Aus dem Unterricht des CAS Mobile Business mit Emma Page berichtet René Müller:

Just einen Tag vor dem #OfflineDay diskutierten wir zusammen mit Emma Page von Evernote das Thema “Mobile Workforce”. Welcher Gegensatz! Oder doch nicht? Aber beginnen wir von vorne.

Emma Page, seit mehr 10 Jahren mobile unterwegs, musste sich zu Beginn auch ziemlich an die veränderte Arbeitsweise gewöhnen. Ihre Arbeit ist ihre Passion, welch schönes Motto. “Choose a job you love, and you will never hate to work a day in your life”.

Rund 35% der weltweiten Arbeitskräfte arbeiten mittlerweile mobil, Tendenz steigend. By 2015, the world’s mobile worker population will reach 1.3 billion, representing 37.2 percent of the total workforce, according to an updated forecast from IT analytics firm IDC. Dabei ist zu beachten, dass es mobile Arbeitskräfte und Mobile Workers gibt. Die “Definition” eines Mobile Workers ist, dass er mit einem mobilen Device zeit- und ortsunabhängig eine grosse produktive Arbeitsleistung erbringt. Nicht jeder Job kann mobilisiert werden, der Strassenbauer muss die Arbeit dort verrichten wo die Strasse gebaut wird. Aber immer mehr Jobs werden mobil. Diese Veränderung bringt neue Herausforderungen mit sich.

Arbeit ist demnach nicht mehr der Platz wo ich hingehe um zu arbeiten, sondern was ich an Output erbringe. Der nine-to-five Job hat vielenorts ausgedient.

Mobilocracy

Die interdisziplinäre und ortsunabhängige Arbeitsweise, die Zusammenarbeit mit Teams die über den Erdball verteilt sind, die veränderte Kommunikation und die Wissensablage/-vermittlung verlangen vom Mobile Worker eine neue Denk- und Arbeitsweise. Ein Merkmal eines Mobile Workers durch diese Veränderung ist, dass er durchschnittlich jährlich rund 6 Wochen mehr arbeitet und dabei auch noch zufriedener ist! Die Arbeitszeit eines Mobile Workers im Büro gestaltet sich jedoch einiges produktiver und sozialer. Aber die Mobile Workers arbeiten zu viel und vernachlässigen ihr Umfeld und die Familie. Welche Erkenntnis aber auch Herausforderung! Wir sind also damit in einer Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeits-Gesellschaft angelangt. Dadurch ergeben sich nun neue Herausforderungen die gelöst werden müssen.

Die unabdingbaren persönlichen Beziehungen in der Arbeitswelt und in einer Firma müssen neu erarbeitet werden, das kann bei Mobile Workers schnell einmal verloren gehen. Emma Page’s Chef sitzt am anderen Ende der Welt und sie kommuniziert per Skype und gesharten Notizbüchern mit ihm. Erst als sie ihn persönlich kennen lernte, war eine “normale” Zusammenarbeit möglich. Einige Themen können auch nur von Angesicht zu Angesicht diskutiert werden, die Reaktion des Gegenübers, seine Mimik und sein Verhalten können niemals mit Mails oder Videokonferenzen ersetzt werden.

Die Beurteilung der Arbeitsleistung eines Mobile Workers kann nicht mehr nur mit seiner Anwesenheit im Büro beurteilt werden. Was machen die den ganzen Tag? Das fragt sich mehr als jeder zweite Chef mit Blick auf mobile Mitarbeitende. Tatsächlich sollte flexibles Arbeiten nicht heissen, dass man die Menschen gar nicht mehr sieht. Es braucht ein vermehrtes Präsentieren seiner Arbeitsleistung, seines Outputs gegenüber den Vorgesetzten und anderen Teammitgliedern. Das ist aber auch eine Chance, dass das Wissen durch Sharing gemeinsam genutzt werden kann.

Abnehmende soziale Einbindung und Identifikation mit dem Unternehmen kann auch eine Folge für den Mobile Worker sein. Das gilt es im Management zu erkennen und aufzufangen. Das Management muss diesen Herausforderungen gewachsen sein, es braucht noch mehr Vertrauen in die Mitarbeitenden. Gezielte gemeinsame Erlebnisse fördern auch die virtuelle Zusammenarbeit. Fehlende oder unklare Regeln für den Umgang mit grösserer zeitlicher und inhaltlicher Autonomie müssen geregelt sein. Nicht jeder Mitarbeitende eignet sich für diese Autonomie und Selbstverantwortung.

Ungenügende Abgrenzung von Berufs- und Privatsphäre birgt die Gefahr der Vereinsamung und durch die rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit wächst die Gefahr eines Burnouts. Ein Kind versteht nicht unbedingt warum jetzt sein Vater oder seine Mutter zuhause am Arbeiten ist, es braucht auch hier eine Abgrenzung. Gesundheitliche Probleme durch mangelhafte ergonomische Gestaltung der Arbeit unterwegs oder zuhause und verändertes Essverhalten sind mit Information und Aufklärung zu vermeiden. Work-Life-Balance ist dazu das Stichwort.

Eine im 2011 durchgeführte Studie ergab weltweit über Mobile Workers:

  • 35% prüfen Email nach dem Aufstehen
  • 38% arbeiten bevor sie das Haus verlassen
  • 25% arbeiten auf dem Arbeitsweg
  • 37% arbeiten über Mittag
  • 37% arbeiten abends

Das sollte uns und der Gesellschaft zu denken geben und wir sollten uns gegen die Konsequenzen rüsten und entsprechende adäquate Massnahmen einleiten.

Notabene habe ich diesen Blogbeitrag am #OfflineDay geschrieben 😉

Mobile Workstyle