Aus dem Unterricht des CAS Social Media Management berichtet Doris Zetzema:

Der Blog oder das Blog? Beides ist erlaubt. Auch, dass aus Karin Friedli plötzlich Thomas Mauch wird.

Karin Friedli von www.blogwerk.ch wäre die erste Dozentin gewesen. Doch familiäre Gründe verunmöglichten ihr, uns das Thema Corporate Blog näherzubringen. So stand Thomas Mauch, Leiter des Verlags von Blogwerk, vor uns – was ja auch erlaubt ist.

Weshalb soll ein Unternehmen einen Blog führen?

Ein Blog ist das perfekte Dialogmedium, um Kundenbeziehungen zu pflegen und neue Kunden zu gewinnen. Zudem lieben Suchmaschinen Blogs und beurteilen Webseites mit unterschiedlichem Content und vielen Unterseiten höher als Webseites mit wenig oder sich wiederholenden Inhalten. Mit einem Blog kann ich also folgende Ziele erreichen:

  • Suchmaschinenoptimierung (SEO)
  • Imagegewinn/Vertrauensbildung
  • Höhere Conversion (früher mit potentiellen Kunden in Kontakt kommen, d. h. Unterstützung des Sales)

Womit zeichnet sich ein Blog aus?

Der Blog wird in umgekehrter chronologischer Reihenfolge geführt – das Aktuellste kommt zuerst. Alle Artikel werden mit Permalinks (eine unveränderliche Adresse im Web) versehen:

  • Sprechende URL, bwz. Headline (sorgt für höhere Aufmerksamkeit, URL auch wichtig für SEO)
  • Definierter Inhalt
  • Dauerhaft erreichbar

Blogs sind wie gesagt ein Dialogmedium, deshalb gehört zu jedem Blog eine Kommentarfunktion. So kann ein Leser ein Gespräch mit einem Blogger beginnen. Da sowohl der Blog als auch alle Kommentare öffentlich sind, können sich zusätzliche Besucher des Blogs zum Thema äussern.

Allein auf weiter Flur?

Auf keinen Fall: Die Vernetzung mit anderen Bloggern bildet häufig die Grundlage für ein lebendiges Blog mit vielen Kommentaren. Blogger verlinken auf externe Inhalte zu ihrem Thema, auf andere Blogs oder auf frühere, eigene Artikel, wenn es der Information dient. Eine Erwähnung am Ende am Ende des Artikels ist ebenfalls möglich. Diese Erwähnungen werden auch als Trackback bezeichnet, da sie durch Backlinks auf den ursprünglichen Beitrag verweisen. Backlinks sind übrigens sehr wertvoll, weil sie das Google Ranking verbessern.

–> Der Blog ist der Social Media Hub – die Social Media Zentrale.

Ein Blog ist wie ein Zuhause unserer Inhalte und ist stark verbunden mit anderen Social Media Kanälen:

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Eine contentbasierte, nachhaltige Social-Media-Strategie funktioniert viel besser mit einem Blog.

Ein gutes Beispiel ist der Reiseblog auf der Webseite von travelhouse, zu finden unter www.travelhouse.ch. Unter einem eigenen Navigationspunkt berichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihre Reisen. Der Blog wird als Subdomaine der URL geführt: blog.travelhouse.ch

Ein anderes Beispiel ist zu finden unter http://blog.blogwerk.com

Grundsätzlich sollten on- und offline alle Möglichkeiten genutzt werden, um auf den Blog aufmerksam zu machen. Für erfolgreiches Blogging ist wichtig, eine Nische zu finden. Denn es gibt zu viele Blogger zu allgemeinen Themen. Einer der wichtigsten Aufgaben der Social Media Manager wird künftig sein, Aufmerksamkeit zu generieren. Denn es wird immer mehr Content produziert (in allen Kanälen) – die Aufmerksamkeit wird immer knapper. Wichtig ist zudem das Budget für Contentpromotion: Es müsste gleichhoch sein wie für die Produktion von Content, sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Um in Blogs möglichst authentisch zu sein, empfiehlt Thomas Mauch, die Mitarbeitenden in den Vordergrund zu stellen – insbesondere im Dienstleistungsbereich.

Ein gutes Beispiel – auch hinsichtlich SEO – ist der Blog der Raiffeisen. Hier ist das Kundenmagazin Panorama in einem Blog angereichert mit Zusatzinformationen: http://panorama-magazin.ch/

Immer topaktuell

Am einfachsten ist das digitale Nachrichtenformat RSS (Really Simple Syndication). Damit kann der Leser einen Blog in einem so genannten Feedreader abonnieren. Diese Anwendung benachrichtigt ihn automatisch über neue Beiträge in den abonnierten Blogs. Beliebte Werkzeuge zum Lesen von RSS-Feeds sind die entsprechenden Funktionen von E-Mail-Programmen (z. B. Microsoft Outlook) oder Google Reader (reader.google.com).

