TAG 2

Der zweite Tag der Digital Masterclass mit Dr. Stefan Michel steht ganz im Zeichen der Loslösung von bekannten Geschäftsmodellen und damit auch einhergebrachten Denkmustern: Von der Industrial Value Chain zur Value Cocreation Logic: Vier Kernkompetenzen ersetzen die klassischen 4 P’s des Marketings: Customer Insights, Cocreating Value, Communicating Value und Capturing Value. Value Cocreation Logic

Die vier Kernkompetenzen

Im Zentrum steht mit Customer Insights das Wissen darüber, was der Kunde möchte; Consumer Insights sind die Erkenntnisse über das menschliches Verhalten in Bezug auf Produkte oder Marken. Es geht um den Kontext der Produktnutzung: Wie geht der Kunde im Alltag damit um und was für Meinungen und Einstellungen hat er dazu; diese Insights sind der Nährboden für neue Produkte, Vertriebsmodelle usw.

Cocreating Value besagt, dass nicht nur eine Firma einen Wert herstellt, sondern dass der Kunde selber resp. andere Marktteilnehmer wie Lieferanten eine Value Constellation bilden. Norman und Ramirez (1) haben diesen Begriff bereits 1993 geprägt und dieser steht in Opposition zur klassischen industriellen Value Chain; so ist der „Value“ der Nutzen, der dem Kunden die Lösung eines im Alltag relevanten Problems auf unkomplizierte Weise ermöglicht. Die „Constellation“ steht dafür, dass nicht eine einzelne Firma den gewünschten Wert anbietet, sondern ein Netzwerk aus unterschiedlichen Playern.

Communication Value steht für die klassische Value Proposition: Wie erkläre ich dem Kunden seinen Nutzen (Owned + Paid Media) und bringe ihn dazu diesen Wert selber weiterzuempfehlen (Earned Media) ?

Nicht zuletzt kommt mit Capturing Value das Pricing ins Spiel: Wie motiviere ich Kunden für die geschaffene Value Constellation einen bestimmten Preis zu zahlen ?

Fazit

Nahezu alle Branchen erfordern ein Umdenken: In der digitalen Welt liegt der Wert nicht im erzeugten Produkt, sondern im erzeugten Nutzen, den der Kunde daraus zieht. Es sind deshalb neue Modelle notwendig, wie Unternehmen ihre Dienstleistungen monetisieren können. Alle Punkte der Value Constellation sind dabei auf intelligente Art und Weise so miteinander zu verknüpfen, dass an neuen Stellen Werte generiert werden. Gelingt es, ein Value-Based Pricing umzusetzen, so wird mit geschickter Segmentierung und Produktgestaltung die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft optimal abgeschöpft. Mit psychologischer Preisfestsetzung schlussendlich werden Deckungsbeitrag und Profit optimiert.

TAG 3

CAS: Go Social – or Go Home !

…lautet die Devise von Tag 3 – Erster Teil.

Social Media bietet den Menschen die Plattform sich mitzuteilen, Geschichten zu erzählen, Kontakte zu pflegen und Wissen auszutauschen – also ganz einfach im Gespräch zu bleiben.

Gründe für den Erfolg von Social Media: Social Media bietet zu (fast) allen menschlichen Bedürfnissen eine Plattform.

Das Smartphone wiederum hat Social Media zum Durchbruch verholfen, weil es die Möglichkeit bietet, in realtime, immer und überall (wenn online), sich mitzuteilen.

Fazit TAG 3 – Erster Teil

  • Alle Branchen werden von der digitalen Disruption erfasst
  • Ab 2020 bilden die Digital Natives eine Mehrheit in der Arbeitswelt
  • Erfolg haben werden nicht die Intelligenten und die Starken, sondern diejenigen, die sich dem Wandel am besten anpassen können
  • Disruptiere dich selber, sonst macht es ein anderer
  • Live begins at the end of your comfort zone. Welcome!

