Diesen Gastbeitrag aus dem Digital Society Report schreibt Felix Walker:

Es ist fraglich, ob es je notwendig war, alle Jahre ein neues Smartphone-Modell anzuschaffen. Aber es scheint, dass dieses User-Verhalten zum Smartphone-Boom der vergangenen Jahre beigetragen hat. Nun scheint sich dieses Verhalten geändert zu haben: Die Technologie wird nicht schnell genug besser, um ein Upgrade zu rechtfertigen. Allerdings gibt es auch noch andere Gründe für den schrumpfenden Smartphone-Markt.

Die Zahl der verkauften Smartphones ist auf der ganzen Welt rückläufig. Im letzten Quartal wurden immerhin noch 355,2 Millionen Geräte ausgeliefert – was gemäss IDC einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr ausmacht. Allein Samsung, der grösste Hersteller mit einem globalen Marktanteil von 20,3 Prozent, lieferte im letzten Quartal 13 Prozent weniger Smartphones aus – vor allem in den riesigen Märkten China und Indien.

Dafür hat der chinesische Hersteller Huawei aufgeholt und ist bei den Auslieferungen an Apple vorbeigezogen. Huawai wurde nicht zuletzt dank dem P20 Pro Smartphone zum zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt. Ob Apple wieder aufholen kann, wird sich schon bald zeigen, da gleichzeitig mit dem Verkaufsbeginn des Apple iPhone XR das Huawei Mate 20 Pro erschienen ist. Beide Geräte rangieren in der Spitzenklasse und werden generell sehr gut bewertet. Vorläufig belegt Huawei aber den zweiten Platz auf der Herstellerrangliste, gleich nach Samsung, obwohl der Huawei Marktanteil mit 14,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal ebenfalls leicht rückläufig war. Im Jahresvergleich stieg der Marktanteil allerdings um fast ein Drittel.

Die IDC-Zahlen zeigen, dass der gesamte weltweite Smartphone-Markt in diesem Jahr erstmals schrumpfen wird – um ein rundes Prozent. Zum Vergleich: In den letzten fünf Jahren betrug das durchschnittliche Wachstum 16 Prozent.

Eines der grössten Probleme im Smartphone-Markt stellt gegenwärtig China dar, das bei weitem nicht mehr das enorme Wirtschaftswachstum aufweist, wie früher. Seit anderthalb Jahren sind die Verkäufe in China rückläufig. Die hohe Penetrationsrate, gemischt mit schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, habe den grössten Smartphone-Markt der Welt verlangsamt, erklärt Ryan Reith von IDC.

Die Sättigung des Marktes lässt die Hersteller auf fortgeschrittene Technologien wie 5G und Features wie Mehrfachkameras setzen. Wie weit dies die User dazu verleiten wird, ihre Handys öfter zu ersetzen, ist schwer abzuschätzen.

Da weltweit auch grosse Lagerbestände im Vertrieb eine Rolle bei der Entwicklung des Smartphone-Marktes spielen, könnte es durchaus sein, dass auch die Verbraucher mittelfristig vom schrumpfenden Markt profitieren könnten – in der Form von sinkenden Preisen.