Aus dem Unterricht des CAS Multichannel Management mit Dr. Christian Kunz berichtet Ramona Stofer.

Die Menge an unseren persönlichen Daten im Internet wächst wie eine Pandemie, nämlich exponentiell. Bereits heute hat jeder um die 2.5GB persönliche Daten im Netz hinterlassen – Videos und Fotos nicht dazu gezählt. Das exponentielle Wachstum von persönlichen Daten im Internet befeuert das weitere Wachstum von grossen Unternehmen. Zu den wertvollsten Brands 2019 gehören fast ausschliesslich Datensammler-Unternehmungen (sogenannte Datenkraken):

Daten sind das neue Öl

Was sagt uns das? Daten sind das neue Öl. Obgenannte Unternehmungen haben es verstanden, unsere (mehr oder weniger) freiwillig im Netz hinterlassenen Daten zu monetarisieren. Und zwar sehr erfolgreich, wie man an deren Brand-Wert unmissverständlich erkennen kann.

Auf Grund unserer Daten können Unternehmen:
– die Verbraucherzufriedenheit ableiten
– ihren Marketing ROI erhöhen
– Einnahmeverluste erkennen und stoppen
– Neue Einkommens- und Businessmodelle entwickeln
– Abwanderung resp. Verlust von Kunden minimieren
– Betrug und Piraterie aufdecken
– und lässt sie den Begriff “Wert” neu überdenken

Die ausgereifteste Daten-Monetarisierung ist das Online Advertisement, wobei Google und Facebook über die Hälfte des Online Werbemarktes kontrollieren und so ihr Geld verdienen. Denn: Ist etwas gratis, bist du das Produkt.

Wie kommen Unternehmen an unsere Daten?

Benutzen wir das Internet, werden wir mittels Cookies getrackt. Es gibt zwei Arten von Cookies: 1st Party Cookies und 3rd Party Cookies. Erstere sind die “netten” Cookies: Es werden Daten gesammelt, wie wir uns auf der gewählten Webseite bewegen und was wir machen. Diese sind erforderlich, um überhaupt Zugang zur entsprechenden Webseite zu erhalten. 3rd Party Cookies hingegen, die “Bösen”, geben unser Nutzungsverhalten auch an andere Webseiten/Unternehmen weiter. Jahrelang haben so Unternehmen wie Google und Facebook unbemerkt resp. von uns unwissend Daten von uns gesammelt und sind so zu den Daten-Monopolisten gewachsen, die sie heute sind.

Auch durch Identitäts- und Passwörterklau im Internet können Daten gesammelt werden. Und durch den Trend Richtung “Smartliving” (Smarthome, Elektronik in Autos, etc.) mit der Verknüpfung von immer mehr Sensoren wächst die Menge an gesammelten Daten weiter.

Problematik der Datenkraken

Die Monopolstellung der Datenkraken führen zu massiven Problemen für Konsumenten und Unternehmen.

Konsumenten verlieren die Kontrolle über ihre eigenen Daten, da sie ihre Daten für die Nutzung von kostenlosen Services “freigegeben” haben. Die Privatsphäre von Konsumenten wird regelmässig verletzt, weil nicht bekannt ist, wie viele und welche Daten über einen selbst vorhanden sind und wie diese weiter verwendet werden. Auch sind die Konsumenten nicht am Ertrag beteiligt, der durch die Verwendung ihrer Daten erzielt wird.

Für Unternehmen wird der begrenzte Zugang zu Kundendaten im Vergleich zu den Kraken immer mehr zu einem Wettbewerbsrisiko. Die “Grossen” können in einen neuen Markt dank der gesammelten Daten viel besser bearbeiten. Sie kennen die Konsumenten. Ganz nach dem Motto: Wissen ist Macht.

Was können wir dagegen tun?

Der User soll wieder mehr Macht über seine Daten erhalten. Dies wird unter anderem durch die GDPR (General Data Protection Regulation), die Verordnung der EU über die Verarbeitung personenbezogener Daten, unterstützt. Am Beispiel von Cookies, welche auf Grund der Verordnung “ausgewiesen” werden müssen, sieht dies wie folgt aus:

Die Aufforderung zum Akzeptieren von Cookies kennt jeder, der im Internet unterwegs ist. Die schnelle Variante ist das Klicken auf OK. Damit gebe ich aber meine Einwilligung, dass meine Daten weitergegeben werden dürfen. Voreingestellt ist (fast) immer die Verwendung und Weitergabe all meiner Daten und nicht die Nutzung der nur notwendigen Daten für die gewählte Webseite. Willst du deine Daten kontrollieren, klicke nicht einfach auf OK. Schaue dir an, was du “unterschreibst”.

Möglicher Lösungsansatz

Durch den Cambridge Analytica Skandal ist das Bewusstsein über die (Un)Macht der eigenen Daten gestiegen. Auch die “MyData-Bewegung” trägt dazu bei: Der Zweck von MyData Global ist es, Einzelpersonen durch die Verbesserung ihres Rechts auf Selbstbestimmung bezüglich ihrer persönlichen Daten zu stärken.

Als Beispiel, wie die “Macht über die eigenen Daten” zurückgegeben werden kann, schauen wir uns die Unternehmung bitsaboutme von unserem Dozenten Dr. Christian Kunz an.

Auf bitsaboutme kann ich meine Online-Daten sammeln und erhalte eine Übersicht über mein digitales Ich. Auf dem sogenannten Markplatz findet man Angebote von Unternehmen, die die Daten verwenden möchten. Jeder entscheidet selbst, welche Daten er oder sie mit wem, zu welchen Konditionen (Bezahlung, Spenden, besserer Service, …) und für welchen Zweck teilen will. Das gibt uns etwas die Kontrolle über die eigenen Daten zurück.

Und was haben die Unternehmen davon? Die Idee ist simpel: Auch andere Unternehmen als die Datenkraken sollen sich mittels Daten über ihre Kunden informieren können. Die zur Verfügung gestellten Daten lassen sich einsetzen für Marktforschung, Quantifiziertes Selbst (erfassen von Daten über sich selbst, um sich selbst zu erkennen und zu verbessern), Digital Transformation und Marketing.

In a nutshell

Die Idee von “MyData” einfach erklärt: Video von Silicon Valley Maverick Jaron Lanier.