Aus dem Unterricht des CAS Digital Insurance mit Roman H. Schmid berichtet Adolf Stocker:

Die Welt ist im Wandel. Überall sehen wir uns Veränderungen gegenübergestellt. Dies gilt sowohl für uns als Individuen wie auch für Unternehmungen. Wie kann eine Unternehmung einen solchen Change managen und aktiv auf diesen Change-Prozess Einfluss nehmen? Zusammen mit Roman H. Schmid beleuchteten wir dieses Thema und konnten anhand der Bank Linth ein Change Management in der Praxis hautnah erleben.

Megatrends

Ein guter Indikator für Veränderungen in der Gesellschaft sind die sogenannten Megatrends. Diese muss man nicht „voraussagen”, sie sind schon da. Sie markieren Veränderungen, die uns schon lange prägen und auch noch lange prägen werden. Megatrends sind Tiefenströmungen des Wandels. Ein Megatrend wirkt in jedem einzelnen Menschen und umfasst alle Ebenen der Gesellschaft: Wirtschaft und Politik, sowie Wissenschaft, Technik und Kultur. Megatrends verändern die Welt – zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig.

Auf Basis der Megatrend-Analyse der Bank Linth wurde in Kleingruppen intensiv über die Trendeinwirkung der entsprechenden Megatrends für die Versicherungsbranche, sowie über deren Relevanz für das Business von Unternehmungen in der Assekuranz diskutiert. Dabei wurde ersichtlich, dass bezüglich Megatrends sich die Versicherungen nicht sonderlich von den Banken unterscheiden. Einzig die beiden Trends Mobilität und Gesundheit würden die Mehrzahl der Studierenden des CAS Digital Insurance höher gewichten. Dies sowohl bei der Klarheit wie auch bei der Relevanz für das Business Modell einer Versicherung.

Change Management – was ist das?

Change Management umfasst alle Projekte, Aktivitäten, Massnahmen und Aufgaben, die eine weitreichende Veränderung innerhalb einer Organisation bewirken sollen. Auslöser für eine Veränderungssituation sind oftmals strategische Neuausrichtungen eines Unternehmens. Häufig betroffen sind dabei fundamentale Bereiche einer Unternehmung:

  • Die Unternehmenskultur und deren Werte
  • Die Verhaltensweisen von Mitarbeitenden
  • Die Erneuerung organisatorischer Systeme
  • Die Veränderungen von Prozessen und Strukturen

Die Herausforderung eines Change Managements besteht darin, den richtigen Ansatzpunkt für den gewünschten und notwendigen Wandel zu finden.

Wieso braucht es ein Change Management?

Kritische Lebensereignisse lösen Stress aus. Eine gängige Reaktion auf Stress ist Widerstand. Dieser Widerstand zeigen Menschen jedoch primär nicht, weil sie gegen etwas sind, sondern weil Sie Angst vor dem Unbekannten und der Veränderung haben. Auslöser dafür sind oftmals die Folgenden:

  • Verlust von Kontrolle
  • Ungewissheit
  • Macht der Gewohnheit
  • Gesichtsverlust
  • Angst vor dem Verlieren

Erfolgreich ist ein Change Management nur dann, wenn die Ziele und der Nutzen der Veränderung überzeugend kommuniziert, Widerstände bewältigt und unter Einbeziehung der Betroffenen die notwendigen Umsetzungsschritte eingeleitet werden.

