Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance zum Thema “CEO for a day – Bank of the future” mit Karin Affolter und Sophie Bayley berichtet Daniel Schertenleib:

Karin Affolter und Sophie Bayley von e.foresight begrüssten uns zum Thema «CEO for a day- Bank of the future ”

e.foresight

Beide sind Teil eines kleinen Teams innerhalb der Swisscom und befassen sich mit Innovationsthemen. Das Team betreut derzeit 25 Schweizer und Liechtensteiner Banken und Finanzdienstleister.
Zu diesem Zweck verfolgt das e.foresight-Team weltweit Innovationssignale von Banken, Finanzdienstleistern und FinTechs und leitet Trends mit lokaler Relevanz ab.

Unser Auftrag

Schnell war unser Auftrag klar. Wir standen vor den Herausforderungen eines Finanzchefs. Unsere Aufgabe bestand darin, mittels Gruppenarbeit und mit Hilfe des e.foresight-Modells eine Vision und Strategie zu definieren, die das Unternehmen nachhaltig, digital und wettbewerbsfähig machen sollte.

Trendscout

Zuerst erklärten uns Karin und Sophie das Vorgehen eines Trendscouts. Danach führten sie uns durch die Herausforderungen, Trends und Entwicklungen welche sie heute beobachten.

Herausforderungen

Die heutigen Herausforderungen der Finanzindustrie sind getrieben durch verschiedenste Einflussfaktoren und können in vier Themenbereiche gruppiert werden:

  • Makro- & Mikrofaktoren führen zu Kosten- und Margendruck:

    Das Zinsdifferenzgeschäft fällt weg; zunehmende Nachfrage nach nachhaltigen Investments; Marktgrösse der Schweiz ist aus einer Fintech-Optik Segen und Fluch zugleich, weitere Regulationen;  Covid- und Klimafaktoren

  • Kundenverhalten – Kunden werden anspruchsvoller, Loyalität sinkt

    Die Kunden heute sind besser informiert; Mobile First ist Fakt; Retailbanking Aggregatoren werden Realität

  • Technologie – Steigende Komplexität und Konkurrenzdruck

    Die Technologie selber erfüllt keinen Innovationszweck. Sie gilt aber als Katalyst für neue Geschäftsmodelle, betriebliche Effizienzsteigerung ermöglicht bessere Angebote und Kundenservice sowie erhöhte Sicherheit

  • Wettbewerbsumfeld – Herausforderungen für Banken

    Branchenfremde Akteure wie zum Beispiel: Lidl-Pay, Versicherungen und Messenger Services für den Zahlungsverkehr

Innovationstrends und Relevanz

Bedeutende Innovationstrends werden als weiterer wichtiger Baustein der Analyse ausgewertet. Infolge ist ersichtlich, dass der Trend-Ausblick für die nächsten 12 Monate für den Bankenplatz Schweiz zunehmend relevanter wird, jedoch noch nicht in allen Fällen den Reifegrad erreicht hat.

Einige Beispiele:

  • Gebührenfreier Handel von Finanzprodukten
  • Fokus auf Impact Investing / ESG
  • Open Banking
  • Einfluss von Big Techs (GAFA)
  • Innovative Vorsorge
  • NeoBanking

Wir sind CEO for a day!

In Gruppen aufgeteilt, machten wir uns nun an die Arbeit “unsere Bank” erfolgreich in die Zukunft zu führen.  Als Vorlage für unser Experiment entschieden wir uns für eine Regionalbank mit mit Standorten im Zürcher Oberland.
Als nächsten Schritt haben wir eine Einordnung der generellen Megatrends und deren Wirkung auf unsere Modellbank vorgenommen.

Bedingt durch COVID-19 gab es einige Megatrends neu zu bewerten. Themen wie  Globalisierung, New Work, Individualisierung und Sicherheit erfahren wir anders als vor der Pandemie.

Vision entlang von strategischen Profilen erarbeiten

Um unsere Vision für die Zukunft in fünf Jahren festlegen zu können, hatten wir eine Auswahl von strategischen Profilen zur Verfügung. Jedes dieser Profile wies mehrere Untergruppen auf, die uns darin unterstützen sollten,  unsere Vision und Strategie detailliert auszugestalten.