Polymarketing – mehr Nutzen und Spass für Alle

…lautet die Devise von Tag 3 – Zweiter Teil.

1. Was bedeutet Multi-Channel Management ?

Beim Multichannel-Management geht es darum, die Konsumenten auf mehreren Kommunikations- und Distributionskanälen zu erreichen.

2. Womit beschäftigt sich Polymarketing ?

 

3. Was sind Circles und welche Vorteile gegenüber Personas haben sie ?

Personas entstehen aus sozio-demographischen Segmentierung. Circles entstehen aufgrund bedürfnisorientierter Segmentierung. Dadurch können Circles effektiver angesprochen werden, weil sie die gleichen Bedürfnisse, Werte und Interessen haben. An den Touchpoints kann genau auf sie eingegangen werden.

4. Wieviel Zeit wird für die Planung der Strategie und wieviel für die Ausführung zur Verfügung gestellt?

Früher: Strategieplanung 15%, Ausführung 75% und Learnings daraus 10% der gesamten Zeit
Heute: Strategieplanung 50%, Ausführung 30% und Learning 20%.

5. Worum geht’s bei der Touchpoint configuration ?

Nachdem im letzten Schritt des Polymarketinigs der Touchpoint selektiert wurde, soll im Schritt „Touchpoint configuration“ der Inhalt und das Ziel am jeweiligen Berührungspunkt mit dem Circle festgelegt werden. Wir müssen erkennen, was für den Circle einen Nutzen generiert, wie der Erfolg gemessen wird und an welchen nächsten Touchpoint der Circle weiterverwiesen wird.

Fazit TAG 3 – Zweiter Teil

Durch Polymarketing wird eine Aktivität an jedem Touchpoint smarter, zielorientierter und erfüllt die Wünsche und Erwartungen der Circles besser.

TAG 4 – Erster Teil

CAS: Personal Branding on Social Media

Gleich zu Beginn gibt uns German Ramirez mit auf den Weg:

“Die Kultur der Kommunikation hat sich gewandelt.”

The culture of communication has changed

Die Antwort auf diese neuen Formen der Kommunikation muss lauten:

“Werde einzigartig in diesem Supermarkt der Personen durch Personal Branding !”

…doch gilt es dabei Folgendes zu beachten:

 

Darüberhinaus:

Geschichten machen Dinge einfacher zum Verstehen

4 Schritte zu guten Geschichten

  1. Bereite sie vor
    – Wem erzähle ich die Geschichte? Kenne dein Zielpublikum !
    – Mache sie relevant
    – Bleibe authentisch und ehrlich
  2. Erstelle sie
    – Starte mit einer klaren Idee – EINE Kernbotschaft
    – Nie mehr als 3 Argumente
    – Habe einen Aufruf zum Handeln
  3. Strukturiere sie
    a) Der Aufbau
    Die Welt des Helden ist vor dem Abenteuer in Ordnung
    b) Der Konflikt
    Die Welt des Helden gerät aus den Fugen
    c) Die Auflösung
    Der Held löst den Konflikt
  4. Liefere sie 
    – Mache die Idee bildhaft, erzeuge Bilder
    – Versuche Dich zu verbinden und Emotionen aufzubauen
    – Überrasche und unterhalte, wenn Du kannst

Fazit des Vormittags:

Personal Branding – Definiere online Deine persönliche Marke – Wie ?

  • Sei einzigartig, zeige, wo Du der Spezialist bist
  • Arbeite mit starken WinWords
  • Positioniere Dich in der Tiefe, nicht in der Breite

TAG 4 – Zweiter Teil

CAS: Der Hackathon – eine Form sinnvoller, erfolgsorientierter Freizeitbeschäftigung.

Begriffsklärung:

Hacken: In kurzer Zeit Prototypen entwickeln. Bestehende Produkte/Prozesse werden kritisch hinterfragt, Probleme von Kunden/Unternehmen gelöst.

