Aus dem Unterricht des CAS Disruptive Technologies mit Christophe Vetterli berichtet Oktay Alan:

Wie soll eigentlich Design Thinking im Kontext einer disruptiven Technologie verstanden werden? Christophe Vetterli referiert und demonstriert uns, dass Design Thinking mehr bedeutet als nur gelbe Zettel kleben. Design Thinking ist der Ansatz, Probleme zu lösen und die Entwicklung von neuen Ideen zu fördern.

Definition

Eine treffende Definition für Design Thinking gibt es nicht. Es ist mehr von einem multidisziplinären Ansatz geprägt als von einer Wissenschaft. Es verbindet und bringt Werkzeuge, Personen und Orte in ein harmonisches Zusammenspiel. Die wohl passendste Definition aus unternehmerischer Sicht gibt Tim Brown, CEO von IDEO: Design Thinking ist ein “approach that uses the designer’s sensibility and methods for problem solving to meet people’s needs in a technologically feasible and commercially viable way. In other words, design thinking is human-centered innovation”. Kurz gesagt, die Kundenbedürfnisse stehen im Zentrum und dienen als Orientierungspunkte für die Entwicklung von neuen Ideen und Konzepten. Es wäre demnach ein fataler Fehler, die Endkunden im Entwicklungsprozess nicht miteinzubinden.

Design Thinking im Unternehmen

Viele Unternehmen sind sich gewohnt, unter Rahmenbedingungen zu arbeiten, welche die Kreativität beeinflussen und Betriebsblindheit fördern. Unternehmen müssen einen radikalen Wandel in ihrer Denkhaltung vorantreiben, um Innovationen eine Plattform anbieten zu können. Grundsätzlich sind Unternehmen, die ein Mindset für Design Thinking entwickeln, erfolgreicher.

Design Thinking endet nicht mit der Lancierung eines Produktes, sondern ist ein kontinuierlicher, unterstützender Entwicklungsprozess, ganz nach dem Motto “Design never ends”. Das zeigt, dass dieser Ansatz ein integrativer Booster in der Gestaltung von Produkten oder Dienstleistungen ist. Dabei ist ein interaktiver Lernzyklus von grosser Bedeutung für den Erfolg. Die Interaktion und der stetige Austausch von Informationen bringen neue Inputs, welche wieder in die Produktentwicklung einfliessen werden. Besonders das Prototyping hat sich in der Praxis sehr bewährt und bringt schnelle Resultate sowie Rückschlüsse auf Kundentauglichkeit.

Wie sieht es in der Praxis aus?

Gemäss Vetterli ist “Lernen und Entwickeln” die Ausgangslage für ein erfolgreiches Design Thinking im Unternehmen. Als Unterstützung dient das unten abgebildete Modell (Quelle: Präsentation C. Vetterli S. 35), welches in fünf Phasen aufgeteilt ist und sich in einem wiederholenden Prozess verhält.

Zyklus

  • Phase I: Needfinding –> Verstehe deine Kundinnen und Kunden/User und ihre Bedürfnisse
    • Bedürfnisse sind keine Lösungen!
    • Lösungen sind keine Verben, sondern Nomen
    • Workarounds (provisorische Lösungen) unterstützen die Entwicklung
    • Befrage die “Extreme User”-Community
  • Phase II: Brainstorming –> Entwerfe eine Idee oder trage welche zusammen
  • Phase III: Prototype –> Baue einen Prototypen
    • Ideen müssen greifbar sein, das fördert die Kommunikation
  • Phase IV: Test –> Teste im realen Umfeld und lerne daraus
  • Phase V: Re-define the Problem –> Hinterfrage und reflektiere das Ergebnis

Fazit

Die zwei wichtigsten Take-Aways dieser Lektion sind:

  • Design Thinking hat keine eigentliche Definition, sondern ist Regeln unterstellt
    • Human Rule: im Zentrum stehen die Kundenbedürfnisse
    • Ambiguity Rule: Innovation steht für experimentieren – keine Angst vor dem Versagen!
    • Re-Design Rule: Technologische und soziale Umstände ändern sich im Verlauf der Zeit, und so auch ihre Lösungen –> Design never ends!
    • Tangible Rule: Ideen sollen fassbar gemacht werden, das erleichtert die Kommunikation und das Teilen von Wissen
  • Diversität in Teams ist ein wichtiger Innovationstreiber

Weitere Infos: CREAFFECTIVE