Dilemma

Mit unserer Regionalbank trafen wir auf das klassische Dilemma von Investionsnotwendigkeit bei sinkendem Profit und wurden mit folgenden Problemstellungen konfrontiert:

  • Margenrückgang und verringerte Profitabilität
  • Fehlende Digitalisierung unserer Prozesse und Plattform
  • Generelle Änderung des Kundenverhaltens
  • Fehlendes Angebot digitaler Produkte / Services für Kunden
  • Zu wenig Budget für eine Rundumerneuerung

Dessen ungeachtet, haben wir an unsere Chance geglaubt, denn regionale Verankerung und Kundenähe sind ein starkes Argument. Wir legten uns ein kurzes, aber knackiges Vision Statement zurecht, welches unser «North Star» sein sollte: «Traditionell / Regional / Progressiv»

Unser “Pitch”

Entlang den strategischen Profilen und bestehenden Mitteln entschieden wir uns für eine Follower Strategie mit einem neuen, vom traditionellen Angebot losgelösten, digitalen Angebot.
Hier würden wir auf eine Kollaboration und Kooperation mit Drittparteien setzen. Unserer DNA treu bleibend, beziehen wir bestehende Mitarbeitern in den Prozess ein, so dass wir den Kulturwandel gemeinsam zu bestreiten. Das Ergebnis wäre eine neues digitales Kundensegment, welches zukünftig auf andere Bereiche ausgedehnt werden könnte. Die Balance zwischen lokal und digital würden wir so erreichen, dabei aber unserer Vision treu bleiben.

Die Gruppenübung hat gezeigt, wie entscheidend und bedeutsam eine Vision, und davon abgleitet eine Strategie entlang der gelisteten Profile, ist.

Best Practices

Zugegeben, wie auch die anderen Gruppen, haben auch wir eine “Safe” Strategie gewählt.
Zur Inspiration haben Karin und Sophie uns am Schluss noch einige eindrückliche Beispiele gezeigt:

Goldmann Sachs

Mit «Marcus» hat sich Goldmann Sachs das Ziel gesetzt eine Leading Digital Consumer Bank zu werden und hat sich eine neues Standbein aufgebaut.Die letzte Investor Day Präsentation vom Januar 2020 gibt Aufschluss über die weiteren Pläne.

DBS

DBS, die größte Bank Südostasiens, die eine durch und durch Top-Down getriebene Digitalisierungsstrategie umsetzt. Die Bank wird als Vorreiterin genannt, wenn es darum geht ihr Geschäftsprozesse und  Dienstleistungen digital umzusetzen.

BBVA

BBVA hat sich auf Big Data und künstliche Intelligenz spezialisiert und generiert 60% ihres Umsatzes digital. Auch hier eine klar erkennbare CEO und VRP getriebene Strategie, die mit Fintech-Partnerschaften neue Produkte entwickeln.

https://www.bbva.com/en/ahead-of-the-curve-in-digital-transformation/

BKLB

Wie wir im Trendquadranten gesehen haben, ist Nachhaltigkeit sehr relevant für die Schweiz, trotzdem ist sie nicht sehr fortgeschritten. Zum Thema Nachhaltigkeit differenziert sich die Baslellandschaftliche Kantonalbank mit ihrer Anlagephilosophie als eine der Ersten. Die Bank ist zudem seit 2019 CO2-neutral.

Hypothekarbank Lenzburg

2018 wurde Marianne Wildi von Finanz und Wirtschaft zum CEO des Jahres gewählt. Wildi begann ihre Karriere in der Informatik und hat 2010 die Leitung der Bank übernommen. Die Hypi Lenzburg bietet ihre Core Banking Lösung Finstar mittels White-labeling anderen Finanzinstituten an, und erweitert als Plattformbetreiberin ihr Geschäftsmodell.
Auch die Neon Konto App nutzt die Finstar-Plattform. Seit wenigen Tagen bieten sie Auslandsüberweisungen von TransferWise an und wickeln sie über die offene Bankenplattform Finstar ab.

Herzlichen Dank an Karin und Sophie für den spannenden, lehrreichen und abwechslungsreichen Nachmittag.