Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Immer mehr Konsumierende bezahlen ihre Einkäufe mittels Plastikkarte oder gar ihrem Smartphone, und immer mehr können sich vorstellen, ohne Bargeld einzukaufen. Doch die alternativen Zahlungsmittel müssen noch massiv aufholen, um die Beliebtheit von kaltem, hartem Cash zu erreichen.

Bargeld ist immer noch bei weitem das meistgenutzte Zahlungsmittel beim Einkauf im Laden. Wie der deutsche Digitalverband Bitkom durch eine repräsentativen Umfrage herausgefunden hat, bezahlen immer noch 96 % aller Konsumierenden ihre Einkäufe meistens mit Cash. Immerhin können sich 36 % der Befragten vorstellen, in Zukunft fast ausschliesslich bargeldlos zu bezahlen. In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen sind es sogar 46 %, und selbst bei den Befragten ab 65 Jahren halten 29 % einen weitgehend bargeldlosen Alltag für vorstellbar.

Bargeld nur vermeintlich sicherer

Dass viele Verbraucher gegenüber alternativen Zahlungsmitteln positiver eingestellt sind, zeigt auch die Tatsache, dass immerhin 82 % auch eine Debit-Karte nutzen, 35 % setzen eine Kreditkarte ein. Selbstverständlich werden auch mobile Bezahldienste genutzt: Immerhin 10 % der Einkaufenden bezahlen auch mit dem Smartphone. Bei den Jungen zwischen 14 und 29 Jahren sind es sogar 20 %. Auch eine Umfrage in der Schweiz hat gezeigt, dass die Konsumierenden den neuen Zahltechniken gegenüber sehr positiv eingestellt sind: Über 60 % würden mit ihrem Smartphone bezahlen, wenn es möglich wäre.

Diejenigen, die im Geschäft am liebsten Bargeld nutzen, tun dies grösstenteils, weil sie sich davon eine bessere Kontrolle über die eigenen Finanzen versprechen – und weil es einfach ist. Befürworter der Kartenzahlung nennen das Komfortargument an erster Stelle. An zweiter Stelle stehen Sicherheitsgründe –  ein Faktor, den Cash-Liebhaber eher selten nennen. Tatsächlich haben Kartennutzerinnen und Kartennutzer mehr Sicherheit: Bei Diebstahl oder Verlust lassen sich Karten sperren, und missbräuchliche Belastungen können zurückgebucht werden.

Bezahlen mit der Armbanduhr

Neben der bereits etablierten Kartenzahlung werden aus Bitkom-Sicht vor allem Verfahren zum kontaktlosen Bezahlen mittels NFC-Technologie künftig an Bedeutung gewinnen. Plastikkarten, Smartphones oder Wearables (zum Beispiel die kürzlich in der Schweiz vorgestellte Swatch Bellamy) können einfach an ein Lesegerät gehalten werden, um eine Zahlung zu tätigen – das sogenannte “Tap-and-Go-Verfahren“. Laut der Bitkom-Umfrage steht derzeit fast ein Drittel der Befragten dem kontaktlosen Bezahlen per Smartphone aufgeschlossen gegenüber. Allerdings sind die hiesigen Verkaufsgeschäfte im Vergleich mit vielen asiatischen oder den USA und Kanada stark im Hintertreffen, was die Infrastruktur betrifft.

Derzeit gibt es zum Beispiel in Deutschland erst rund 60‘000 Akzeptanzstellen für das kontaktlose Bezahlen per NFC, das entspricht rund 8 % aller Kassenterminals. In den kommenden zwei Jahren soll die Anzahl der NFC-fähigen Terminals nach Einschätzung des Bitkom aber rasch wachsen. Wenn die Kassenterminals flächendeckend umgerüstet seien, werde das Bezahlen per Smartphone in kürzester Zeit einen Durchbruch erleben, prognostizieren die Experten.


Felix Walker ist Journalist, Autor und Übersetzer. In seiner Arbeit, zu der auch der Digital Society Report gehört, befasst er sich vorwiegend mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft. Er lebt in Novia Scotia, Kanada.