Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Simon Kauth berichtet Martin Stalder.

Was ist denn nun eigentlich Core Banking und was ist es nicht? Wo beginnt Core Banking, wo hört es auf und ist Core Banking Fluch oder Segen für Digital Finance?

Tatsächlich wird Core Banking, kurz CB, ganz unterschiedlich definiert und verstanden. Auf einen Nenner gebracht, ist CB auf die Transaktionsverarbeitung ausgerichtet, beinhaltet insbesondere Konto- und Positionsführung und ist für eine Bank als kritisch zu behandeln, also das Herz eines Finanzinstitutes. CB besteht somit unter anderem aus folgenden Modulen:
• Client Master Date
• Lending & Credit
• Investment Management
• Trading & Settlement
• Payments & Cash Management
• Taxen, Reporting, Accounting & Reconciliation

Modelle für Core Banking

Speziell bei diesem doch eher komplexen Thema dienen Architekturmodelle der Veranschaulichung, der Darstellung verschiedener Aspekte und Sichtweisen (Business Sicht, Applikationssicht, technische Sicht), ermöglichen die Sicht auf das Ganze und Reduzieren die Abstraktion. Aber… Das richtige Modell gibt es nicht! Das folgende Beispiel eines Architektur-Modells illustriert die erwähnten Ziele und zeigt vor allem die unterschiedlichen Ebenen resp. Sichtweisen auf:

modell

Die individuelle Gestaltung der Architektur unterliegt einem iterativem Prozess, bei welchem zwingend Architekturgrundsätze berücksichtigt werden müssen:

architekturprinzipien

Im Zusammenhang mit der Core Banking Systemwelt gilt es die Eigenschaften und die Charakteristiken des CB aus Digital Finance Perspektive zu beachten:

  • Reichhaltig, umfassende und eher statische Funktionalitäten
  • Vollständige Daten für die Abwicklung
  • Transaktionen sind für den Transaktionsdurchsatz optimiert und somit nicht für Simulationen oder Analysen geeignet
  • Die Systemintegration ist für die bankeigenen Applikationen und für den Interbankverkehr zentral

Was sind denn nun die Anforderungen an CB? Wie muss vorgegangen werden damit wir ein Projekt erfolgreich umsetzen können? Unten stehendes Vorgehensmodell zeigt uns, wie wir in einem iterativen Prozess vom heutigen Business Case über die Requirements – unter Einhaltung der Architekturprinzipien – zu den Umsetzungsoptionen gelangen:

vorgehensmodell

In den funktionalen Anforderungen einerseits muss definiert werden, welche Funktionalitäten durch das CB abgedeckt sein müssen, wie der Datenbezug aussehen und welche Daten der neue Service an CB liefern muss. Mit dieser Definition geht also die notwendige Datenkonsistenz, Datenkohärenz und die Datenaktualität einher.

Anderseits sind die nicht-funktionalen Anforderungen ebenso wichtig wie die funktionalen, denn sie definieren die Qualität der Systemzusammenarbeit. Beispielsweise werden dabei die Systemverfügbarkeit, die Servicezeiten, System-Performence, Testingszenarien und Betriebsanforderungen spezifiziert.

Trends für das Core Banking

Core Banking Systeme sind wegen den Charakteristiken eher träge und weniger flexibel, dadurch nur schwerlich in der Lage spezialisierte neue Transaktionstypen abzubilden. Was heisst das nun für die Zukunft? Was muss unternommen werden, um die Handlungsfähigkeit der Bank zu erhalten? Diesbezüglich wurden drei Hypothesen aufgezeigt, welche diese Fragen beantworten könnten.

Hypothese 1 / Modularisiertes Kernbankensystem

Darin wird grundsätzlich am eigenen CB festgehalten. Das CB wird weiterentwickelt und nur die zentralen Funktionsbereiche wie Datenverwaltung, Transaktionsabwicklung und Positionsführung werden modularisiert. Es besteht dadurch die Möglichkeit zur Dezentralisierung.

Hypothese 2 / Öffnung von Kernbankensystem (open API)

Das CB wird dabei über Standardschnittstellen integriert. Es ist dann nur noch ein zentraler Baustein beispielsweise für die Positions- und / oder Kontoführung. Ein grosser Vorteil liegt darin, dass Produkte schneller auf den Markt gebracht werden können.

Hypothese 3 / Standardisierung von Kernbankensystemen

Die Prozesse und Funktionen sind darin grösstenteils standardisiert, was die Automatisierung von Arbeitsabläufen ermöglicht. Damit können ganze Operations vereinfacht und skaliert werden.

hypothesen