Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Daniel Krebser (geschäftsleitender Partner bei ATIZO 360 GmbH) berichtet Gisela Cronenberg:

Was bedeutet Crowdsourcing?

Crowdsourcing ist ein Wortspiel aus “Crowd” und “Outsourcing”. Dabei wird die Crowd – also eine grosse Menschenmasse – benützt, um breit abgestützte Meinungen zu erhalten. Der Austausch ist nie 1to1. Deshalb zählen beispielsweise Kundenbefragungen auch nicht zu Crowdsourcing, denn dort entsteht ein direkter Kontakt.

Ein gelungenes Beispiel einer Crowdsourcing-Plattform ist Migipedia, auf der 13’000 Migros-Produkte entdeckt und bewertet werden können. Auch die Staumeldungen von Radiohörern können zu Crowdsourcing gezählt werden. Das sicher bekannteste Beispiel von Crowdsourcing ist jedoch Wikipedia, wo Artikel in Mehrautorenschaft von freiwilligen Autoren verfasst werden. Wikipedia ist in der Schweiz übrigens auf Rang 5 der meistbesuchten Webseiten.

Mehrwert für diverse Unternehmensbereiche

Crowdsourcing kann einen Mehrwert für diverse Bereiche schaffen:

crowdsourcing_bereiche

Welche Plattformen respektive Anbieter gibt es?

So funktioniert Crowdsourcing

funktionsweise_crowdsourcing

Wichtig ist:

  • klare Aufgabe
  • hohe Diversität in der Community
  • optimale Aggregation

Interne Barrieren beim Crowdsourcing

  1. Nicht-Voneinander-Wissen: Man kennt externe Partner nicht
  2. Nicht-Miteinander-Können: Man scheut den Aufwand
  3. Nicht-Miteinander-Wollen: Man ist nicht motiviert
  4. Nicht-Miteinander-Dürfen: Es ist nicht erlaubt

Es ist alles eine Frage der Unternehmenskultur. Je hierarchischer ein Unternehmen strukturiert ist, desto schwieriger ist es. Mitarbeiter müssen in die Innovationsprozesse eingebunden sein. Oft reicht das interne Wissen nicht. Dann muss das Unternehmen genug offen sein, Wissen von aussen aufnehmen zu können.

Chancen und Risiken von Crowdsourcing

Chancen:

  • Merkliche Kosteneinsparungen
  • Erhöhte Bedürfniskonformität
  • Schnellere Reaktionsfähigkeit
  • Verbesserung Image
  • Wertschätzung der Stakeholder
  • Überraschende Ansätze

Risiken:

  • Erhöhte Verwundbarkeit
  • Gefühlter Sicherheitsverlust
  • Unklare Rechtssituation
  • Überraschungseffekt leidet
  • Bedrohung der Kernkompetenzen
  • Erfordert Unternehmenskultur

So sieht der ideale Projektablauf aus

projektablauf_crowdsourcing

Zum Schluss noch einige Tipps … 

  • Community möglichst breit halten, also nicht nur bestehende Kunden fragen. Erst verdichten, wenn es um die Abstimmung einzelner Ideen geht.
  • Jede einzelne Idee ernst nehmen. Auf gleicher Augenhöhe kommunizieren. Sonst kann es in Social Media sehr schnell zu einem Shitstorm kommen.
  • Rahmenbedingungen sorgfältig formulieren.
  • Facebook nur als Kanal wählen, wenn Likes das richtige Resultat sind (also das Abfragen einer Shortlist). Facebook-User wollen primär Aufmerksamkeit und Unterhaltung.
  • Generierung von Ideen und Voting nicht in den gleichen Schritt nehmen. So kann das Unternehmen ihre Favoriten aus der Ideenliste nehmen und sie zur Abstimmung nochmals in die Community geben.
  • Erlebnisse (gute oder schlechte) abfragen, die der User schon gemacht hat. Erfahrungsgemäss tun sich Menschen schwierig darin, ein “Erlebnis 4.0” zu definieren.