Marathon: Die zeitliche Obergrenze beträgt maximal 40 Stunden, bis ein funktionierender Prototyp vorhanden sein muss.

Erklärung, warum Leute an einem Hack teilnehmen. Hacker sind Yogis.

FAZIT dieses Teils:

Es ist die Gewissheit, an einem extrem dynamischen Event mit Gleichgesinnten dabei zu sein, Spass zu haben und andere Leute kennen zu lernen.

…und noch eine Erkenntnis: Teams aus verschiedenen Nationen, Frauen & Männer gemischt, liefern in der Regel bessere Resultate ab als homogene Teams.

Zweiter Teil – Der Business Pitch

FAZIT dieses Teils:

  • Für Startups lohnt sich die Bewerbung bei einem Incubator oder Accelerator Programm, weil Coaching, eine Vorbereitung auf den Markt und die Erwartungen der Venture Capitalists erfolgen.
  • Neue Technologien dürfen von Unternehmen und Führungskräften nicht abgelehnt werden, sondern müssen stetig beobachtet und wo immer integriert werden.
  • Um Ideen und Innovationen zum Blühen zu bringen braucht es Kultur & Spirit. Es lohnt sich für Firmen Innovationsprojekte nicht in der angestammten Organisation voranzutreiben, sondern “frei fliegen” zu lassen.
  • Ein Pitch vor Investoren oder einer Jury muss bestens vorbereitet werden; auch ein Rockstar, geht nie ohne Soundcheck und Bühnenprobe on tour.
  • Innovation kann nicht befohlen werden, sondern ist das Produkt vieler Faktoren: Kreative Teams, Bereitschaft, Risiken einzugehen, Wissen um den Markt, Engagement des Top-Managements und vieles mehr.

TAG 5 – Erster Teil

CAS: „Disruptive and Beyond“

FAZIT dieses Teils:

Bei der digitalen Transformation ist nur ein kleiner Teil Technik & Technologie. Firmen werden disruptiert, wenn sie zu sehr auf den Kunden gehört haben. Entscheidender Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche digitale Transformation ist die richtige Mischung an Fähigkeiten und Kenntnissen innerhalb eines gut aufgestellten Teams. Etablierte Unternehmen fokussieren sich zu sehr auf Innovationen rund um ihre bestehenden Kunden (sustainable innovation). Disruptive Innovation hingegen entsteht am unteren Ende des Marktes.

TAG 5 – Zweiter Teil

CAS: Digital Risk – Opportunities to shine

FAZIT dieses Teils:

  • The threat is real! Cyber criminality is a big business.
  • Chances that you are personally attacked is not very high but it is still important to protect yourself.
  • Beware of phishing attempts.
  • Guard your password and make sure it’s a secure one.
  • Use the right browsers and a VPN when surfing on public Wi-Fi.
  • Password protect your computer.
  • In a family, every member should have a separate account on the PC and only one person should be the administrator.

TAG 6

CAS: UX kompakt

 

FAZIT dieses Teils:

Kundenerlebnisse, der Schlüssel zum Erfolg

„You’ve got to start with the customer experience and work back toward the technology – not the other way around“ – Steve Jobs

Unternehmen müssen lernen, nicht mehr in Lösungen zu denken, sondern sich zu überlegen, wie sie das Leben ihrer Kunden verbessern können. Mit diesem Ansatz stellen sie automatisch ihre Kunden ins Zentrum. Saubere Analysen, Befragungen und Prototyping sind der Schlüssel zum Erfolg. Nur wer seine Kunden miteinbezieht, kann die User- und Customer Experience verbessern und dem Kunden eine optimal abgestimmte Customer Journey bieten.