Guter Content ist das A und O

Contentproduktion soll nicht dem Zufall überlassen werden – hier hilft ein Redaktionsplan: Darin werden Themen, Zuständigkeiten, Termine und Verantwortlichkeiten festgelegt. Ganz wichtig ist es, die Perspektive zu wechseln und aus Sicht des Kunden zu handeln. Gute Blogs sind lesenswert, weil sie

  • einen hohen Aktualitätsgrad aufweisen.
  • Austausch und Dialog fördern.
  • die Identität einer Marke, eines Unternehmens transportieren.
  • Verbindungen schaffen.
  • Inhalte auffindbar halten.
  • wunderbar in eine gute Cross-Media-Strategie passen.

und last, but not least:

  • weil sie sehr gute Freunde von Google sind.

Und wie wird man ein guter Freund von Google? Eine gute Struktur des Blogs ist sehr wichtig. Das Wichtigste immer zuerst schreiben. Keywords gehören in die URL und/oder in den Titel. Das dient übrigens auch der Lesefreundlichkeit. Google liebt Leads, Zwischenüberschriften, Listen, Zitate, Bilder, Videos und Links.

Kennst Du das KUDOS-Prinzip beim Bloggen?

  • Knowledgeable Kennst Du Dich aus? Bist Du glaubwürdig?
  • Useful Ist Dein Inhalt nützlich? Auch für Deine Kontakte und Follower?
  • Desirable Ist es cool, den Inhalt zu teilen? Macht es Spass?
  • Open Bist Du so transparent wie möglich?
  • Shareable Ist es einfach, Deinen Inhalt zu verbreiten?

Ein gutes Beispiel für einen gelungenen Blog ist Schwarzkopf. Auffallend ist, dass die Webseite auf den ersten Blick gar nicht für ihre Produkte wirbt. Der Fokus liegt bei den Tipps, Trends, Promis etc.

So meint Thomas Mauch: Schwarzkopf ist ein hervorragendes Beispiel für den konsequenten Fokus auf Unterhaltung und sie wollen die Kunden dort abholen, wo sie sich über Beauty-Themen informieren. Schwarzkopf wird zum Medienhaus! Allerdings ist für solche Massnahmen auch Budget von CHF 100‘000.— erforderlich (für Content, Personal etc.)

Und wer kennt Betty Bossi nicht? Bestes Beispiel für ein Unternehmen, das nicht über seine Produkte erzählt, sondern Rezepte liefert:

Facebook versus Blog

Braucht man im Zeitalter von Facebook einen Blog?

Ja, denn

  • beim Blog wird das Layout selbst bestimmt.
  • ein Blog ist ein eigener Kanal: unabhängig von fremden Kanälen wie z. B. Facebook oder Twitter. Wenn der Marc in den USA etwas entscheidet, dann könnte es zum shut down kommen J.
  • bei Facebook wird die Sichtbarkeit eingeschränkt, damit Werbung verkauft werden kann – beim Blog entscheidet der Blogger selbst
  • Facebook hat das Recht, gepostete Bilder auf Facebook für eigene Zwecke zu verwenden

Technologie

Das CMS (Content Management System) für einen Blog muss nicht mehr entwickelt werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, am meisten eingesetzt wird die opensource Software WordPress (wird von rund 22 Prozent aller Blogger benutzt). Andere Software sind TypePad, Blogger, Movable Type oder Drupal.

Technologie

Ganz wichtig: Damit die Blogs auf allen Devices korrekt dargestellt werden, muss das WordPress Template responsive sein. Denn je nach Grösse und Umfang des Blogs verändert sich die Darstellungsform.

Entweder läuft die Software auf einem gehosteten Dienst (eher geeignet für erste Gehversuche oder private Blogs) oder auf dem eigenen Server (empfehlenswert für den Corporate-Einsatz).

Viel Spass!

Nun wünsche ich allen viel Spass beim Bloggen. Auch bei Blogs gilt die alte Social-Media Regel: Lernt durch Zuhören und Beobachten. Blogs sind ein etabliertes Medium, und zu jedem Thema gibt es zahlreiche Blogs. Schaut einfach, wie andere es machen, und lernt daraus. Beobachtet aus der Kundenperspektive. Dann merkt Ihr rasch, worauf es ankommt und was Euren Lesern gefällt – und denkt daran: Vieles ist erlaubt.