Aus dem Unterricht des CAS Social Media Managament berichtet Nina Kuster:

Der zweite Samstag startete mit Konrad Weber, der aktuell als Multimedia-Journalist beim SRF arbeitet. Er gewährte uns interessante Einblicke in den Umgang der Journalisten mit Social Media und zeigte uns einige nützliche Tools für gezieltere Suche und vor allem auch zur Verifizierung von Gefundenem.

Zuerst hat uns Konrad gleich mal erzählt, was sie beim SRF erreichen wollen: Dem Publikum eine Stimme geben! Und das sollte wohl nicht nur dem SRF wichtig sein. Der Dialog soll gepflegt werden, man muss zuhören und Feedback ernst nehmen. Wenn die Zuhörer/Zuschauer, Kunden, Fans mit uns in Kontakt bleiben sollen, und zuhören sollen, dann müssen wir auch auf sie eingehen. Das macht die Leute nicht nur glücklich und weiterhin empfänglich für unsere Posts, es kann uns wiederum gute Geschichte bescheren – Stichwörter Crowdsourcing und Storytelling!

Beim Crowdsourcing wird das „Wissen der Masse“ genützt. Bekanntes Beispiel dafür ist Migipedia. Durch die Inputs von Kunden wurden schon diverse neue Produkte in die Regale der Migros gebracht oder bestehende Produkte angepasst. Die Kunden bringen sich freiwillig ein und fühlen sich im Gegenzug erhört. Je nachdem werden sie sogar namentlich erwähnt, was sie so sehr freut, dass sie es gleich mit der ganzen Welt teilen müssen! Ein Geben und Nehmen sozusagen. Und nur so funktioniert es. Bleibt es zu einseitig, wird die Liebe nicht lange anhalten.

www.community.migros.ch/m/Migipedia/ct-p/migipedia-de

www.community.migros.ch/m/Migipedia/ct-p/migipedia-de

Beim Storytelling geht’s um die Inhalte. Was wir erzählen soll auch Inhalt bieten! Und idealerweise liefern uns unsere Follower Inhalt. Wenn wir die Leute aktiv miteinbeziehen, kann sich eine Story weiterentwickeln, wir können an mehr Informationen kommen oder an ganz neue Geschichten gelangen.

SRF bedient heute hauptsächlich Facebook und Twitter, da diese beiden Netzwerke in der Schweiz die grösste Masse abdecken. Mit SRF News haben sie auf Facebook seit 2 Jahren einen neuen Auftritt, der eine zentrale Stimme für alle SRF News-Kanäle darstellt. Zuvor gab es circa 6 verschiedene Profile für diverse Sendungen wie 10vor10, News, Radio… Nun ist es für die Zuhörer und Zuschauer ein Einfaches, den richtigen Kanal zu finden dem sie folgen möchten. Und SRF News hat eine grosse Community statt mehrere kleinere die einzeln gefüttert werden müssen.

Instagram wird zur Zeit getestet: News in einem Bild oder in 15 Sekunden Video. Es ist ein Test um zu schauen wo, bei wem, bei welchen Themen dies funktioniert und wo nicht.

www.facebook.com/srfnews

www.facebook.com/srfnews

Die Social Media Kanäle sind die am stärksten wachsende Kanäle beim SRF. Doch es geht nicht nur im Reichweite, sondern um die Interaktion. Einerseits beim laufenden Programm, andererseits bei Live-Events.

