Aus dem Unterricht des CAS Digital Masterclass mit Stefan Jeker berichtet Sabrina Pantic.

In der heutigen Arbeitswelt ist Innovation etwas, das konstant gefordert und erwartet wird. “Wir bauchen mehr Innovation” oder “Seid doch mal innovativ” stehen als Forderungen dem Anspruch, dass die täglichen Arbeiten natürlich trotzdem erledigt sein müssen entgegen. Dies bringt uns vor diverse Problemstellungen: Was ist eigentlich genau mit Innovation gemeint? Wie denke ich “out of the box” oder löse mich ganz von “der Box”? Woher nehme ich zusätzliche Ressourcen, um innovativ zu sein? Ist das nicht sowieso etwas, dass auf Führungsebene geschehen muss?

Von der Innovation zum Corporate Think Tank

Generell stehen wir folgender Ausgangslage gegenüber:

  • Bestehende Strukturen sind oft nicht genug auf Innovation ausgelegt und für Innovation werden nur ungern finanzielle Ressourcen aufgewendet
  • Jeder Mensch hat zudem generell die Fähigkeit kreativ zu sein – sie verkümmert nur mit der Zeit
  • Das Rad der technischen Evolution dreht sich immer schneller und Entwicklungszyklen werden kürzer (70% der Fortune 500 wurden in den letzten 15 Jahren ersetzt!)

Zudem können folgende Innovationstypen identifiziert werden:

Doch was bedeutet dies und wie kann darauf reagiert werden?

Exponentielle Entwicklung führt dazu, dass Unternehmen auch exponentiell zurückfallen, wenn sie nicht mit der Zeit gehen. Doch dieses “Up to Date” sein ist schwer: Entwicklungskurven laufen immer mehr parallel (Analog, Digital, Hyperdigital) und auch Disruptionen werden durch die Digitalisierung häufiger. Es kommt praktisch ein Tsunami von Möglichkeiten aber auch Challenges auf uns alle zu.

Das heisst: Unternehmen müssen heute potentiell disruptive Start-Ups selbst inkubieren. Das bedeutet auch, dass sie diese schützen müssen während sie sich entwickeln und dazu bereit sein müssen, die damit verbundenen Verluste zu absorbieren, solange es ihre Konkurrenten tun. Es muss also ein freier und flexibler Raum geschaffen werden, zum Beispiel in Form eines Corporate Think Thanks. Solche Denkfabriken können Ideen entwickeln, Impulse liefern, Prognosen und Analysen erstellen und Strategien und Szenarien entwickeln:

“Corporate Think Tanks sind ein probates Mittel, um Komplexität zu managen – eine der grössten Herausforderungen unserer digitalen Welt” – Poguntke, 2014

Nun gibt es natürlich diverse Formen von solchen Think Tanks: Abteilungen, Tochtergesellschaften, Projektteams, externe Labors etc. Die Form ist jedoch eher zweitrangig: Schlussendlich sind klare Visionen und Ziele entscheidend.

Das eigene Corporate Lab

Wie also kann so ein Corporate Lab oder Think Tank aufgebaut werden? Vor allem folgende Punkte sind dabei relevant:

Zu erwartende Widerstände

Ein solches Corporate Lab zu implementieren und erfolgreich zu führen ist jedoch nicht ganz trivial:

  • Ein generelles Problem stellt das anfänglich erwähnte Spannungsverhältnis zwischen Kreativität und Effizienz dar: Gewinn vs. Investment, Effizienz vs. Kreativität
  • Firmen verfügen zudem über Art Immunsystem, dass neue Ideen wie Störungsfaktoren abwirft
  • Es herrschen noch immer sehr lange Entscheidungswege vor, die Innovationen von Natur aus hemmen
  • Risikobereitschaft und Akzeptanz bei Entscheidern ist generell tief

Was also braucht Innovation? SEN!

Oder noch etwas genauer Formuliert – dies sind die entscheidenden Erfolgsfakten:

  • Vieles ist natürlich eine Frage der Haltung. Die Kernkompetenz der “Verunsicherungsfähigkeit” wird in Zukunft zentral sein
  • Respekt für das Bestehende: Ein Innovator im Unternehmen muss die Geschäftsprozesse genau kennen
  • Fingerspitzengefühl
  • Starke Visionen
  • Unternehmerische Energie
  • Und auch Zeit: Menschen sind Gewohnheitstiere

Generell ist wichtig, Veränderung als Chance zu leben: Lieber “warum nicht?”, anstatt “warum?” fragen. Wenn sich dieses Mindset im Unternehmen und den Köpfen der Mitarbeitern verankert und Innovation zudem richtig organisiert und geführt wird – wie zum Beispiel in einem Corporate Lab – steht dem Erfolg also nichts im Wege.