Konsequenzen für die Führung

Menschen müssen verstehen, weshalb Veränderung notwendig ist. Damit Führungskräfte in der Lage sind, die Mitarbeitenden im Veränderungsprozess mitzunehmen und Ihnen die Notwendigkeit der Veränderung glaubhaft aufzeigen können, ist es essentiell, dass sie diese zuerst selber richtig verstehen. Erst dann sind Sie fähig, den Mitarbeitenden individuell auf respektvolle Art und Weise mit auf die Reise zu nehmen. Ein erfolgreiches Change Management umfasst folgende vier Aufgaben:

  1. Gestalten: Das Formen des ganzen Change Managements und das Planen im Detail
  2. Vermitteln: Die Kommunikation des Change Managements und das Mitnehmen der Menschen
  3. Verstehen: Das Verstehen des einzelnen Mitarbeitenden
  4. Bewältigen: Der konkrete Umgang mit der Veränderung

Change Management in der Praxis – Bank Linth

Die Bank Linth ist eine stark im Linthgebiet und am oberen Zürichsee verankerte Schweizer Universalbank. Sie kann auf eine 170 jährige Firmengeschichte zurückschauen. Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung hat die Bank ihr strategisches Zielbild an den folgenden vier Stossrichtungen ausgerichtet:

Die folgenden vier Ansätze bildeten für die Bank Linth der Rahmen des für die strategische Neuausrichtung:

Verständnis und Verpflichtung „Ich weiss, warum ich mich ändern muss“

Aus Sicht der Bank Linth reicht Aufzeigen der Sense of Urgency alleine nicht aus, um das Verständnis für den notwendigen Change genügend zu schärfen. Unterstützend wurde deshalb ein Märchen ins Leben gerufen, um das Verständnis der Veränderung auf spielerische Art und Weise den Mitarbeitenden näher zu bringen.

Unternehmenskultur und Rollenmodelle „Ich sehe, dass die Führungskräfte die neuen Verhaltensweisen leben“

Damit die Unternehmenskultur auf den Change bei der Bank Linth einen positiven Einfluss entwickeln konnte, wurden diverse Schlüsselthemen erarbeitet. Grosser Wert wurde dabei auf das Ausprobieren neuartiger Geschäftsmodelle gelegt. Dazu wurde ein Innovations Lab ins Leben gerufen. In diesem Lab arbeiten Mitarbeiter unterschiedlichster Hierarchiestufen zusammen mit Leuten aus der Geschäftsleitung, dem Verwaltungsrat und Kunden. In vorgegebenen Zyklen erarbeiten und testen diese anhand eines strukturierten Innovationsprozesses in kurzer Zeit neue Geschäftsideen.

Ausrichtung, Strukturen und Systeme „Systeme und Strukturen unterstützen die Veränderung“

Eine weitere einschneidende Massnahme stellte die Einführung von flacheren Hierarchien und grösseren eigenständigen Teams dar. Dies vereinfachte die Führung im Wandel. So wurden beispielsweise Beratungsteams nach der Scrum-Methode neu aufgestellt. Zudem wurden die Büroräumlichkeiten unter Einbezug der Mitarbeitenden passend zur strategischen Neuausrichtung umgebaut. Motivation dahinter war es, das Zielbild sowohl gegenüber den Kunden wie auch intern gegenüber den Mitarbeitenden spür- und erlebbar zu machen.  

Talentförderung und Fähigkeiten „Ich verfüge über die nötigen Fähigkeiten und Kompetenzen“

Nebst den bankfachlichen Kompetenzen, welche die Basis einer erfolgreichen Bank bilden, ermöglicht es die Bank Linth ihren Mitarbeitenden weitere Kurse zu besuchen. So durchlaufen beispielsweise alle Kundenberater einen Knigge- und Butlerkurs, mit dem Ziel, die Extrameile für den Kunden gehen zu können.

Ausblick und lessons learned

Die Welt verändert sich immer stärker und schneller und die Veränderungen sind tiefgreifender und immer weniger vorhersehbar. Deshalb werden nur die Firmen überleben, die eine echte Transformationskompetenz entwickelt haben. Die Kernkompetenz der Zukunft ist Agilität. Nur wenn sowohl das Management wie auch die Mitarbeitenden die entsprechende Agilität an den Tag legen, können auch die Organisation und die Prozesse einer Unternehmung sich agil weiterentwickeln. Entscheidend für den Erfolg eines Change Management ist die Verankerung in die Kultur einer Unternehmung. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.