Aus dem Unterricht des CAS Digital Leadership mit Christian Hirsig berichten Marco Canepa und Gabriele Burn:

Der Referent

Samstag, der Unterricht beginnt um 13.00 Uhr mit zwei Paukenschlägen: Boom! Business Pläne passen in der agilen digitalen Welt auf ein A4-Papier – der altbewährte 100-seitige Business Plan wurde desruptiert. Boom! Vor uns stand Christian Hirsig – nach Definition im ersten Jahr der Digital Natives geboren. Wir zwei Blogger – die eine Immigrant und der andere Native – schauten erst leicht verwundert, doch Christian Hirsig  überzeugte. Nicht nur durch seine gelebten eigenen Business Modelle: Founder Atizo, @geileeier, Blacknose Bier (Medien/Links: http://www.ambolo.ch/blog/?p=1413: 05.08.2015 – Blacknose – Nein, nicht das Schaf …… Samstag über Zermatt ». Blacknose Bier. Das 12er Gascho Blacknose Bier ist da. Ab in den Frigo)

und das frisch gelaunchte NGO swisspreneur (Twitter-Blog @christianhirsig, 02.09.2016 launch….). An seinen 3B-Zielen arbeitet er konsequent: Bub – es sind bereits 2 – Bier und Buch. Das Buch ist zur Zeit in Arbeit. Seine Energie übertrug sich auf uns. Seine These: Ein guter Business Plan passt auf eine A4 Seite. Das Tool dazu: Business Model Canvas.

Business Model Canvas – das kann was!

Es geht in erster Linie nicht darum, ein Ertragsmodell zu zeichnen. Vielmehr ist es die holistische Sicht auf ein Produkt, ein Geschäftsmodell. Aus verschiedenen Perspektiven – wie Herz und Kopf – auf 9 zentrale Inhaltsfelder zu schauen. In der IT ist die UML Unified Modelling Language die verbindende, einheitliche Sprache. Canvas ist DIE gemeinsame Sprache des Business. Canvas ermöglicht ein transversales Gespräch auf Augenhöhe unter den Stakeholdern.

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Mit dem konsequenten Durcharbeiten des Templates lässt sich das Business Modell innert kürzester Zeit visualisieren und konkretisieren. Ideal zum Arbeiten im Team.

captureChristian Hirsigs Top-Tipp: Immer auf der rechten Seite starten!

Kundensegmente

Beschreibt unser Ziel-Kunden-Segment. Zum Beispiel: Grossunternehmen, KMU’s, Multinationale OEM’s, Privatkunden, etc.

  • Je spezifischer das Kundensegment, umso schärfer das Geschäftsmodell!

Wertangebote

Beschreibt wie und welche Kundenherausforderung wir lösen. Wichtig hier: Empathie! Es ist essentiell, sich in den Kunden hinein zu versetzen.

  • Get more or give more – welches Problem lösen wir dem Kunden?

Kundenbeziehungen & Kanäle

Kundenbeziehungen sind Herzensbeziehungen. Diesen Grundsatz immer vor Augen halten. Diese Beziehungen sollen über ein Account Management Team oder einen dedizierten Key Account Manager gehegt und gepflegt werden.

Die Kanäle sind Kopfarbeit. Die Fragestellung ist: Über welche Kanäle wird unser Produkt/Dienstleistung vertrieben. Je nach Produkt und entsprechender Beratungsintensität eignet sich zum Beispiel der Direktverkauf, der Verkauf über Partner, usw.

  • Mass customization? Segment of one?

Schlüsselaktivitäten & Ressourcen

Bei den Schlüsselaktivitäten denken wir in Verben, bei den Ressourcen in Substantiven.

Schlüsselpartner

Wir stellen uns die Frage: Was machen wir selbst? Zu Beginn eines Cases lohnt es sich, andere Partner für sich arbeiten zu lassen. Die Partnerwahl ist ein dynamischer Prozess, insbesondere zwischen Wertangebot und Schlüsselpartner. Welchen Effekt erzielen wir auf unsere Kostenstruktur?

