Aus dem Unterricht des CAS  Multichannel Management berichtet Bruno Habegger:

Schön und gut: Multichanneling funktioniert. Das haben wir im nun fast am Ende angelangten Kursprogramm gelernt. Nun folgte die letzte, härteste Lektion: Multichannel Manager ist eine mächtige Funktion, die zahlreiche Spezialisten und Stories über alle Kanäle dirigiert. Aber oft auf Organisationen prallt, die in Silos organisiert sind. Bruno Habegger reflektiert.

Gastdozent Patrick Hofer gab eine kompetente Einführung in die Prozessorganisation und Organigrammstrukturen von Unternehmen und zeigte auf, wie ein idealer Multichannel-Prozess aufgebaut sein muss. Nämlich so:

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Man erkent auf den ersten Blick: Trifft ein solcher Multichannel-Prozess auf eine starre Siloorganisation, wirkt er wie ein Tornado. Der geneigte Leser, die geneigte Leserin möge mir verzeihen, wenn ich nun nicht die Folie herunterbete, sondern auf einen anderen Aspekt aufmerksam mache:

Die Schweizer Wirtschaft krankt an ihrer Geschichte. Sie baut auf veraltete Organisationsstrukturen, die dringend zu reformieren wären. Sie stammen aus industriellen Zeiten, die längst passé sind. Starre Strukturen und eine hohe Arbeitsteiligkeit sind die Fliessbänder der Büros: Monty Pythons «The Crimson Permanent Assurance» lässt grüssen.

Die Welt ist im Wandel. Unternehmen, die das nicht bemerken, landen auf der gorbatschowschen Liste der Zuspätgekommenen. Die hoch vernetzten, auf sich und ihre Kompetenzen bezogenen Menschen wollen die Kontrolle über ihr Leben zurück, ein ausbalanciertes Arbeits- und Berufsleben erreichen, ihre Fähigkeiten in mehr als nur einem Teilbereich des Unternehmens einbringen.

Die Ich AG ist keine Egoismus-Organisation, sondern eine agile, kreative, ganz auf den Mitarbeitenden und seine Aufgaben ausgerichtete Organisation, die eine Vielzahl von Ichs zu einem gemeinsamen Ziel vereint: dem Erfolg. Der nicht zwingend monetär definiert sein muss.

Ob demokratische Unternehmen die Antwort sind, die Patrick Hofer am Ende seines Unterrichtstages vorstellte? Vielleicht es ist es auch jener Unternehmer, der als guter Diktator agiert, auf Finanz- und andere Pläne pfeift, Wachstum nur organisch gut findet, auf seinen Bauch hört und Mitarbeitende grosszügig am Erfolg beteiligt. «Ich werde ja sowieso nackt ins Grab sinken», sagte er mir kürzlich.

Jeder Unternehmer, jedes Unternehmen, muss die ihm angepasste Version von agiler Organisation finden, in der sich Mitarbeitende so entfalten können, wie es ihnen möglich ist: Längst nicht alle wollen mitreden, wollen kreativ sein, wollen flexibel arbeiten. Auch sie sollen ihren Platz finden.

Es braucht Multihuman-Organisationen.

Wie auch immer: Es war noch nie spannender als heute, ein Unternehmer zu sein.