TAG 7 – Erster Teil

CAS: Digital Governance – oder: Herausforderungen für die Führung im digitalen Zeitalter

Middle-aged white men / Digital Governance

FAZIT:

  • Die klassischen Werkzeuge reichen nicht mehr aus
  • Dynamik versus Stabilität, einfach versus komplex
  • Von der Fehlerkultur zur Experimentierkultur
  • “No innovation project survives first contact with a customer” (Martin Kägi)

TAG 7 – Zweiter Teil

CAS: CHANGE: Culture eats Strategy for breakfast

FAZIT:

Zum erfolgreichen ‘Funktionieren’ sozio-technischer Strukturen, sprich: Organisationen & Unternehmen, aber auch zum harmonischen Zusammenleben einer Gesellschaft in Zeiten digitaler Transformation und politischer & gesellschaftlicher Umwälzungen, ist eine Annäherung unterschiedlicher Kulturen zur Erlangung einer ähnlichen Weltsicht nahezu unabdingbar. Eine erfolgreiche Annäherung von Kultur & Weltsicht in einer Gemeinschaft ist dann umso wahrscheinlicher, je besser diese von einem professionell betriebenen Change Management begleitet respektive aktiv gestaltet wird. Führungskräften kommt im Change Management strategische Bedeutung zu. Sie stellen Kulminationspunkte im Spannungsfeld mehrerer Realitäten, Kulturen und Weltsichten dar. Gefragt sind Führungskräfte mit Reflexionsfähigkeit über die eigene und über andere Kulturen.

TAG 8

CAS: Digital Finance or «Bank to the Future»

FAZIT:

Ein Zauberlehrling namens API

Die Kundenschnittstelle wird zum zentralen Instrument des Bankings, API heisst das Zauberwort. Der Roboadvisor übernimmt die Schnittstellenkoordination. Alle Daten werden direkt eingefeedet, um Transaktionen (Aktienkäufe, Hypothekenverlängerungen, etc.) direkt abzuwickeln. “Customer managed Relation (versus CRM)” führt zu einem unumkehrbaren Paradigmenwechsel, denn die Digitalisierung verändert das Kundenverhalten fundamental.

TAG 9

CAS: Agile Leadership – how to make a difference ?

FAZIT:

Digital Leadership – it’s people business

Leadership heisst arbeiten mit dem Menschen! Es werden Beziehungen geknüpft (bonding) und es muss ein regelmässiger Austausch erfolgen; Leadership bedeutet auch Gruppen mit unterschiedlichen Kulturen zusammenzuführen. Die digitale Transformation bedingt einen substanziellen Wechsel der Kultur und damit auch des Mitarbeiter-Stabes. An diesem oft schmerzvollen Change-Prozess führt leider nichts vorbei. Neue Profile und Kompetenzen werden gebraucht, welche gezielt in das Unternehmen integriert werden müssen.

FAZIT overall:

Ich komme zurück und berufe mich auf eine der Aussagen von Patrick am allerersten Kurstag:

“Die Deutungshoheit bleibt jederzeit bei jedem einzelnen von uns !” (Sinngemässe Zitierung), insofern steht jedem Kursteilnehmer und Leser die eigene Beurteilung dieses Kurses frei. Für mich persönlich gilt: Die Ziele dieses ersten CAS Digital Masterclass an der HWZ wurden erfüllt; ich betrachte mich als gut vorbereitet auf die bevorstehenden disruptiven Elemente die da kommen, sei es Digitalisierung, Automatisierung, Robosphere statt Biosphere, oder was auch immer… Der “Werkzeugkoffer” ist gut gefüllt, um die anstehenden Herausforderungen der digitalen Transformation zumindest kraftvoll und zuversichtlich anpacken zu können – das zur erfolgreichen Umsetzung erforderliche digitale Mindset muss sich jedoch jeder selber – quasi in Heimarbeit – aneignen, insofern geht die Digital Masterclass dann doch irgendwie weiter… Meine (unberechtigt) hohen Erwartungen an diesen Pionierkurs wurden nicht ganz erfüllt, doch halte ich es seit ein paar Wochen mit dem Motto: “Done is better than perfect !” In diesem Sinne freue ich mich auf die nächsten Begegnungen mit Kursverantwortlichen und Kursteilnehmern !