5 Stufen der Interaktion

  1. Unter Nutzern ohne Einfluss des Medienhauses
  • z.B. Tatort: es gibt eine Community die in sich diskutiert und bestimmte # dazu nutzt
  1. Zwischen Nutzern und Produzenten ohne Einbezug ins Programm
  • klassische Onlinekommunikation
  1. Mit Nutzern und Abbildung am TV oder Online
  • Einblendung z.B. von Tweets am TV
  1. Durch konkrete Motivation zur Teilnahme der Nutzer durch Produzenten
  • Spezifische Aufrufe als Redaktion (schickt uns eure Fragen / Bilder etc.) Die Spezialisten sind hin- und hergerissen ob’s Sinn macht. Wenn man’s wirklich integriert in Sendung oder etwas daraus gemacht wird, dann ja. Ansonsten sollte man es bleiben lassen.
  1. Interaktion definiert Sendeprogramm und -inhalt
  • Königsdisziplin! Via Social Media Kanäle soll sich Inhalt verändern: Wie will man diskutieren, was möchte man sehen.

Beispiel Interaktion im laufenden Programm

  • Seit Juni 2013 wird im Abstimmungsstudio gezeigt, wie’s hinter der Kulisse aussieht
  • SRF monitoren Tweets, zeigen sie am TV und nehmen sie in Diskussionen auf –> das Publikum hat eine Stimme!

Live-Events

Das funktioniert nicht nur im TV, läuft aber dort besser wo man direkt live etwas anzeigen kann, die Reaktion sofort für den Zuschauer erfolgt.

Beispiel Sendung vom Flughafen Zürich, Herbst 2013:

Während 9 Stunden live berichtet –> Ansatz von 5. Stufe der Interaktion (siehe weiter oben), Publikum kann sagen was sie sehen wollen. Konnten mitteilen, was sie wo genau sehen möchten, SRF hat darauf reagiert und live erzählt, das Programm angepasst.

Damit das funktioniert, muss das ganze Team gleich denken (Kameramann, Moderator etc.)!

Funktioniert auch bei traditionelleren Sachen: Im Mai 2013 wurde versucht, die Landsgemeinde Glarus so abzubilden.

Das Urformat der Live-Reportage: Ein Haus geht auf Reisen. Verschiebung des Hauses in Oerlikon während 2 Tagen (vor ca. 2 Jahren). -> Viele haben sie im Vorfeld belächelt, wurde aber ein Erfolg!

Vor 3 Jahren: Treffpunkt Bundesplatz. Im Vorfeld von Wahlen wurde während 2 Wochen live vom Platz gesendet. Es wurde versucht, die Leute per Social Media miteinzubeziehen. Damals noch weniger erfolgreich weil Social Media viel weniger verbreitet war als heute.

www.srf.ch/news

www.srf.ch/news

Wann funktioniert Interaktion?

  • Live-Event als Voraussetzung – Leute sind am aktivsten mit dabei, man sieht Reaktion sofort.
  • Integration mit welchem Ziel? – Diese Frage sollte am Anfang stehen. Grössere Reichweite? Neue Meinungen/Inputs aufnehmen als Mehrwert? Sendung bereichern?
  • Gemeinsames redaktionelles Verständnis – Kameramann, Produzent, Moderator etc. müssen alle das gleichen Ziel haben und sich dessen bewusst sein.
  • Wille zur Integration des Publikums – Dort scheitert es schlussendlich häufig weil man es dann doch nicht wirklich integriert. Leute nicht dazu befragt, nicht auf Kritik eingeht.
  • Bestehende Community – Nicht versuchen für einen Event eine neue Community aufzubauen, sondern mit bestehender arbeiten. Besser selektiv über bestehende, aktive Kanäle streuen.

Des Weiteren hat uns Konrad an Beispielen gezeigt, wie Falschmeldungen oder Bilder zu Geschehnissen als nicht echt entlarvt wurden und wie man an zusätzliche Informationen kommt. Hierfür gibt es unzählige Tools die alle hier aufgelistet sind: www.bit.ly/social-recherche

Denn: „When in doubt, leave it out!“ – nichts posten, das nicht verifiziert ist! Unbedingt Nachforschungen anstellen und lieber einmal etwas später verbreiten als zu den Ersten gehören die dann leider einer Ente aufgesessen sind.

konradweber.ch