Aus dem Unterricht des CAS Digital Finance mit Markus Graf und Ivo Ronner berichtet Marco Häfele:

Die Studierenden des CAS Digital Finance haben am 25. April 2017 für einen Tag das gewohnte Umfeld der HWZ verlassen, um im F10 Fintech Incubator & Accelerator der SIX Group Praxisluft zu schnuppern und in die Welt des Design Thinking einzutauchen. Bereits nach der Einführung durch Markus Graf ist klar, dass dies kein “normaler” Schultag wird. Die gehörte Theorie ist sofort in Form einer Gruppenarbeit anhand eines praktischen Beispiels umzusetzen. Es gilt innovative Lösungen, nach denen sich die Kunden schon immer gesehnt haben, zu entwerfen…doch beginnen wir von vorne:

Was ist Design Thinking?
Kommen Ihnen wenn Sie den Begriff “Design Thinking” hören, vielleicht auch alle möglich und unmöglichen Kreativitätsmethoden, die in den letzten Jahren als die Heilsbringer bei Innovationsproblemen propagiert wurden in den Sinn? Oder vielleicht Top Manager, die am Boden sitzen, mit Legosteinen spielen und versuchen in ihrem Unternehmen den innovativen Turnaround zu schaffen? Mir jedenfalls ging es teilweise so, dass ich den Eindruck hatte, dass viele (neue) Methoden unter dem Schlagwort “Design Thinking” zu verkaufen versucht wurden. Doch Design Think ist, wie wir erfahren durften, weit mehr.

Design Thinking ist ein kreativer, aber trotzdem sehr strukturierter Lösungsentwicklungs-Prozess, in dem das Kundenbedürfnis ins Zentrum gestellt wird. Durch Prototyping wird versucht möglichst schnell einen “angreifbaren” Eindruck zu bekommen, wie das Endergebnis ausschauen könnte. Der Prozess ist geprägt vom ständigen Austausch zwischen den Entwicklern einer Lösung und der Zielgruppe. Lange vor dem eigentlichen Rollout werden die Endkunden in Form von Tests und Feedbacks in den Prozess eingebunden.

Prinzipien von Design Thinking

Iteratives Vorgehen

Design Thinking ist ein iterativer Prozess, der im Idealfall solange durchlaufen wird bis das für den Kunden nützlichste und somit best akzeptierte Endprodukt erreicht werden konnte.

Kundenzentriertes Lösungsdesign


Kundenzentriertheit entsteht ausschliesslich durch direkten Kontakt mit dem Endnutzer, der definiert was konkret seine Anforderung ist und wie diese gelöst
werden kann. Für ein kundenzentriertes Lösungsdesign reicht es NICHT aus jene Stellen im Unternehmen zu befragen, die die Kundenkontakte pflegen.

Fail forward

  

Die in vielen Unternehmen vorherrschende Null-Fehler-Toleranz ist für den Design Thinking Prozess über Bord zu werfen. Auch wenn sich beispielsweise erst nach mehreren Design-Iterationen herausstellen sollte, dass das Vorhaben nicht den gewünschten Erfolg bringen wird, ist der Prozess kontrolliert abzubrechen und die Learnings zu dokumentieren.

Keine Einschränkungen

Innovation lebt von der Möglichkeit alt Eingesessenes und Bewährtes in Frage stellen zu dürfen. Auch unkonventionelle Ideen dürfen ausgesprochen, diskutiert und ausprobiert werden.

Holistischer Ansatz

Design Thinking geht von einem holistischen Ansatz aus, der selbstverständlich die Lösung der eigentlichen Problemstellung im Fokus hat, der aber auch die Elemente des Gesamtsystems und deren Verbindungen betrachtet. Allen Elementen, auch jenen die auf den ersten Blick zweitrangig erscheinen, wird während des Design Prozesses die gleiche Beachtung geschenkt.

Interdisziplinäres Team


Der Design Thinking Prozess lebt davon, dass dieser von einem interdisziplinären Team durchgeführt wird. Es ist dabei essentiell, dass alle Schritte des Prozesses vom gesamten Team “durchlebt” werden. Beispielsweise sollen Entwickler unbedingt bereits beim ersten Schritt, d.h. bei der Aufnahme der Kundenanforderungen, dabei sein. Alle Beteiligten sollen aus erster Hand erfahren was das Kundenbedürfnis ist. Die Beteiligung von NICHT Prozess- oder Produkt-Insidern stellt mit hoher Wahrscheinlichkeit sicher, dass Grundsatzfragen zu Themen gestellt werden, die ein Insider von vornherein als gegeben erachtet.

Collaboration

Dem Teambuilding und der eindeutigen Definition von Spielregeln ist am Anfang eines Design Thinking Prozesses besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Eine der wichtigsten Regeln ist sicherlich, dass im Unternehmen geltende Hierarchien nicht für das Design Think Team gelten. Alle Teammitglieder sollen unabhängig von ihrer Stellung im Unternehmen die gleichen Rechte und Pflichten haben.

Lösungsorientiert

Bei der Zusammensetzung des Teams ist zudem darauf zu achten, dass von ihrer Grundhaltung her möglichst optimistische und lösungsorientierte Personen am Design Thinking Prozess mitarbeiten. Bis zu einem gewissen Mass kann Lösungsorientierung sicherlich antrainiert werden, mit negativen eingestellten Mitarbeitern, die aus Prinzip ein halb leeres Glas sehen, wird das Entwickeln einer innovativen Lösung aber nahezu unmöglich sein.

And the winners are…

Das Team bestehend aus Nancy Grob, Malte Holzberger, Gerd Schädler, Mischa Kulil und Simeon Belopitov konnte die Jury bestehend aus Markus Graf und Rino Borini mit ihrer Idee einer “AGB Waschmaschine” am meisten überzeugen.
Was das Ding kann, erfahrt ihr spätestens bei Markteinführung 😉

Herzlich Gratulation…ihr habt die Bühne gerockt!