  • By yourself oder outsourcen?

Kostenstruktur

Bei der Definition der Kostenstruktur haben wir meist nur wenig Raum für Innovation. In der Schweiz sind zum Beispiel die Hauptkostentreiber vor allem die Löhne. Je nach Partnerwahl und Businessphase fallen Beraterhonorare an, saisonal, projektbezogen.

Einnahmequellen

Wie sichern wir unseren Umsatz bzw. wofür verlangen wir Geld. Zum Beispiel: Einmalige Gebühren, wiederkehrende Gebühren, Flat Modelle, etc.

  • Gebührenmodelle und Abhängigkeiten prüfen

Die Übungsanlage

Ausgerüstet mit diesem Basiswissen schickte uns Christian Hirsig in 4 Gruppen. Ziel: Nach 45 Minuten steht ein erster Draft eines Business Modell Canvas zur Präsentation und Diskussion im Plenum. Unser Praxiswissen bildete die Basis für das konkrete Beispiel, in orangen Post-ist als IST Zustand. Das Thema kam gut bei Christian Hirsig an J: Marcos Gruppe befasste sich mit einer IoT – Internet of Things – Lösung für einen grossen nationalen Bierproduzenten. Durch die Vernetzung seiner industriellen Biertanks (betrieben durch die Bierproduzenten), welche bei seinen Kunden (Wirte) im Einsatz sind, wurde die Füllstandsüberwachung und der (Bier-) Bestellprozess für den Wirt, sowie auf Bierproduzenten-Seite die Planung und Disposition der Bierlieferungen optimiert und automatisiert.

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In einem zweiten Schritt wurde der Black Swan als ein ultimativer Game-Changer ins Spiel gebracht. In unserem konkreten Fall: Alkohol Prohibition! Zum Glück nicht wirklich unser derzeitiges Problem und in Gedanken wurden wir in die späten amerikanischen zwanziger Jahre zurückversetzt.

Durch Diversifizierung und Erweiterung unseres bestehenden Produkts – die grünen Post-It’s – könnten die Wirte nicht nur einfach und automatisiert Bier bestellen – was ja per Dekret illegal ist – sondern auch sämtliche weiteren Food & Beverage Produkte einfach, schnell und automatisiert bestellen.

Ermöglichen würde dies eine agnostische Plattform, in welche sämtliche Lieferanten integriert sind.

As simple as that! 😉

captureAls Key Take Away aus dem Modul Business Model Canvas sehen wir die Wichtigkeit, alle an der Mitarbeit involvierten Personen auf ein gemeinsames Wissenslevel zu bringen. Die kommunikative Klammer bildet das Template, um mit gleichem Verständnis auf Augenhöhe in Teams zu arbeiten. Ob es in unserem Beispiel am gewählten Thema lag, ist nicht definitiv geklärt.

Es fiel uns aber leicht, im kreativen Modus Ideen zu generieren. Immerhin kannten wir uns am dritten Tag des CAS noch praktisch nicht – waren keine bewährten Teams – das Template war aber der Schlüssel zum erreichten Ergebnis.

Für Wissenshungrige: Der geistige Vater des Business Modell Canvas

Wer hat es erfunden: Ein Schweizer! Es machte uns mächtig stolz zu hören, dass dieses Modell von Alexander Osterwalder entwickelt wurde und er dadurch zum Kosmopoliten wurde. https://www.youtube.com/watch?v=8GIbCg8NpBw

Er ist nun ausschliesslich mit seinem Canvas als Berater und Referent unterwegs. Nebenbei: Alexander Osterwalder ist in der Seitenlinie mit einem bekannten Weinhaus aus der Ostschweiz verwandt. Hoffentlich, taucht hier der von uns angenommene Black Swan nicht auf…. Und sonst: Ran ans A4-Papier.