Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Reto Gadient berichtet Vanessa Bruder.

Am Cryptofinance Day trafen wir uns im schweizerischen Crypto Valley Zug. Der Vormittag stand ganz im Zeichen von Bitcoin und Blockchain/Smart Contracts.
Am Nachmittag erfuhren wir mehr über das Crypto Valley sowie über zwei Playsers im Valley (Bitcoin Suisse AG, CoreLeger AG).

Bitcoin – wie alles begann

Im Jahr 2008 tauchte erstmal ein neun seitiges Dokument auf, welches den Namen trägt „ Bitcoin – A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ auf. Der Verfasser war Satoshi Nakamoto. Von Ihn oder dieser Gruppierung ist bis heute nichts weiter bekannt, als den Namen sowie, dass Sie wohl 1 Million Bitcoins besitzen. Seit 2010 hat man gar nichts mehr von Nakamoto gehört – wie er aufgetaucht war, so abrupt ist er verschwunden.

Die Kernaussage des Dokuments war, dass man Zahlungen von Privat- zu Privatperson elektronisch übermitteln kann ohne dass dabei eine Zentralbank vermittelt.

Bitcoin – Warum erfand man Bitcoins

Die Erfinder haben drei Kernthesen aufgestellt, die Sie mit den Bitcoins eliminieren wollen, um damit die Wirtschaft vor neuen Krisen (wie die Lehman Brother etc.) schützen möchten.

  • Interventionen der Staaten Schaden der Wirtschaft
  • Geldschöpfung sind Grund für die Konjunkturzyklen
  • Geldmenge soll nicht erweitert werden können durch Banken/Finanzinstitute

Der Bitcoin erfüllt diese Thesen grundsätzlich – die Geldmenge ist durch das Protokoll begrenzet und die Geldpolitik ist transparent im Code beschrieben, welcher Open Source ist und somit kann jeder entscheiden, ob er bei Bitcoin mitmacht oder seine eigene Krypto-Währung basierend auf dem System nutzt.

Bitcoin – Ein Experiment oder doch unser zukünftiges Zahlungsmittel

Unser heutiges Geld erfüllt drei Hauptaufgaben (Zahlungsmittel, Recheneinheit sowie Wertspeicher). Als Zahlungsmittel kann man sich Bitcoin sicherlich gut vorstellen, da man ihn einfach transportieren kann, kleinste Einheiten verfügbar sind, zudem weist er eine hohe Robustheit auf. Die anderen zwei Aufgaben können nicht wirklich langfristig erfüllt werden, da der Kurs extrem volatil ist und somit nicht geeignet ist um zu rechnen oder es als Wertspeicher zu verwenden. Zudem muss man abwarten, wie die Staaten und die Finanzwelt mit dem Bitcoin weiterverfahren werden.

Bitcoin im Praxistest

Nach der kurzweiligen Theorie bekam wir alle eine Code, mit welchem wir Bitcoins (Satoshis) im Wert von 5 Franken erhalten haben. Dafür haben wir nach Anleitung von Lucas Betschart ein Wallet von unserem Smartphone installiert und anschliessend untereinander Geld ausgetauscht – leider waren die Kosten pro Transaktionen enorm hoch, so dass dies nur sehr bedingt funktioniert hat. Wie die Kosten pro Transkationen berechnet werden, wurde leider nicht wirklich logisch erläutert.

Danach hat uns Lucas kurz die technischen Konzepte (Kryptografie, wann eine Transaktion gültig ist, sowie über die Blöckchens) erläutert. Danach fand ein kurzer Exkurs statt, in dem wir lernten wie die Bitcoins generiert werden. Dies geschieht in sogenannten Minen, welche aus sicherstellen, dass ein Bitcoin jeweils nur einmal ausgegeben wird.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Bitcoin ein erstes Experiment darstellt, welcher aber für den weltweite Einsatz der globalen Bevölkerung noch nicht geeignet ist. Dazu müsste man die ganze Geschichte ein wenig sicherer machen – immer wieder hört man ja von Fällen, in welchen Bitcoins geklaut wurden. Natürlich ist es einfach nachzuvollziehen wer es war, aber da man nur die technische ID kennt, hilft das nicht wirklich weiter, um sein Geld wieder zu bekommen. Die Hersteller der Wallets müssen ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöhen, ansonsten wird es ein Experiment bleiben.

Blockchain (distributed shared ledger) – Register für Transaktionen

Blockchain ist ein technisches Protokoll, welches erlaubt Daten direkt zwischen zwei Vertragsparteien (völlig anonym) innerhalb eines Netzwerkes auszutauschen (kein Intermediärer wird dazu benötigt). Jede Transaktion wird dann in die Kette, welche unveränderbar ist, gespeichert und danach auf alle Knoten verteilt. Dies hat zum Vorteil, dass wenn ein Knoten ausfällt, gibt es noch genügend andere, welche das System weiterleben lassen.

Heute gibt es bereits über 50 verschiedene Arten von Blockchains – einige sind nur privat innerhalb eines Unternehmens andere sind öffentlich zugänglich.

Private vs Public Blockhain

Private vs Public Blockhain

Blockchains können innerhalb des Banking in verschiedenster Weise verwendet werden. Blockchains können zum Beispiel dazu eingesetzt werden, Betrug zu minimieren indem sie volle Transaktionshistorie bereitstellt, welche nicht verändert werden kann und somit jederzeit volle Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Viele Banken haben es bereits verstanden und haben erste Projekte mit Blockchains aufgegleist um Erfahrungen im Umgang mit Blockchains zu gewährleisten.

Smart Contracts

Nach dem Thema Bitcoin und Blockchain haben wir uns dem Thema Smart Contracts gewidmet. Unter dem Begriff Smart Contracts (erstmals 1993 genannt von Nik Szabo, welcher ein enger Freund von Nakamoto ist) versteht man Protokolle, die Verträge digital abbilden, überprüfen oder Verhandlungen/Abwicklungen eines Vertrags unterstützen. Eine schriftliche Fixierung des Geschäftes ist meistens überflüssig danach Der Hauptvorteil ist dabei, dass sie versuchen eine höhere Vertragssicherheit gegenüber dem traditionellen Recht zu erreichen aber gleichzeitig die Transaktionskosten deutlich reduzieren können. Smart Contracts könnten in verschiedenen Bereichen zum Einsatz kommen so zum Beispiel in der Versicherungsbranche oder im Crowdfunding. Es ist jedoch ziemlich schwierig die Verträge so aufzusetzen auf der Cain, dass sie wirklich halten, was sie versprechen. Zudem ist es nicht schwierig bestehende Verträge abzuändern. Obschon der Begriff Smart Contracts schon lange existiert, fehlen Experten, die sich in diesem Bereich auskennen und der Technologie einen Boom verschaffen würden.

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Crypto Valley Zug, wie der Begriff entstand, was das Valley ausmacht. Zudem wurden zwei Players (Bitcoin Suisse AG, CoreLeger AG) genauer vorgestellt, welche in Zug ansässig sind und auch Geschäfte mit Zug machen.

Insgesamt war es ein spannender Tag, in welchem wir viel über die technischen Details zum Bitcoin und der Blockchain/Smart Contras lernten. Zudem gab es spannende Gespräche über die Zukunft von Bitcoin und ob sich die kryptischen Währungen durchsetzen können. Dies kann zum Glück niemand voraussehen, aber man sollte sicherlich bereit sein und sich mit diesem Thema auseinander setzen, damit man bereit für die Zukunft ist 🙂 .